Review

In der Zeit, zu der „Jarhead“ spielt, ging ich noch zur Schule, die Klassen veranstalteten Schweigemärsche, TV-Bilder von nächtlichen Angriffen und brennenden Ölfeldern kommen in Erinnerung, Kuwait, Irak, Hussein…und die Amerikaner.
Die Handlung des Streifens basiert auf der Grundlage des autobiografischen Romans von Anthony Swofford, der seinerzeit Scharfschütze bei den US-Marines war.

Episodenhaft schildert Sam Mendes den Werdegang von Swofford, kurz „Swoff“, der von Jake Gyllenhaal sehr überzeugend verkörpert wird.
Beginnend mit dem harten Drill, der unweigerlich an „Full Metal Jacket“ erinnert, geht es schon bald nach Saudi Arabien in die Wüste, wo Swoff gemeinsam mit seinen Kameraden auf den Ernstfall wartet.
Zuschauer, die an dieser Stelle auf Combat-Action Richtung erster Minuten von „Soldat James Ryan“ warten, werden bitterlich enttäuscht werden, denn diese bleibt fast vollkommen aus. Vielmehr geht es um die Sichtweise des Snipers Swoff, der im Sommer 1990 förmlich in die Wüste geschickt wird und fast sechs Monate darauf warten muß, dass eben nichts geschieht: „ 4 Tage, 4 Stunden, 1 Minute, das war mein Krieg“.

Insofern handelt es sich bei „Jarhead“ durchaus um einen Antikriegsfilm, denn die Sinnlosigkeit wird hierbei durch eine ganz andere Perspektive verdeutlicht.
Dass beim Zeittotschlagen der Kameraden inmitten der Wüste die Dramaturgie etwas schleppend verläuft, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Und irgendwann wird man vom vielen Gelaber über Masturbieren und Fremdgehfantasien der Kerle reichlich angewidert sein, was beim Kotabfackeln durch Dieselbenzin seinen ekeligen Höhepunkt findet. Scheint wohl so zu sein, dass (amerikanische) Soldaten vorwiegend mit dem Werkzeugkasten denken, „Willkommen im Dreck“…

Dennoch wird´s nicht wirklich langweilig, auch wenn die „Wall of shame“ mit Fotos der Fremdgehfrauen noch Kopfschütteln verursacht, sind die vorzensierten Fernsehinterviews mit den Soldaten doch sehr aussagekräftig und beim nächtlichen Entzünden der Ölfelder mit anschließendem Regen ist Gänsehaut garantiert, - spätestens wenn Swoff das Pferd entdeckt.
Das ist auch Mendes Stärke. Er hinterlässt beim Zuschauer einprägsame Bilder, inszeniert scheinbar ennuyanten Stoff ansprechend, so dass man am Ende mal wieder zufrieden sein kann, was auch in einer Szene gegen Ende deutlich wird, als ein Kriegsveteran den Bus der Heimkehrer betritt und ihn plötzlich die eigenen Erinnerungen packen.

Grundlegend kein leichter Stoff, aber wenn man nicht mit der Erwartung herangeht, direkte Kampfhandlungen zu erleben, lässt man sich auf eine sehr interessante Sichtweise eines Krieges ein, die durchaus ansprechend ausgefallen ist.
7 von 10 Punkten

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