"Das ist die perfekte Welle!"
Mit "Tsunami" serviert uns Pro7 filmisches Seemannsgarn vom Feinsten und beweißt zudem perfekt getimtes Feingefühl. Groß angekündigt, von der Realität eingeholt, verschoben... schon Anfang 2005 sollte der Film gezeigt werden. Jedoch machte der Tsunami in Asien Pro7 einen Strich durch die Rechnung. Und nun wenige Wochen nach dem Hurrikane in den USA will sich der Sender dennoch nicht ein weiteres Mal von Mutter Natur ärgern lassen und lässt "Tsunami" auf die TV-Zuschauer los...
Auf einer Bohrinsel in der Nordsee läuft die Suche nach dem fossilen Brennstoff Methanhydrat. Um sich einen Vorsprung auf dem Weltmarkt zu verschaffen, operiert die Firma Alpha Gas ohne Genehmigung der Behörden. Christian Wieland (Lars Gärtner), Umweltbeauftragter von Alpha Gas, will Projektleiter Kramlick (Dan van Husen) davon abhalten, riskante Sprengungen durchzuführen - und wird aus dem Weg geräumt. Zuvor hat er noch seinen Freund Jaan (Kristian Kiehling) seine Unterlagen zukommen lassen. Gemeinsam mit der Hydrologin Svenja (Anja Knauer) will Jaan Kramlick stoppen. Aber noch bevor sie aktiv werden können, wird Sylt von einer Flutwelle heimgesucht. Und das ist erst der Anfang...
Groß angekündigtes TV-Highlight, aber die Darsteller kennt wieder mal keine Sau. "Hai-Alarm auf Mallorca" hatte da wenigstens noch Ralf Möller als Zugpferd. Aber wer zur Hölle ist Kristian Kiehling (Wilde Jungs), der höchstwahrscheinlich nur wegen seines Äußeren gecastet wurde. Besagter Johnny Depp für sehr Arme verkörpert in "Tsunami" die Hauptfigur namens Jaan, seines Zeichens Ex-Surfer. Und da fangen die Klischees schon an. Ironischerweise ist seine Ex-Flamme beim Wellensurfen draufgegangen, weshalb er jeder Person gleich die Fresse poliert, die ihn nur darauf anspricht. Ansonsten ist er halt ein mittelloser Ex-Surfer und Sonnyboy in einem. Aber solche Typen sind ja bekanntlich auf jeder Familienfeier Schwiegermutters Liebling. Selbstverständlich darf der weibliche Love Interest nicht fehlen, den man hier in Gestalt von Anja Knauer (Lenya) vorfindet, die zwar auch keiner kennt, aber immerhin Infos über Wellen usw. verteilen darf. Ansonsten gibt es nur platte Dialoge zu hören. Schließlich gibts noch den lokalen Finsterling, der obendrauf noch eine Klischee-Hackfresse ist und auch ansonsten nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Der von Dan van Husen (Das Tribunal) gespielte Kramlick ignoriert natürlich sämtliche Warnungen und läuft mit seinem Handlanger Amok, sobald ihn seine profitgeilen Vorgesetzten fallen lassen. Im Prinzip das Abziehbild eines jeden 08/15-Schurken.
Besonders stolz ist man bezüglich "Tsunami" seitens Pro7 auf die toll animierten Wellen. Die sind auch recht nett in Szene gesetzt und die eine oder andere Szene (z.B. Frachtschiff auf Welle) könnte glatt aus einer US-Produktion stammen. Aber was der Heim-PC von den Pro7-Programierern hervorzaubert, haben die Rechenknechte Hollywoods schon vor sieben Jahren mit "Deep Impact" eindrucksvoller hinbekommen. Letztes Jahr konnte Onkel Emmerich dies sogar mit "The Day after Tomorrow" noch überbieten. Demnach also nichts wirklich Atemberaubendes oder Inovatives, was man hier von Pro7 geboten bekommt, auch wenns schön anzusehen ist. Animierte Wellen allein machen natürlich noch lange keinen Film. Also muss ein Aufhänger bzw. eine Rahmenhandlung her. Diese entpuppt sich zeitweise als öde "The Rock"-Kopie und mündet im Showdown in einer peinlichen "Der Sturm"-Imitation, wo unser Held schreiend per Kutter die Welle hinaufschippert. Und im Gegensatz zu Herrn Clooney überlebt er das sogar noch. Denn schließlich gilt es Schwester, Nichte und ein paar andere Inselaffen Sylts zu retten, die sich an Bord befinden. Actionmäßig bleibt "Tsunami" bis auf die annehmbar animierten Wellen eh auf der Strecke. Da wird ein bisschen mit der MP herumgeballert, ohne nachladen zu müssen, und mittels billigem SloMo-Jump einen Abhang hinuntergesprungen, um der Vor-Welle zu entgehen. Ich will hier jetzt nicht sämtliche Klischees aufzählen, aber musste die debile Göre wirklich noch kurz vor der rettenden Evakuierung abhauen, um ihrem Köter nachzulaufen? Das Drehbuch wurde wohl von einem Kleinkind verfasst. Doch die Handlungen von sogenannten Pseudo-TV-Blockbustern (ich sage hier nur "Hai-Alarm auf Mallorca" und "Held der Gladiatoren") bestachen ja noch nie durch ihren Realismus.
Lediglich die passabel animierten Wellen-Szenen und die schönen Nordsee-Aufnahmen von Amrum (den dort wurde wirklich gedreht und nicht auf Sylt) bereiten einem solide Abendunterhaltung, wenn man seine Erwartungen eh schon runtergeschraubt hat. Mit echten Blockbustern aus Hollywood werden wir mit unseren TV-Filmchen wohl nie konkurrieren können. Diesbezüglich sehe ich für den deutschen Film definitiv schwarz!