Sieht so das Kino des neuen Jahrtausends aus?
Nach Filmen wie „Saw2“ und „Finaldestination 3“, die nächste Horrorenttäuschung für pseudogorsüchtige Pickelgesichter.
Eli Roth (dessen Debüt „Cabin Fever“ ich sogar ziemlich gut fand) beweist mit diesem Film, dass er noch wenig Ahnung davon hat, wie man einen wirklich guten (Horror)splatterfilm macht.
Nach den glorreichen 80ern und 90ern, mit Filmperlen wie „Lethal Weapon“, „Stirb Langsam“, „Starship Troopers“, „From Dusk Till Dawn“ und vielen mehr, häufen sich im neuen Jahrtausend auf der einen Seite schlechte Komödien alla „Solange du da bist“ und auf der anderen Seite miese Pseudo-Horrorschocker alla „Hostel“.
Von einem Film um den schon im Vorfeld so viel Wind gemacht wurde, der mit um Aufmerksamkeit heischenden Spots im Internet angepriesen, von den Medien hochgehypt und als Inbegriff der Brutalität bezeichnet wurde, sollte man doch erwarten können, dass er wenigstens annähernd überzeugen kann und einen gewissen Brutalitätsgrad zu bieten hat.
Doch weit gefehlt.
Man hat diesem Film ein Brutalitätslevel angedichtet, dass gar nicht vorhanden ist.
Bis auf zwei zugegebenermaßen wirklich brutale Szenen (die man aber, schon Wochen vor dem Filmstart, 1 zu 1 auf der filmeigenen Homepage betrachten konnte) hatte der Film nicht im Entferntesten etwas wirklich Neues oder Erschreckendes zu bieten; außer vielleicht die schauspielerische Leistung der Darstellerriege.
Im Vergleich zu Filmen wie „The Descent“, „TDR“, „Haus der Tausend Leichen“ aber auch den Remakes von „Dawn of the Dead“ und „Texas Chainsaw Massacre“ (die sich Alle einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert haben und mich die Abwesenheit von coolen Actionfilmen alla „Last Boy Scout“ fast vergessen lassen) ist „Hostel“ ein Film fürs Nachmittagsprogramm.
Auf meine Abneigung des Werbegags „Quentin Tarantino präsentiert“ einzugehen würde wohl den Rahmen der Kritik sprengen.
Nur soviel: Der Film hat nichts mit Tarantino zu tun, außer vielleicht, dass der ein bisschen Kohle sprechen hat lassen um sich ein goldenes Näschen zu verdienen bevor es mit ihm endgültig bergab geht.
Um zurück zum Film zu kommen zuerst ein paar Worte über die dürftige Story:
Drei (klischeeisierte) typische Studenten, zwei aus Amerika und einer aus Island, machen Europa unsicher um alles zu nageln was zwei Beine hat.
Eurotrip lässt grüßen. Nur erreichen die dürftigen und stets unpassenden Dialoge nicht einmal annähernd die Qualität (und den Humor) von jenen in Eurotrip.
In Amsterdam treffen sie auf einen „vertrauenserweckenden Kiffer“ der ihnen eine Stadt, bzw. eine Jugendherberge in Osteuropa empfiehlt, in welcher nur Frauen leben, die schon beim Anblick von Amerikanern die Beine breit machen. Schon glasig in den Augen, machen sie sich auf nach Osteuropa und werden auch prompt mit zwei feschen Hasen (die natürlich gemeinsam Duschen, pralle Brüste haben und gerne mal mit Wildfremden schlafen [also all das tun was man den Dreien versprochen hat]) in ein Zimmer gesteckt und der Spaß beginnt.
Am nächsten Morgen ist Olli (der Norweger) jedoch verschwunden, und kurz darauf finden sich auch die beiden Amerikaner in Teufelsküche wieder.
Ab jetzt wird gefoltert das die Tränen fließen.
Sollte man denken.
