Review

So, kommen wir nun zum derzeit wohl umstrittensten Film der deutschen Internetforen. "Hostel", von "Cabin Fever"-Regisseur Eli Roth, sorgte schon im Vorfeld für ne gehörige Menge Trubel, soll doch Roths "Hostel" ziemlich sadistisch sein und selbst bei Genre-Freaks nicht unbedingt schmerzfrei vorübergehen. Als dann die euphorischen Roth-Fans natürlich trotzdem ein Freudenfest feierten und auch die Presse soweit zufrieden war, wurde der, von Quentin Tarantino produzierte Film, gleich zum Hype erklärt. Doch schon bald zogen die zumeist enttäuschten Meinungen, der eher Roth-Kritisch gesinnten Filmfreaks, nach. Zugegeben, auch ich persönlich war im Vorfeld schon ziemlich skeptisch auf "Hostel" eingestimmt, hat mir doch "Cabin Fever" nur bedingt gefallen. Aber umstrittene Filme haben es nun mal so an sich, dass sie ein Riesenpublikum anziehen, weil ja jeder wissen will, welche Meinung man nun selbst am Ende vertritt. Ich werde mich dabei nun mal ganz feige ins Mittelfeld begeben, denn in meinen Augen ist "Hostel" definitiv schon mal besser als CF, aber unterm Strich noch lange kein guter Film.

"Hostel" müsste man im Grunde eigentlich in zwei unterschiedliche Filme trennen, denn selten trennte sich die erste Filmhälfte so sehr ab von der zweiten Hälfte, wie "Hostel". Denn bevor es später in die Vollen geht, wandelt Roth erst einmal auf den Spuren von Jeff Schaffers "Eurotrip". Drei sexhungrige Amerikaner verirren sich nämlich nach Europa, genauer gesagt nach Amsterdam, um dort ihren Gelüsten nachzugehen, bis sie von einem Zuhälter den Hinweis erhalten, dass in der Slowakei wohl alle Frauen mit jedem Ficken. Also machen sich die drei natürlich auf, um dort ihr Glück zu versuchen, um nach anfänglichem Erfolg, schnell in einem bestialischen Folterkeller zu landen, in dem perverse Lüstlinge für Geld Menschen, vorzüglich Ausländer, nur so zum Spaß foltern... Schon die Geschichte lässt eigentlich Übles erahnen, vor allem ein Klischee nach dem anderen. Und das hat vor allem die erste Hälfte des Streifens auch wirklich in Hülle und Fülle zu bieten.

Denn natürlich wird in Holland nichts anderes gemacht als gekifft und gevögelt, während an anderer Stelle gevögelt und gekifft wird. Eli Roth lässt seine drei Hauptfiguren wirklich in eine Sexodysee starten, die aber alles andere als erotisch ist und schon gar nicht witzig. Denn im Gegensatz zu "Eurotrip" werden hier die Klischees nicht genüsslich auf die Spitze getrieben und durch den Kakao gezogen, sondern einfach nur bis aufs letzte ausgebadet, ohne das man irgendwo das Gefühl hat, das Roth wenigstens noch ein bisschen Respekt hat oder eben zeigt, dass alles wirklich nur ein Klischee ist. Es ist eben so und der Europäer fühlt sich nicht gerade selten vor den Kopf gestoßen. Doch nicht nur das, des weiteren langweilt sich dieser auch meist fürchterlich zu Tode. Denn auch wenn die Mädels hier allesamt verdammt lecker aussehen, so geht einem die ständige Vögelei doch bald tierisch auf die Nerven und die Blödheit der Amis ebenfalls. Zudem bleibt es auch ein Wunder, warum anscheinend alle möglichen Leute in Holland deutsch sprechen, was vor allem in der englischen Originalversion für fragende Gesichter sorgt. Jedenfalls hätte sich Roth diese schnarchlahme Eurotrip-Hälfte wirklich sparen können.

