Rumänien im frühen 18. Jahrhundert: Die halbmenschliche Vampirin Rayne ist die Hauptattraktion der Freakshow eines Wanderzirkus und wird ansonsten wie ein Tier im Käfig gefangen gehalten... bis sie sich eines Tages in einem Anfall von Blutrausch befreien kann und die Schausteller abschlachtet, bevor ihr schließlich die Flucht gelingt. Von einer Wahrsagerin erfährt sie die Wahrheit über ihre Herkunft und den Tod ihrer Mutter, die damals von dem obersten Vampir-Fürst Kagan vergewaltigt und nach Raynes Geburt getötet wurde. Kagan hat es zwischenzeitlich auf mehrere magische Artefakte abgesehen, die ihn dazu befähigen würden, die üblichen Vampir-Schwächen wie Sonnenlicht abzulegen. Rayne verbündet sich daraufhin mit den freischaffenden Vampir-Jägern Vladimir, Sebastian und Katarin, um Kagans Pläne zu durchkreuzen... An Uwe Boll und seinen Videospiel-Adaptionen der Nullerjahre haben sich mal echt die sich die Geister geschieden, denn einerseits muss man dem Independent-Filmer ja lassen, dass er seine Finanzierungen ohne Studio-Back Up gestemmt bekommen hat und ihm 'ne ziemlich lange Zeit der Sinn abseits typisch deutschen Anspruchs-Dünkels primär nach reinrassigem Genre-Kino gestanden ist, was man ja durchaus honorieren kann... andererseits war die mangelnde Treue gegenüber den entsprechenden Daddel-Vorlagen seiner oftmals mehr als nur ein klein wenig angetrashten Streifen dann doch wieder Öl ins Feuer aller Puristen, die sich über den vermeintlichen Regie-Zwerg im Netz munter das Maul zerrissen haben. Das Dasein als Internet-Phänomen hat neben kostenloser Publicity halt wohl auch so seine Schattenseiten. Dass Bolls schärfste Kritiker oftmals aber auch dieselben waren, die seine neuesten filmischen Ergüsse gefühlt am meisten herbeigesehnt haben (um darüber abzulästern), lassen wir mal so im Raum stehen. Man merkt es an meiner Einleitung, das Drumherum war da zumeist doch unterhaltsamer, als die Streifen selbst, und bei "BloodRayne" sieht die Sache nicht anders aus. Ausgerechnet "American Psycho"-Co-Autorin Guinevere Turner - von der man sich eventuell auch ein wenig mehr hätte erwarten dürfen - hat da nämlich bestenfalls noch 'ne grob gestrickte Fantasy-Plotte auf schlichtem TV-Serien-Niveau zusammengestoppelt, die wohl als so eine Art Prequel zur Game-Handlung durchgehen und die Ursprünge der Titelfigur klären soll, worüber sich so mancher Fan mal wieder prima mokieren konnte. Nun ja, zugegeben, neben Bolls vorhergehenden Videospiel-Entgleisungen "House of the Dead - Der Film" und "Alone in the Dark" macht sich "BloodRayne" dann aber doch recht gut und dürfte mit seiner sehr zeitgeistigen, toughen Fighter-Chick-Ästhetik irgendwo zwischen "Buffy - Im Bann der Dämonen" und "Underworld" im Period-Piece-Look den damaligen Publikumsgeschmack auch recht genau getroffen haben. Kristanna Loken macht im engen Leder-Fummel übrigens keine schlechtere Figur als Kate Beckinsale in ihrem Fetish-Outfit und bringt ihren Part als halber Vampir ebenso körperbetont über die Runden wie damals den als Killer-Cyborg in "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen"... da wird auch der Drang nach einer völlig überflüssig reingefriemelten Sex-Szene verständlich. Ein wenig atmosphärisches Kapital wird da hin und wieder noch aus den rumänischen Drehorten, die schon ein gewisses Mittelalter-Flair verbreiten, geschlagen, während einige karge Interieurs und Kerker-Kulissen neben so manchem Landschafts-Panorama direkt klaustrophobisch wirken und nicht unbedingt Kino-Feeling aufkommen lassen. Das große Fantasy-Epos, das Boll da wohl vorgeschwebt ist, isses zwar beileibe nicht, aber dafür halt ein anspruchsloses Hau-Drauf-Spektakel mit sachten Adventure-Anleihen, dem man aufgrund seiner unangemessen namhaften Besetzung einen gewissen Kuriositätswert nicht absprechen kann (besonders peinlich: Oscar-Preisträger Ben Kingsley als lethargischer Ober-Beißer Kagan!). Die saublutigen Effekte hat übrigens Olaf Ittenbach beigesteuert und mit seinen ausgiebig und breit gefeaturten F/X mal wieder ein paar Highlights für alle Gorebauern gesetzt, die "BloodRayne" folglich alleine schon wegen seiner Beteiligung auf dem Zettel haben müssen. Ach ja, hier noch die beste Trivia zum Film: In der Szene mit Meat Loaf hat man statt Statistinnen einfach ein paar Nutten ans Set gekarrt, weil die pro Stunde billiger waren...
5/10