1990: Nach Absolvierung seiner Grundausbildung, wird der junge Marine Anthony Swofford mit seinen Kameraden zum Golfkrieg eingezogen. Entgegen seiner Erwartungen ist der schlimmste Feind während seines Aufenthaltes nicht der Irak, sondern der Lagerkoller, die Langeweile, das Warten, die Angst vor dem Ungewissen, das Misstrauen gegenüber der Freundin. Faktoren, die sukzessive zur Selbstzerfleischung der Truppe führen.
JARHEAD hat keine stringente Handlung mit erkennbarem Spannungsbogen, wobei das eher der Tatsache zuzuschreiben ist, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht. Ein Umstand, der aber nicht als Universalalibi für schwache Dramaturgie gelten darf. Um den Film dennoch unterhalsam zu gestalten, wurde versucht, die einzelnen Eindrücke Swoffords in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen, was leider nicht immer gelingt. So glaubt der Zuschauer zu Beginn des Films, er müsse sich auf Swoffords DI Fitch einstellen, um dann in der nächsten Sequenz mit SSgt Sykes konfrontiert zu werden. Auch der Charakterzeichnung fehlt bisweilen die nötige Tiefe, was erstaunlich ist, bei einem Militärfilm, der den Fokus nicht auf die explizite Darstellung der Kampfhandlungen legt. Plastizität wird nur deutlich bei Swofford, Troy, einem Vorbestraften, dessen einzige Perspektive die Zugehörigkeit zu den Marines ist und SSgt Sykes, der seinen Kriegsdienst nach außen hin als Selbstverwirklichung darstellt. Bei dem aber, was gegen Ende des Films offenbar wird, latente Wehmut und Sehnsucht nach einem geordneten Leben mitschwingt.
Die empirische Erkenntnis, dass sich Geschichte wiederholt, wird auch in JARHEAD deutlich, so brechen die Soldaten mit der allgemeinen Vorstellung von einem kurzen Krieg auf, um dann von der bitteren Wahrheit enttäuscht zu werden: Denn der Konflikt des Nebenkriegsschauplatzes, politische Diplomatie gegen den puren Aktionismus der Militäroffiziere, ist zu komplex, um mit der einfachen Idee vom "hinfahren, vernichten, nach Hause fahren" vereinbar zu sein.
Auch das amerikanische Märchen von der Redefreiheit sieht sich hier nicht umgesetzt, so sind die Soldaten zur Zensur gezwungen und dürfen keine wahrheitsgemäßen Angaben zu ihrem Gefühlsleben machen.
Das eigentliche Kriegsgeschehen, von dem Swofford und seine Truppe nur in der zweiten Hälfte des Filmes betroffen sind, ist in seiner imposanten visuellen Aufbereitung als Konzession an den vielleicht etwas enttäuschten Zuschauer zu verstehen, der, wie die Soldaten vom Krieg, vom Film etwas anderes erwartet hatte.
Jake Gyllenhaal (DONNIE DARKO), der Anthony Swofford, den Autor des gleichnamigen Bestsellers, im Film als Erzähler und Protagonisten verkörpert, sowie Jamie Foxx als SSgt Sykes in einer beeindruckenden Vorstellung hieven den Film noch auf durchschnittliches Niveau.
Insgesamt steht JARHEAD aber deutlich hinter Genrereferenzen wie APOCALYPSE NOW, PLATOON und DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN zurück, und wird seiner Prämisse, aufzuzeigen wie sich die Schrecken und der Wahnsinn des Krieges auf die menschliche Psyche auswirken, in nicht mehr als genügendem Maße gerecht.
"Swoffs" Resümee: "Ich habe keinen einzigen Schuss abgefeuert."
Mein Resümee: Der Film hinterlässt einen heterogenen Eindruck und ist immer dann am besten, wenn er nicht versucht, verkrampft bedeutungsschwanger zu sein und wenn man ihn auf seinen bloßen Unterhaltungswert reduziert.