Review

Nachdem Guy Ritchie mit „Swept Away“ ganz furchtbar gefloppt war, kehrte er mit „Revolver“ wieder in Gefilde des Gangsterfilms zurück, aber auf etwas andere Weise als mit seinen vorherigen Werken.
Jake Green (Jason Statham) kehrt aus siebenjähriger Haft zurück, selbstsicher und darauf bedacht Sühne für seine Strafe zu bekommen. Schuldig ist für ihn der Gangsterboss Dorothy Macha (Ray Liotta). Also spielt Green gegen Macha in dessen eigenem Casino – und nimmt ihn richtig aus, um ihn zu demütigen. Zu diesem Zeitpunkt ist quasi noch gar nichts über das Verhältnis der beiden Figuren bekannt, selbst dass Jake inzwischen Profizocker ist, kann man nur erahnen. Denn Guy Ritchies Film liefert zu Anfang jede Menge Antworten, aber erst später die Fragen dazu.
Lange währt Jakes Glück jedoch nicht. Ein seltene Blutkrankheit soll ihn in drei Tagen dahinraffen, Macha will ihn nach der Schmach tot sehen. Hilfe bieten ihm Avi (Andre Benjamin) und Zach (Vincent Pastore), zwei sinistre Kredithaie, an, die Jake jedoch nicht komplett in ihre Pläne einweihen wollen...

Was folgt, ist als Verwirrspiel gedacht und soll komplex sein, erst verschiedene Rückblenden erklären Jakes Verhältnis zu Macha, enthüllen mehr über seinen Knastaufenthalt usw. Leider gibt „Revolver“ sein wichtigstes Geheimnis, nämlich wer in Wahrheit wohl die Fäden in der Hand hält, für den aufmerksamen Zuschauer schon extrem früh preis. So überraschen dann diverse Enthüllungen im letzten Filmdrittel kaum noch, da man sie bereits mit dem Holzhammer angedeutet hat und auch die Spannung sinkt immer weiter gegen Null, da „Revolver“ ab der Halbzeitmarke fast jedwedes Überraschungspotential verloren hat.
Doch „Revolver“ ist nicht als reiner Thriller gedacht, Guy Ritchie versucht sich hier an mehr – und scheitert dabei. Denn seine Versuche später noch ein Verwirrspiele mit der Psyche einiger Protagonisten anzufangen wirken stellenweise einfach nur unbeholfen. Wenn eine Figur in einem Fahrstuhl mit sich selbst ringt wie Gollum mit Smeagol (zumindest ist die Szene fast genauso filmt), wirkt das Ganze eher schlapp als überzeugend, zumal „Revolver“ dem Zuschauer in den letzten Minuten viel zu viele derartiger Selbstgespräche aufzwingt, obwohl man den eigentlichen Sinn hinter diesen Szenen schon verstanden hat. Das Ende ist dann halb offen, das meiste ist geklärt, aber ein paar Fragen bleiben noch (vor allem wie es für einige Charaktere weitergeht), statt eines Abspanns gibt es zwei Minuten Schwarzbildschirm mit Musikuntermalung, doch das wirkt ein wenig wie ’Twin Peaks gewollt und nicht gekonnt’.
So ist es schade, dass Guy Ritchies Film in der zweiten Hälfte so dermaßen abbaut, denn Potential ist durchaus da. Da wären zum einen durchaus humorige Einfälle wie Machas eigenartiges Ganzkörpersolarium, der frei interpretierende Übersetzer der Chinesengang oder der Profikiller in der Sinnkrise. Dabei ist „Revolver“ dann nie auf Komödie angelegt wie „Bube, Dame, König, grAs“ oder „Snatch“, doch humorvolle Auflockerungen im gewohnten Stil gibt es dann doch.

Außerdem erweist sich Guy Ritchie mal wieder als visuell sehr ausgefeilter Regisseur und kann mit seiner Optik zumindest zum Teil das wettmachen, was das Script vergeigt. Kameraarbeit und Farbgebung sind mal wieder ausgefallen, den visuellen Höhepunkt bietet sicher die Schießerei in dem Haus kurz vor Schluss, in der eine Figur eine ganze Armada von Angreifern killt und dies optisch auf sehr ausgefallene Weise präsentiert wird. Schusswechsel, Folter und ein Tresorklau, der fast vom deutschen „Bang Boom Bang“ inspiriert scheint, bringen auch kurzfristig etwas Krawall in den Film, doch insgesamt ist „Revolver“ doch eher ruhig und setzt mehr auf seine Figuren.
Schauspielerisch ist Guy Ritchies Film ziemlich gelungen, vor allem Jason Statham ist mal wieder gnadenlos cool – hier mit ungewohnter Langhaarfrisur. Der oft unterschätzte Ray Liotta kann als cholerischer Gegenspieler wunderbar mithalten, Andre Benjamin und Vincent Pastore als Kredithaie sind ebenfalls ordentlich, aber schwächer als Statham und Liotta.

Unterm Strich erweist sich „Revolver“ dann als ungewöhnlicher Film Guy Ricthies, der sich aber mehr vornimmt als er einhalten kann. Visuell ist die Chose gewohnt ansprechend, seine Momente hat „Revolver“ definitiv auch, aber die als Verwirrspiel gedachte Story erweist sich als überraschend durchschaubar und die Versuche mit der Psyche der Figuren zu spielen wirken unbeholfen.

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