Zum Inhalt nur folgendes:
1. Golfkrieg: Anthony Swafford (Jake Gyllenhaal), der sich freiwillig gemeldet hat und sich einer harten Ausbildung unterziehen musste, wird als Scharfschütze ins Kriegsgebiet geschickt. Mitten in der Wüste stationiert, unter der Leitung von Staff Sgt. Sykess (Jamie Foxx), sind die Marines der Hitze, dem Dreck und dem Wahnsinn ausgeliefert. Ohne genau zu wissen, wozu man überhaupt hier ist und wo sich der Feind versteckt, schlagen sie die Zeit tot, wobei sie ständig kreativer werden. Das Warten nimmt kaum ein Ende, nur brennende Ölfelder und verkohlte Leichen sorgen für eine apokalyptische Abwechslung…
Wow, wenn man es nicht besser wüsste, würde man sich fragen, was war das denn für ne irrwitzige Kriegsverarschung? Aber Sam Mendes (American Beauty) ist mit „Jarhead“ wohl viel näher an der Wahrheit dran als manch typischer Kriegsfilm, der sich direkt an der Front abspielt und wo die actionreiche, allgemeine Vorstellung, im Zentrum steht. „Jarhead“ basiert auf eine Romanvorlage, die vom echten Anthony Swafford verfasst wurde. Dieser Film spielt zwar im Kriegsgebiet aber trotzdem scheinen diese Marines unendlich weit weg irgendwelcher kriegerischen Handlungen zu sein. Die einzige Gefahr sind sie selbst, durch unachtsames Aufstehen bei Kriechübungen, beim Würstchen grillen unterm Zelt oder beim Football spielen bei sengender Hitze, mit Gasmaske. Aber das sind nur Peanuts, im Gegensatz zu den psychischen Belastungen die sie in dieser Hölle ausstehen müssen.
Obwohl es für einen Antikriegsfilm eher untypisch scheint, ist „Jarhead“ recht amüsant anzusehen, es gibt einfach so viele abgedrehte Szenen und lustige Dialoge und Bilder, wo man einfach schmunzeln muss, ohne es vielleicht zu wollen. Zudem platzt der Streifen quasi vor Zitaten anderer Genre-Filme, was den Filmfan allgemein erfreut und erneut schmunzeln lässt! Da wäre gleich die Anfangsszene, in Gedanken an Stanley Kubrick, wobei das R. Lee Ermey – Imitat nicht ganz so cool rüberkommt aber dem Original, was die Beschimpfungen angeht, in nichts nachsteht. Natürlich gehen die Marines auch ins Kino und natürlich schauen sie sich auch gerne Kriegsfilme an, wie wäre es z.B. mit Apocalypse Now? dessen Hymne sie gleich lauthals und bewundernd mit schreien! Oder „The Deer Hunter“, den sie allerdings nur auf Tape haben, doch nicht mal das ist ihnen vergönnt, so hat eine zurückgelassene Ehefrau den Film bösartig überspult.
Musikalisch kann der Film auch sehr gut gefallen, mit viel Witz aber auch Gefühl wurden die Songs ausgesucht. Ein sehr fies eingesetztes „Don`t Worry, Be Happy“ oder ein „Break On Through“ das dann auch gleich als Vietnam-Mucke verhöhnt wird aber am besten und sehr berührend wird es wenn Kurt Cobain anfängt „Something In The Way“ zu summen, genial!
Mit den Schauspielern ist das so eine Sache, Jake Gyllenhaal, Jamie Foxx oder Peter Sarsgaard waren mir in ihren ersten grossen Rollen alle unsympathisch. Gyllenhaal als Donnie Darko konnte ich nicht ausstehen, Jamie Foxx als Football-Star war auch nicht besser und Saarsgaard in „Flight Plan“ war kaum erträglich, doch bei mehrmaligem Betrachten mauserte sich „Donnie Darko“ zu einem brillanten Film, inklusive Gyllenhaal; Foxx gefiel mir auch immer wie besser, besonders in „Ray“. Und was „Flight Plan“ angeht, ich mag den Film nicht, aber Sarsgaard konnte mich später im älteren „Garden State“ absolut überzeugen. In Jarhead gab’s dies bezüglich jedoch nichts zu bemängeln, die drei machen ihren Job sehr gut! Des Weiteren sind auch die Leistungen von Dennis „Präsident Palmer“ Haysbert, Chris Cooper und von Evan „ich schiess mir in 8 Mile beinahe den xxx ab“ Jones hervorzuheben.
Zur Atmospähre, Mendes gelingt es durch die bizarren Bilder und die guten Schauspieler die realistische und psychisch belastende Stimmung toll zu reflektieren. Der Krieg und dessen Absurditäten werden hier ebenso unnötig dargestellt wie in den grossen Meisterwerken aber ohne viel Blut zu vergiessen! Und so ist in diesem Film, neben all dem Sarkasmus und der Parodie, auch viel Tragik enthalten, die den Film teils auf eine gefühlvollere Ebene hebt. Als negativen Punkt, könnte man die Spielzeit von über 120 Minuten nennen, die den Film etwas in die Länge zieht, doch andererseits wird somit das unendliche Warten auf den Krieg noch intensiver demonstriert.
Fazit: Innovatives Antikriegsdrama mit einer etwas anderen Sichtweise auf den Alltag der Soldaten. Eine geniale Machart und eine witzige, sarkastische und tragische Story sind die Basis dieses empfehlenswerten Werkes. Man darf also gespannt sein, was Sam Mendes als nächstes abliefern wird!
8,5/10