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Anti-Kriegs-Filme, vor allem die mit dem Nachdruck der Autoren gefälligst als solche verstanden werden sollen, sind ein seltsames Genre. Selten gelingt es ihnen, sich von einem leichten, aber nichts desto trotz unangenehm säuerlichen Beigeschmack des Revisionismus und eines verklärten Kultes um Kameradschaft frei zu machen.

JARHEAD von Sam Mendes, bekanntlich der Regisseur des überbewerteten „American Beauty“ und der grandiosen Comic-Verfilmung „The Road to Perdition“, ist mitgefangen in diesem Paradoxon ganz und gar keine Ausnahme. Natürlich gibt es große Szenen, klar argumentierte Szenen, Szenen von so einer Wucht, dass sie einem die Magenwände umkrempeln – vor allem das rassistische, kriegsgeile Gejohle im Kino des Bootcamp ist mir in Erinnerung geblieben, als sich die Meute zum Helikopter-Ritt der Walküren aus „Apocalypse Now“ in tollwütige Trance schaukelt. Es ist so leicht, die Aussage eines Films durch selektives Sehen völlig umzuwerten, denke ich, und dann: Prima, dies sind die Menschen, die gerechter sein sollen als Terroristen, unsere sauberen Vertreter gegenüber schurkischen Regimes wie denen des Saddam Hussein – ich sah den Film übrigens in einem gut gefüllten Kino in Jakarta und spürte ganz besonders bei dieser Szene die Blicke anderer Zuschauer von der Leinwand auf mich wandern und fühlte mich selbstredend äußerst unwohl.

Im Kontrast zu diesen entlarvenden Blicken in die Fratze des westlichen Zivilisation, kommt Mendes natürlich nicht umhin, das Profil einzelner Soldaten mithin dieser gefährlich tumben Masse zu schärfen. Er bemüht sich um Sympathie für seine Charaktere und deren Situation. So nachvollziehbar dies für das Medium sein mag, schneidet Mendes doch genau damit in die Achilles-Verse seines Werkes. Die Erfahrungen und die Entwicklung, die die All American Boys, unsere Jungens, aus Bootcamp und Wüste mitnehmen, werden ihr Leben nachhaltig prägen, auf sehr ambivalente Weise. Mendes möchte nicht verurteilen, nicht die Menschen, die umherirren, im System. Die Argumentation mag angemessen sein, aber dennoch wird genau damit ein Ambiente um die Protagonisten kreiert, das sich beinahe mit sadistisches, meistens jedoch stinklangweiliges Ferienlager übersetzten lässt, ein Abschnitt ihres Lebens, als dessen Essenz die Soldaten weniger den artikulierten Frust mitnehmen, niemanden abgeknallt zu haben, sondern die Erinnerung an echte, in Blut und Schweiß geschmiedete Freundschaft, die weit über Militär und Tod hinaus reicht.

Es war alles völlig sinnlos, aber irgendwie gefetzt hat es ja doch.

Mendes’ JARHEAD lässt eine selektive Rezeption – ein Sehen, was man sehen will (Elend oder coole Typen in Khaki) – noch leichter zu, als die von ihm zitierten Werke Stanley Kubricks, und dass die erste Hälfte seines Films eine tatsächlich viel zu aufdringliche Hommage an dessen ‚Full Metal Jacket“ ist, mag ich dem Regisseur darüber hinaus auch noch ankreiden.

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