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Kriegs- bzw. Antikriegsfilme gibt es viele. Meistens beinhalten sie viel Action und versuchen die Grausamkeiten des Krieges durch eine hohe Anzahl an Toten zu verdeutlichen. Sam Mendes (Road to Perdition; American Beauty) geht mit Jarhead, welches sich an dem gleichnamigen Roman des Veteranen Anthony Swofford, welcher selbst am ersten Golfkrieg teilgenommen hat, orientiert, jedoch einen anderen Weg. Hier wird die Geschichte eines Soldaten erzählt, der im ersten Golfkrieg 1990/1991 durch die Hölle geht und letztlich doch keinen einzigen Schuss abfeuert.

Der Soldat Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) hat sich freiwillig bei der Army gemeldet und wird dort als Scharfschütze ausgebildet. Während der harten Ausbildung unter Staff Sgt. Sykes (Jamie Foxx) freundet er sich mit seinem Kollegen Troy (Peter Sarsgaard) an. Nach Vollendung der Ausbildung gehören sie zu den ersten Soldaten, die 1990 ins Kriegsgebiet geschickt werden. Zu Beginn besteht die Aufgabe der amerikanischen Soldaten im Schutz der Ölfelder vor den irakischen Soldaten. Erst nach über fünf Monaten bekommen sie den Befehl über die irakische Grenze zu schreiten. „Jarhead“ erzählt die Geschichte von der Ausbildung Swoffords bis hin zur Rückkehr der amerikanischen Soldaten aus dem Golfkrieg, welcher nach der langen Wartezeit auch nur knapp länger als vier Tage dauert.

Die ersten Szenen des Films erinnern noch an den Film „Full Metal Jacket“. Hier wird die harte Ausbildung der Soldaten beschrieben. Diese sind alle noch recht entspannt und so findet sich auch noch einiges an Humor in diesen Szenen. Als dann jedoch die Ausbildung das erste Opfer fordert, sitzt der Schock bei den Soldaten (und dem Betrachter) tief. Als die Soldaten nach der Ausbildung an den Golf geschickt werden, beginnt für sie das Warten auf den Moment, wo sie über die irakische Grenze schreiten dürfen. Diesem Abschnitt widmet der Film die meiste Zeit. Der Tagesablauf wird von Swofford wie folgt beschrieben: Sie trainieren, schlafen, schauen TV und Videos, streiten, lesen und schreiben Briefe und masturbieren. Swofford quält immer mehr die Ungewissheit darüber, ob seine Freundin ihm treu ist und es gibt im Camp auch schon eine „Wall of Shame“, wo die Bilder der untreuen Freundinnen aufgehängt werden. Es lässt sich zunehmend erkennen, wie die Soldaten, welche täglich gedrillt und zur Aggression angetrieben werden, immer angespannter werden und somit auch der Grad der Gewalt in den Konflikten zwischen den Soldaten stetig zunimmt. Auch während des Krieges bleibt der Betrachter bei Swofford und den Marines. Es wird gezeigt, wie sie durch die Wüste in Richtung des irakischen Feindes marschieren und dabei noch von den eigenen Fliegern unter Beschuss genommen werden. Die spannendste Konfrontation dieser Marines besteht in dem Treffen auf unbewaffnete Zivilisten, da die Flieger ihnen stets zuvorkommen und die irakischen Soldaten schon vorher ausschalten können. Dieses nagt natürlich an der Moral der Marines, welche letzten Endes einsehen, dass ihre Anwesenheit und die damit verbundenen Qualen völlig umsonst ist.

Der Film bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, welche alle aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Erwartungen in diesen Krieg ziehen. Allen voran Swofford, der sich gar nicht so sicher über seine Motive ist. Er schien zu Beginn nicht gewusst zu haben, worauf er sich einlässt und erlebt einfach die Zeit bei der Armee, welche seinen Charakter zunehmend verändert. Er ist von Natur aus sicher kein Killer, dennoch verspürt auch er zum Ende den Zwang jemanden in diesem Krieg erschießen zu müssen, um seinem Einsatz noch einen Sinn zu geben. Troy ist dagegen der Patriot, der seinem Vaterland einen Dienst erweisen will und in der Armee die einzige Chance sieht, etwas zu bewirken. Für ihn wäre ein Leben außerhalb der Armee bedeutungslos, umso härter trifft es ihn zum Schluss, als er erfährt, dass auch er niemanden mehr töten wird. Sykes scheint es dagegen zu genießen durch die Hölle zu gehen. Er war sich schon im Voraus bewusst, worauf er sich einlässt und für ihn wird das auch nicht der letzte Krieg gewesen sein. Die restlichen Soldaten werden noch als verrückt, schüchtern oder auch einfach normal dargestellt.

Bei diesem Film stehen also die Vielschichtigen Charaktere im Vordergrund, der Krieg spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Es wird nicht der politische Nutzen dieses Krieges untersucht, genauso wenig wird er kritisiert oder gelobt. Es geht vielmehr darum zu untersuchen, wie sich verschiedene Charaktere unter solch einem Druck verhalten und welche Folgen das für ihren Charakter hat. Das hat letztlich auch zur Folge, dass das Soldatentum an sich abschreckend wirkt und kritisiert wird.

Schauspielerisch können vor allem Jake Gyllenhaal, Peter Sarsgaard und Jamie Foxx überzeugen. Sie schaffen es ihre unterschiedlichen Charaktere glaubwürdig darzustellen und sorgen zeitweise sogar für eine Identifikation beim Betrachter.

Auch visuell wird hier von Sam Mendes einiges Geboten. Die stimmigen Bilder erinnern teilweise sogar an Road to Perdition. Uns werden farbenfrohe Sonnenuntergänge, Tag und Nachtbilder von der Wüste und verbrannte Autokonvois präsentiert. Das visuelle Highlight sind jedoch die brennenden Ölfelder. Hier ist alles in Rot getaucht, während es schwarzes Öl regnet. Es lässt sich also auch bei Sam Mendes ein Fortschritt erkennen, litt Road to Perdition noch an den flachen Charakteren, so wurde das Manko hier behoben.

Sam Mendes bietet uns also mit „Jarhead“ einen Film über Soldaten, welche von ihrem ursprünglichen Leben getrennt und einem hohen Druck ausgesetzt werden, und nicht über den Krieg. Wer sich gerne auf vielschichtige Charaktere einlässt und somit auch einen etwas flachen Spannungsbogen verzeihen kann, ist hier genau richtig. Wer dagegen nicht ohne Action auskommt und sich von „Jarhead“ alleine von der Tatsache, dass es ein Kriegsfilm ist, angezogen fühlt, könnte mit diesem Film etwas enttäuscht sein.

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