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Mit „Black Dawn“ geht nun der vierte Seagalfilm Baujahr 2005 an den Start – schwächer als „Into the Sun“ und „Submerged“, aber ganz geringfügig besser als „Today You Die“.
Nominell ist „Black Dawn“ eine Fortsetzung zu „The Foreigner“, aber außer der Hauptfigur Jonathan Cold (Steven Seagal) und einer kurzen Rückblende mit Material aus „The Foreigner“, gibt es keine Bezüge. Seagal spielt wie in fast jedem seiner letzten Filme einen Profi, der eigentlich im Ruhestand ist, wahlweise Dieb oder lieber Ex-Agent. Hier ist es mal wieder letzteres, aber Einfallsreichtum erwartet man bei Seagals Fließbandware jetzt kaum noch.
Cold arbeitet momentan für eine Truppe von Waffenschiebern, schmuggelt erst deren Boss aus dem Knast und wird für weitere Jobs engagiert. Dabei wird er von der Agentin Amanda (Tamara Davies), einer ehemaligen Schülerin Colds und jetzigen Regierungsagentin, überwacht, die ihn wieder erkennt. Das ist an sich eine ganz interessante Idee mit deren Hilfe man beiden Figuren mehr Profil verleihen könnte, aber „Black Dawn“ geht sträflich wenig über das Verhältnis der beiden zueinander ein.

Beide Hauptfiguren kommen zusammen als Terroristen von Colds Arbeitgebern Bauteile für eine Atombombe kaufen wollen, Amandas Team observiert und entdeckt wird. Cold haut seine Schülerin raus und flieht mit ihr. Von da an machen die beiden Jagd auf die Terroristen, da Jonathan immer noch gegen derartige Verbrecher kämpft…
„Black Dawn“ ist ein weiterer Seagalfilm von der Stange, der wenig Neues bietet und scheinbar am Reißbrett geplant wurde. Stock Footage Einsätze wie in „Today You Die“ muss man nicht über sich ergehen lassen, aber sonst bietet „Black Dawn“ wenig wirklich Aufregendes. Ob Jonathan aus persönlichem Antrieb oder immer noch im Auftrag der Regierung handelt, klärt der Film nur schwammig, bei den Terroristen handelt es sich mal wieder um Fanatiker, die für ihre Sache sterben und kaltblütig Unschuldige umbringen usw. Immerhin erspart man uns unnötige Bettszenen mit dem außer Form geratenen Seagal wie in einigen anderen seiner letzten Werke.
Der Plot ist ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei, aber mal wieder halbwegs zackig und spannend in Szene gesetzt. OK, echten Nervenkitzel darf man nicht erwarten, aber immerhin macht Cold ohne allzu viele Abschweifungen oder Subplots Jagd auf die Terroristen, es kracht ganz gut über den Film verteilt und allzu große Längen gibt es nicht zu vermerken. Überraschungen bei dem Plot darf man natürlich nicht erwarten.

„Black Dawn“ ist etwas actionärmer als die letzten Seagalwerke, aber dafür ist die Action ordentlich gelungen. Zwar nur bodenständig inszeniert, aber ohne größere Patzer. Seagal kloppt recht wenig, was aber glücklicherweise auch bedeutet, dass er nicht mehr so oft gedoubelt wird. Stattdessen wird mehr geballert und das dann auch noch halbwegs blutig. Highlight des Films ist sicherlich die Verfolgungsjagd in der Mitte des Films, die einigen Blechschaden und ganz nette Stunts bietet. Enttäuschend ist nur die finale Bombenbeseitigung, das fast gänzlich aus dem PC stammt und im Bereich des miesesten CGI-Tricks fast als Maßstab gelten darf.
Steven Seagal nuschelt sich hier mit wenig Elan durch den Film (wie in fast allen seinen direct to video Produktionen der letzten Jahre), aber zeigt doch ein wenig mehr Begeisterung und sieht zudem wenigstens etwas gepflegter aus als in „Today You Die“: Die verfilzte Nackenmatte ist weg stattdessen sind die Haare kurz und frisiert. Tamara Davies ist OK, aber wenig herausragend, die Fieslinge sind klischeehaft fies, aber keine Totalausfälle.

So bleibt wieder ein Seagalfilm, der gerade noch Durchschnittslevel erreicht, da die Action meist stimmt und die Handlung halbwegs zackig inszeniert wurde. Doch in keinem Punkt ist „Black Dawn“ irgendwie herausragend. Wäre schön wenn Seagals Filmausschuss mal wieder weniger auf Quantität und mehr auf Qualität aus wäre.

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