„Jarhead“ ist bisher wohl die eindringlichste filmische Auseinandersetzung mit dem ersten Golf Krieg, (vom mittelmäßigen „Three Kings“ einmal abgesehen) und auch einer der besten Antikriegsfilme der letzten Jahre.
Basierend auf dem Buch des U.S. Marines Anthony Swafford (Jake Gyllenhaal – Donnie Darko) schildert der Film die Ereignisse des US Feldzugs gegen das Sadam-Regime im Jahre 1990. Aus der Perspektive von Swafford werden wir Zeuge der Ausbildung bei den Marines und erleben den harten Drill der auch vor Demütigungen keinen Halt macht. Als Hussein Kuwait überfällt, werden die zum töten ausgebildeten Marines schließlich in die Wüste geschickt. Statt jedoch an der Front zu kämpfen – langweilen sich die Soldaten im Camp. Masturbieren, Waffe reinigen und Training in ABC Montur gehört fortan zum Tagesprogramm. Monate vergehen, bevor die Marines schließlich wirklich an Front beordert werden. Hier zeigt sich die Effizienz der perfekten Kriegsmaschinerie, Bomben werden mit mehr oder weniger hoher Präzision aus der Luft abgefeuert, Friendly Fire inklusive. Der Krieg ist schließlich vorbei bevor die Soldaten des Scharfschützencorps überhaupt einen Schuß abgefeuert haben und trotzdem sind sie nicht mehr die Menschen wie vorher. Der Krieg hat sie verändert, eine Rückkehr in ihr alten Leben ausgeschlossen.
Sam Mendes (American Beauty) Beitrag zum 1. Irak Krieg geht einen völlig anderen Weg als die meisten Genre Filme und ist vielleicht deshalb so interessant. Die Grundausbildung zu Beginn ist noch am ehesten zu vergleichen mit den meisterhaften „Full Metal Jacket“. Auch wenn Kubrick schockieren wollte, so legte er auch sehr viel Wert auf die menschliche Seite des Soldatenlebens. Diesen Weg beschreitet auch Mendes und hält sich dabei konsequent an die Buchvorlage. Einen Großteil der Handlung widmet er der ausführlichen Schilderung des Soldatenalltags, das Warten auf den Krieg der für die Marines eigentlich nie kam. Jake Gyllenhaal kann sich an der Seite eines souverän spielenden Jamie Fox als Staff Sergeant als erstklassiger Charakterdarsteller empfehlen. Viele Szenen sind so absurd und bizarr das man sie wohl so schnell nicht vergisst. Wenn im Soldatenkino Francis Fors Coppolas „Apokalypse Now“ läuft und die Soldaten beim Luftschlag gegen Vietnam laut grölen oder der ganze Trupp in ABC-Schutzanzügen im heißen Wüstensand Football spielt, hinterlässt das schon ein eigenartiges Gefühl. Unabhängig vom hier dargestellten Golf Krieg, spielt im Gesamtkontext die Sinnlosigkeit von Kriegen im Allgemeinen eine noch größere Rolle und macht den Streifen auch für jene empfehlenswert die (Anti-)Kriegsfilmen wenig abgewinnen können.
Auch optisch ist „Jarhead“ eine Augenweide, was man bei eintönigen Wüstenlandschaften eigentlich nicht erwartet. Bildgewaltige Momente gibt es einige, so zum Beispiel wenn die Einheit bei Nacht durch brennende irakische Ölfelder wandert.
Fazit:
„Welcome to the Suck!” die Tagline des Films trifft es ziemlich genau auf den Punkt. Für die jetzt im Irak stationierten US Soldaten dürfte „Jarhead“ einem Schlag ins Gesicht gleich kommen, so unpatriotisch ist er. Für Menschen die mit der Einstellung verschiedener US Regierungen wenig anfangen können, dürfte dieser Film Balsam sein. Es gibt sowohl Momente zum schmunzeln als auch zum nachdenken, die Sinnlosigkeit von Krieg immer vor Augen.