Jake Gyllenhaal spielt einen jungen Amerikaner, der sich zum Marine ausbilden lässt und schließlich in einer Aufklärungs- und Scharfschützeneinheit unter dem Kommando eines strengen Staff Sargeants, gespielt von Jamie Foxx, in den ersten Golfkrieg zieht. Dort, in der irakischen Wüste, beginnt für die Marines eine lange Wartezeit auf ihren Einsatz, in der sie den unorganisierten Angriffen der irakischen Soldaten und der Hitze ausgesetzt sind.
Mit "American Beauty" war Sam Mendes eine der größten Regie-Neuentdeckungen der 90er Jahre und auch mit "Road to Perdition" konnte er diesen Eindruck bestätigen, umso höher waren die Erwartungen an seine neue Satire "Jarhead - Wilkommen im Dreck", die leider nicht erfüllt werden können.
Anfangs zeigt Mendes die knallharte Ausbildung eines Marines, wobei er sich dabei offensichtlich bei Stanley Kurbicks "Full Metal Jacket" bedient. Mit ein paar Monologen gelingt ihm dabei eine durchaus vielschichtige Charakterkonstruktion der Hauptfigur, wobei er die Gründe für den Eintritt ins Militär sehr gut darstellt. Mit ein paar zynischen Kommentaren und einem hohen Tempo beginnt er dabei hervorragend zu unterhalten und macht richtig Vorfreude, auf das, was noch kommt. Auch die übrigen Soldaten sind durchaus ordentlich konstruiert, wobei glücklicherweise nur wenige Klischees aufgegriffen werden, allerdings fällt ihm dabei anders als bei "American Beauty" oder bei "Road to Perdition" nichts Neues ein. Sein amüsanter und beißender Sarkasmus trägt den Film dennoch weiter.
Doch dann fährt Mendes das Tempo deutlich herunter und beginnt mit einem schwachen Mittelteil, der dramaturgisch kaum ungeschickter hätte werden können. Handwerklich stimmt zwar weiterhin alles, die Geschichte bleibt teilweise vielschichtig, die Monologe regen auch weiterhin gelegentlich zum Schmunzeln an und die Kulisse der Wüste wird genauso trostlos, wie surreal in Szene gesetzt. In dieser Situation, des Trainierens für den Ernstfall, des Wartens auf den Kampfeinsatz bleibt Mendes stecken und fährt nur behäbig mit belanglosen Ereignissen fort. Das Tempo ist dabei zäh wie Gummi und der Unterhaltungswert geht gegen null. Sicherlich lässt sich dieser Leerlauf damit entschuldigen, dass auch der Zuschauer an der Langweilige der Soldaten, teilhaben soll und wie sehnsüchtig auf die finale Schlacht warten soll. Auch wenn er damit noch einmal andere Fassetten des Kriegs darstellt als Spielberg in "Der Soldat James Ryan" oder Coppola in "Apocalypse Now", liefert er auch hier wenig Innovatives und Neues.
Dann kommt er aber doch noch, der Einsatz und schon schnellt der Unterhaltungswert wieder in die Höhe und Mendes offenbart, wenigstens jetzt zum Ende hin, sein ganzes Können als Regisseur und vor allem seine Kompromisslosigkeit. Die Soldaten geben keinen einzigen Schuss ab und werden damit genauso enttäuscht, wie der Zuschauer, der sich eine blutige und brutale Schlacht erhofft hat, zu der es aber nicht kommt. Man weiß eigentlich gar nicht, was man jetzt von diesem Finale halten soll und so erreicht "Jarhead" doch ein denkwürdiges Ende, wie man es von den Meisterwerken des Genres kennt, aber, es will nicht so recht verstören. Zwar ist dieses Ende rundum objektiv und realistisch, aber ohne eine gewisse künstlerische Verklärung, wie es beispielsweise bei "American Beauty" der Fall war, ohne einen Denkansatz in eine bestimmte Richtung, ohne den Versuch, dem Zuschauer einen Schritt in eine bestimmte Richtung zu zeigen ist dieses offene Ende in meinen Augen nichts wert und die lahmen Versuche, die Mendes dann doch noch startet, um Denkansätze zu liefern, wollen nicht so recht zünden. Man weiß einfach nicht, was man jetzt von "Jahrhead" halten soll.
Zwar wird die Auswirkung dieses Krieges, der nach ein paar Tagen auch schon wieder zu Ende war, auf die Hauptfigur sehr gut dargestellt, aber es fehlt einfach etwas. Dafür ist das Ende aber immerhin unterhaltsam gelungen. Es gibt zwar nur wenige Action-Szenen, aber die Atmosphäre der Gefahr ist dann doch spürbar und Mendes zeigt bei seinen surrealen und beängstigenden Bildern brennender Ölraffinerien und Soldaten, die sich selbst feiern, obwohl sie nicht einen Schuss abgefeuert haben sein volles Können und kann noch einmal fesseln, aber unterm Strich bleibt ein mittelmäßiger Kriegsfilm mit guten Ansätzen ,der nur teilweise unterhalten kann.
Für Jake Gyllenhaal war 2005 das wichtigste Jahr in seiner Karriere, da er sich nach seinem Durchbruch mit "Donnie Darko" und seiner Nebenrolle in "The Day After Tomorrow" schließlich in Hollywoods Schauspieloberhaus mit seiner Oscar-Nominierung für "Brokeback Mountain" und seiner Leistung in "Jarhead" einen festen Platz ergattern konnte. Und das hat er sich für diese rundum realistische, grundsolide Leistung, mit der er durchaus die Sympathie des Zuschauers auf sich ziehen kann, auch redlich verdient, wobei er vor allem in den ernsten Szenen mit seinem teilweise maskenhaften Spiel voll und ganz überzeugen kann. Oscar-Preisträger Jamie Foxx, den man ja eher aus Charakterrollen, wie in "Ray" oder "Collateral" kennt, ist als knallharter Sergeant ungewohnt aber stark besetzt und verkauft sich mal wieder sehr gut, genauso wie der übrige Cast, dem unter anderem Chris Cooper und Peter Sarsgaard angehören.
Fazit:
Nach einem starken Start mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus und einem schnellen Erzähltempo folgt ein langweiliger Mittelteil und schließlich ein spannendes Ende, von dem man nicht weiß, was man von ihm halten soll. Durch diese episodenhafte Erzählweise und den dramaturgisch sehr ungeschickten Aufbau bleibt "Jarhead" trotz des guten Casts und der ansonsten ziemlich guten Regie-Arbeit von Sam Mendes im Mittelmaß stecken und bietet weder gute Unterhaltung, noch sonderlich viel Action und einen eher dürftigen Denkansatz. Bedingt empfehlenswert.
63%