Wieder erregt ein Film mehr Aufsehen, als er eigentlich wert ist. „Hostel“ wurde angekündigt als ein knüppelharter, menschenverachtender Film, dazu präsentiert von niemand anderen als Quentin Tarantino. Schade nur, dass sich Eli Roth nicht für einen Film entscheiden konnte, sondern zwei nicht passende Filmhälften zusammen packt. Das Ergebnis ist „Hostel“.
Paxton und Josh kommen aus Amerika und wollen es so richtig krachen lassen, sexuell gesehen. Dies funktioniert wunderbar in Europa, Land der willigen Frauen. Sie treffen den Isländer Oli und pimpern sich durch die Niederlanden, bis sie von dem mysteriösen Alex einen Tipp bekommen. Die besten und willigsten Frauen treiben sich in Osteuropa rum, besondern in der Slowakei. Nichts wie hin denken sich die drei und quartieren sich in einem „Hostel“ ein, wo es wahrlich nur so von hübschen Frauen wimmelt. Paxton und Josh geraten an Svetlana und Natalya, Sex inbegriffen, Oli vergnügt sich in der Zeit mit der Rezeptionsdame des Hostels. Am nächsten Morgen ist Oli verschwunden. Paxton und Josh suchen fieberhaft nach Oli, doch eines Tages ist auch Josh verschwunden. Paxton sucht nun seine beiden Kollegen und findet sich an einem Ort wieder, wo Menschen dafür bezahlen, andere zu foltern und zu töten...
Wenn man es nicht besser wüsste, glaubt man zunächst, man wäre in einem Softporno. Fast eine Dreiviertelstunde lang sehen wir die drei Hauptdarsteller, wie sie durch Europa gurken und alles flachlegen, was ihnen vor die Flinte kommt. Urplötzlich wandelt der Film sich zum Sicko, auch wenn er nicht oft ins Detail geht, die Andeutungen reichen aber. So ist „Hostel“ ein Film, der sich nicht Entscheiden kann, in welche Richtung er denn will.
Sicherlich, die zweite Hälfte ist der interessantere Teil des Film. Sicherlich, die Frauen in der ersten Hälfte sind alles andere als unattraktiv, doch solche Filme bekommt man auch woanders. So ist „Hostel“ nur fast 45 Minuten ein spannender Film mit diversen Sickoelementen, die leider auch zu schnell vorbei sind. Z.B. ist Oli einfach irgendwann weg und tot. Fast genau so ergeht es Josh, der hier zwar etwas länger von einem Irren gefoltert wird, aber auch recht schnell über den Jordan geht. So baut man auch überhaupt keine Beziehung zu den Hauptdarstellern auf, die sich anfangs benehmen wie notgeile Teenager und später, wie in den alten billigen Slasherfilmen, daran glauben müssen. Wer Sex hat, wird sterben, so ist es auch hier.
Atmosphärisch ist der zweite Teil durchaus gelungen, auch wenn die ganze Umgebung sicherlich den Osteuropäern und gerade den Slowaken sauer aufstoßen wird. Roth vermittelt ein Bild, welches viele von Osteuropa haben und dies wird auch hier gnadenlos ausgeschlachtet. Viele billige und willige hübsche Frauen, die jeden ranlassen, Hauptsache er hat Geld, gibt einen Drink aus, dann darf jeder ran. Ferner sieht der Vorort in der Nähe von Bratislava wie kurz nach dem Ende des Kommunismus. Zumindest in dem Land hat sich Roth keine Freunde gemacht.
Die Darsteller sind Marke 08/15, auf der einen Seite recht witzig, besonders der Isländer, auf der anderen Seite fühlt man aber nie wirklich mit, erst wenn es wirklich hart auf hart kommt. Zumindest die Frauen sehen über weite Strecken immer ziemlich gut aus, so ist man als Mann alles andere als enttäuscht, wenn schon der Anfang nicht wirklich was her gibt.
Aber irgendwann befinden sich dann unsere Hauptdarsteller in einem Art Verließ, in denen es ihn an den Kragen geht. Die Effekte sind u.a. von Berger und Nicotero und haben es teilweise wirklich in sich. Zwar zeigt Roth nicht allzu viel und hält auch nicht lange drauf, aber es reicht meistens um zumindest das Gesicht zu verziehen und teilweise wirkt es schon menschenverachtend. Hinzu kommt ab und zu noch ein böser Kommentar desjenigen, der gerade foltert.
Da wird es wenige überraschen, dass der Film sich die Tür offen lässt, vielleicht noch irgendwann mal eine Fortsetzung zu drehen, denn diese Machenschaften können natürlich nicht beendet werden. So bekommt man einen Mix, der nicht so recht zusammenpassen will.
Fazit: „Hostel“ hätte mehr werden können, doch dafür gelingt es Regisseur Eli Roth einfach nicht, den Zuschauer die ganze Zeit bei der Stange zu halten. Während in der ersten Hälfte gepimpert wird bis zum umfallen und keine Chance ausgelassen wird, irgendwelche Frauen nackt zu zeigen, so wandelt sich der Film abrupt in einen echten Sicko, der einige blutige Details bereithält. Doch leider passt diese Kombination nicht wirklich gut zusammen, da gerade zu Begin das Verschwinden und Sterben einfach zu schnell geht. Da hätte man lieber den ersten Part straffen können und sich ein wenig mehr Zeit für den deutlich spannenderen zweiten Part gelassen. So ist man hin- und hergerissen. Auf der einen Seite hätte der Film was werden können, wenn man sich ein wenig mehr Mühe gegeben hätte, auf der anderen Seite reiht sich der Film aber in eine mittlerweile endlose Schlange von Filmen, bei denen es erst um nackte Tatsachen geht und erst dann der eigentliche Film losgeht, wo es schon fast zu spät ist. Schade irgendwie.