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Der erste Irakkrieg Anfang der 90er: Eine Sniper-Spezialeinheit der Marines wird an die Front geschickt, um gegen Saddam Husseins Truppen ins Feld zu ziehen. Doch zunächst einmal müssen sie warten. Und warten. Und warten. Anstatt in den Kampf zu ziehen, trainieren die Männer immer und immer wieder und vertreiben sich die Zeit mit Football und Witzeleien. Doch schließlich wird die Langeweile in der sengenden Hitze der Wüste zu einer Tortur, wie sie selbst der Kampfeinsatz nicht bedeutet hätte.

Nach dem Tatsachenbericht eines amerikanischen Marines inszeniert Regisseur Sam Mendes einen sarkastischen Kommentar zur modernen Kriegsführung, in der Soldaten zu Kampfeinheiten degradiert werden, deren hinnehmbare Verluste ökonomisch berechnet werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kriegsfilmen erreicht er dieses Ziel jedoch nicht durch die Darstellung brutaler Schlachtgemetzel, sondern durch das genaue Gegenteil: die Sinnlosigkeit der stationierten Truppen.

Anfangs wirkt es noch komisch, wenn die Männer der Einheit ihre Zeit damit verbringen, Football zu spielen und sich Kriegsfilme anzusehen. Doch die psychische Belastung, die durch die Isoliertheit in der Wüste, die Unsicherheit über die Treue ihrer Frauen daheim und schließlich durch die immer quälender werdende Lethargie des Nichtstuns entsteht, erzeugt bald eine große Intensität, die dem Zuschauer oft das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Der gezielte Einsatz überbelichteter Bilder in der Wüste macht die unerträgliche Hitze beinahe spürbar und der Kontrast zwischen dem anfänglichen Einmarsch in die Wüste, der mit extrem dynamischer Musik, schnellen Schnitten und finster-cool dreinblickenden Soldaten wie eine große Party inszeniert wird, und der bald darauf einbrechenden Monotonie des Lagerlebens macht auch die brodelnde Energie spürbar, die die Männer nicht ausleben können.

Exzellent pendelt der Film zwischen sarkastischer Satire und düsterer Psycho-Studie, zeigt eindringlich die immer stärker werdende Anspannung der Soldaten, die sich in keiner Weise wirklich Luft zu schaffen versteht - bis hin zu immer wieder auftretenden Eskalationen zwischen den Kameraden. Die Riege der Hauptdarsteller spielt mit Leidenschaft und Verve; besonders Jamie Foxx als knallharter, aber fairer Sergeant besticht durch große Überzeugungskraft. Ihnen allen ist es zu verdanken, dass die psychische Belastung mit solcher Wucht auf die Leinwand transportiert werden kann.

Doch auch die Inszenierung trägt ihren Anteil dazu bei. Reihenweise Filmzitate von "Full Metal Jacket" bis "Apocalypse Now" verankern den Film in der Moderne, erreichen aber auch eine Art Metaebene, wenn die Soldaten begeistert johlend diese eigentlichen Anti-Kriegsfilme verfolgen. Und die Szenen in den brennenden Ölfeldern haben beinahe Porträtcharakter.

Insgesamt besticht "Jarhead" durch die Balance zwischen bös-respektlosem Witz und ernster Analyse menschlichen Verhaltens in Extremsituationen. Und auch wenn durch diese Form der Darstellung einiges an möglichem Gesprächspotenzial über Folgen und Bedeutung des Krieges für Menschen und Gesellschaft verloren geht, gibt der Film einen überzeugenden und unterhaltsamen Einblick in die Psyche moderner Soldaten.

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