Doch auch in Bratislava übersteigen sich die Klischees, dieses mal allerdings mehr in die Richtung, dass es in der Slowakei anscheinend völlig normal ist, andere Menschen zu foltern. Und damit kommen wir nun zum eigentlichen Horrorpart des Streifens, den wir eigentlich schon von Anfang an haben wollten. Denn obwohl einem die Klischees und die Sinnlosigkeit der Folterarien immer wieder beschäftigen, so kommt man nicht drumherum zu bemerken, dass Roth seine düstere Vorstellung des osteuropäischen Landes in gar unheimliche Kulissen verpackt hat, die wirklich für frösteliche Atmosphäre sorgen können. Der Folterkeller ist richtig schön dreckig ausgefallen und die fahle Ausleuchtung des ganzen Sets weiss von vorne bis hinten zu überzeugen. Auch wenn Spannung und Schockeffekte eher auf der Strecke bleiben, so kann einem die beißende Atmosphäre hier und da wirklich Angst und Bange machen. Dafür sorgt übrigens auch noch ein sehr gelungener Score-Track, der zwar alles andere als innovativ ist, aber seine Wirkung dennoch nicht verfehlt.

Und auch was die Effekte angeht, gibt es nicht wirklich was zu meckern. Schon bei "Cabin Fever" waren die Effekte die große Stärke von Eli Roth und so führt er seinen Opfern auch hier einige wirklich scheußliche Wunden zu, die allesamt auf schöner Old-School-Manier überzeugen und wirklich hart und exzellent in Szene gesetzt worden. Zwar wird hier vieles "nur" angedeutet, doch wenn der Gore- und Splatterpegel mal zuschlägt, dann wirklich.

Dennoch kommt man am Ende nicht Drumherum sich zu fragen, was die ganze Folterprozedur eigentlich soll. Denn eine wirkliche Erklärung liefert uns Roth hier nicht ab. Er versucht es nicht einmal. Sicher sind die mörderischen Taten in anderen Filmen auch meist nicht sonderlich plausibel erklärt, doch wenigstens wird in aller Regel versucht eine Erklärung abgegeben, auch wenn sie halt am Ende meist hanebüchen ist. Doch bei "Hostel" gibt es einfach keine, es ist eben so. Anscheinend will uns Roth allen ernstes weiß machen, das die Slowaken nun mal so sind. Was man davon nun halten soll, muss jeder selbst für sich entscheiden. Genauso übrigens vom Schluss, der so dämlich und plump geraten ist, dass eine Bewertung im Mittelfeld schon fast nicht mehr möglich ist.

Zu den Darstellern sei noch gesagt, dass sie ihre Sache allesamt auf typischem Teenie-Niveau absolvieren, das weder in die positive noch in die negative Richtung ausschlagen will. Kennen tut man hier zwar wieder niemanden so wirklich, aber dafür gehen die Leistungen so weit in Ordnung. Schlechteres gab es jedenfalls schon zu Hauf, Besseres aber definitiv auch.

Fazit: Klischeebehafteter und alles in allem auch recht fragwürdiger zweiter Film von Eli Roth, der in der ersten Hälfte nur mit einem grottig lahmen Abklatsch von "Eurotrip" nervt und danach zwar spürbar an Härte zunimmt aber auch nicht ganz davon ablassen kann, die Europäer als Sadisten hinzustellen, ohne auch nur eine plausible Erklärung für das gezeigte Treiben abzugeben. Dafür entschädigen kann aber durchaus die knackige Atmosphäre, die vor allem durch die genialen Kulissen, sowie dem brachial guten Soundtrack entsteht, sowie einer wirklich sehr guten Arbeit in Sachen Make-Up-Effekte, die mal wieder das Ah und Oh des Roth-Films sind, auch wenn dieses mal vieles "nur" angedeutet wird. Alles in allem somit gerade noch so durchschnittliche Horrorunterhaltung, die wohl nur bei Freunden des gepflegten aber sinnfreien Sadismus wirklich ankommen kann, den "normalen" Horrorfreund aber erst einmal langweilt, bevor er ihn dann, mit fragender Mine, aus der gelungenen Folterhölle entlässt.

Wertung: 5/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme