Review

"Jarhead" ist für mich wie so viele Kriegsfilme. Beim ersten Anschauen denke ich mir, na ja, alles klar ganz nette Unterhaltung (Thin Red Line wäre beinahe der erste Film gewesen, bei dem ich aus dem Kino gegangen wäre...mittlerweile schätze ich den Film so, dass ich ihm 9 Points gegeben habe), aber nicht wirklich der Burner. Doch wenn man dann den Film in Gedanken Revue passieren lässt, merkt man, wie sehr sich so ein Film in das Gedächtnis einbrennt. Man muss ihn einfach auf sich wirken lassen, wie man guten Wein atmen lassen muss, damit er auch wirklich sein Aroma bekommt, denn anfänglich denk man, dass Jarhead eher einer Komödie wie "Three Kings" gleicht...
Sam Mendes ("American Beauty") ist allerdings mit Jarhead ein weitaus bedeutenderer Film gelungen. Wenn man einmal die wirkliche Geschichte um den "Destert Storm" betrachtet, enthält dieser Film eigentlich so gut wie alle nötigen Erzählschritte, um die Arbeit der US-Army in diesem Konflikt zu verdeutlichen. Traurig aber wahr, es gabt wirklich im zweiten Golfkrieg so gut wie keine Arbeit für die Infantrie, obwohl weit mehr als eine halbe Million Soldaten in das Kriesengebiet gebracht worden sind. Allein der logistische Aufwand, den die USA für nichts aufbringen musste, grenzt schon an eine Pharse. Mendes erzählt in "Jarhead" die bittere Realität. Eine Realität über die wir Zivilisten uns natürlich freuen würden, denn wir müssten nicht ins Gefecht, müssten nicht um unser Leben fürchten usw. Aber das Problem ist, dass diese Jarheads oder auch andere Special Forces nicht so denken wie wir und deshalb verdammt geil auf einen Krieg sind, auf einen Abschuß, auf ein Gefecht...irgendwas, womit sie rechtfertigen können, dass sie sich in ihrer Ausbildung Tag für Tag den Arsch aufgerissen haben, um ihrem Land zu dienen. Diese Hoffnungslosigkeit, die die Soldaten des "Desert Storm" schleichend einholt, bekommt Mendes so fantastisch auf die Leinwand. Er vermittelt dem "normalen" Zuschauer auch ein Gefühl, das den Truppen im Golfkrieg ähnlich gewesen sein dürfte. Er macht den Film absichtlich etwas zäh. Man kann die Langeweile förmlich spüren, die die Soldaten jeden Tag aufs Neue vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt hat - die Aufgabe, sich dagegen zu wehren, verrückt zu werden. Was richtig gut ist, ist die abflachende Stimmung unter den Soldaten, bis endlich der Einmarschbefehl nach Kuwait steht. An dieser Stelle bekommen sie neuen Mut, geschürt von einem fabelhaften Drill-Instruktor (Jamie Foxx), der die Horrorvorstellung verbreitet, dass beim Angriff auf die irakischen Truppen sofort 30000 US-Infanteristen getötet werden. Die "traurige" Realität sah allerdings so aus, dass gerade mal 148 Soldaten den Tod fanden, da, bevor ein Soldat seinen Fuß nach Kuwait setzte, 110000 Luftangriffe mit einer Bombenlast von 85000 Tonnen geflogen wurden, und das in acht Tagen!!!! Da ist nicht mehr viel los mit einer Armee, die gerade mal 1 Mio Mann zur Verfügung hat!
Das find ich einfach das aller beste an dem Film. Mendes versteht es die Situation der Soldaten zu erklären. Man lernt verstehen, warum sie sich so wahnsinnig darauf freuen, an dem Krieg Teil zu nehmen. Beeindruckend ist da auch die Szene am Schluß, als die Soldaten heim kommen und gefeiert werden...keiner der Soldaten kann mit dem Vietnam-Veteran (1. mussten diese wirklich einen harten Bodenkrieg kämpfen 2. wurden sie bespuckt und nicht gefeiert, obwohl sie für ihr Land wirklich in den Dreck gegangen sind) feiern, da sie sich nicht stolz fühlen, weil sie für den Sieg überhaupt nichts getan haben, außer im Sand zu liegen und sinnlose Tätigkeiten zu vollrichten...

Fazit:
Wenn man den geschichtlichen Hintergrund zum 2. Golfkrieg kennt, ist "Jarhead" einer der beeindruckendsten Kriegsfilme, die je produziert wurden, obwohl er nicht die klassischen Gefechtsszenen vorzuweisen hat, wie etwa Apokalypse Now. Ich lass ihn zwar nicht an meine ganz großen Lieblinge heran (Platoon/Full Metal Jacket), aber dafür ist er vielleicht auch noch etwas zu jung...er muss sich eben seine Sporen erst verdienen, wie es sich für einen Marine gehört:)
"Jarhead" sollte sich jeder anschauen, da es die absolute Realität des modernen Krieges zeigt. Jetzt fehlt nur noch eine Fortsetzung, die den 3. Golfkrieg behandelt, der eigentlich ähnlich lief, jedoch einen traurigen Unterschied hat, nämlich, dass diesmal die Irakies hinterhältige Selbstmordattentate verrichten...bei diesen Filmen ist es aber generell wichtig, dass der geschichtliche Hintergrund nicht außer Acht gelassen wird, da er, um den Film richtig zu verstehen und auf sich wirken zu lassen, absolut nötig ist, ja sogar zwingen erforderlich...

9.0/10 Punkte

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