Doch im Endeffekt wird immer genau dann ein Schnitt gesetzt, wenn man etwas sehen würde (die zwei zuvor schon kurz erwähnten Szenen [Auge und Motorsäge] mal ausgenommen.) Somit hat der Film aber auch seine einzige Existenzberechtigung verspielt.
Denn ein Film der absichtlich nur auf Gewalt und Schockszenen setzt, anstatt in eine vernünftige Story, gute Darsteller oder Action zu investieren (was bei einem guten Splatterfilm auch nicht zwingend nötig ist) sollte diese auch in Hülle und Fülle bieten.
Doch was man bei „Hostel“ präsentiert bekommt ist Popkornunterhaltung, die höchstens 15jährige, die sich heimlich in den Film geschlichen haben, schocken kann (und wahrscheinlich nicht einmal Jene).
Es soll hier jetzt aber keinesfalls der Anschein entstehen, dass ich den Film nicht mag, weil er eine miserable von Klischees durchzogene Story und miese Darsteller hat (das erwartet man sich ja von einem Film wie „Hostel“).
Ich mag ihn nicht weil er zusätzlich zu diesen Schwächen noch dutzende andere hat und nicht einmal Gewalt oder eine besonders Innovative Idee bietet, um das alles zu kaschieren.
Die Dialoge legen die Vermutung nahe, dass ohne Drehbuch gedreht wurde und die Darsteller, dass man sich den Castingagenten gespart hat. Auf die Darsteller gehe ich hier mal nicht näher ein; die waren so schlecht dass sie keine Erwähnung wert sind.
Sowohl der Anfang (schlechter Versuch dieselbe Atmosphäre wie bei Teeniefilmen wie „American Pie“, „Roadtrip“ oder auch „Scream“ und „Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“ zu schaffen) als auch das Ende (einfach zu schnell, zu schlecht, hanebüchen und unmotiviert) enttäuschen.
Zwischenzeitlich ist zugegebener Weise sogar ein paar Mal Spannung aufgekommen und ich habe mit dem Gedanken gespielt mein Geld doch nicht umsonst verschwendet zu haben.
Aber weit gefehlt.
Sinnlose Investition.
In vielen Filmzeitschriften (auf die ich hier nicht näher eingehen will) wird der Film ja als „Parabel über die dunkle Seite des Menschen“ oder „ultrabrutal“ bezeichnet und nur „hartgesottenen“ Horrorfans empfohlen (und das nur unter vorbehalten). Ich jedoch halte das für Schwachsinn und den Film einfach für Durchschnittsware mit vielen zusätzlichen Schwächen, die trotz, oder gerade wegen des ganzen Medienrummels auf der Ganzen Linie enttäuscht.
Wie auch schon bei „2001 Maniacs“ (geschaffen von der Crew rund um Eli Roth) gibt es auch in „Hostel“ einige Cameos von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten des Horrorfilms.
Quentin Tarentino, Eli Roth himself und Takashi Miike (der japanische Vielfilmer und Regiesseur von Werken wie „Itchi the Killer“ oder „Full Metal Yakuza“) geben sich die Ehre.
Am Ende wie gewohnt einige Fragen zum Film!
Warum sieht niemand am WC, in dem sich eine der Hauptfiguren (Paxton) einsperrt, nach um ihn zu finden?
Was sollte die lächerliche Kinderstrassengang mit ihren Kaugummis? Gesellschaftskritik mit dem Platinhammer?
Warum verschwindet Olli einfach sang und klanglos?
Warum sieht man seinen Tod nicht?
Warum verschwindet die Freundin der Japanerin einfach so?
Weshalb hat man das ursprünglich geplante Ende (der Film sollte ursprünglich mit der Entführung der Tochter des Killers von Josh enden) nicht beibehalten?
Fragen zum Thema der Besetzung, der Dialoge, des Drehbuchs und des Sinns von „Hostel“ spare ich mir an dieser Stelle.
Fazit:
Durchschnittliche Horrorkost, die nicht einmal annähernd dem Trubel der um sie gemacht wurde gerecht werden kann. Plot- und Dialogschwächen ziehen den Film ins unterdurchschnittliche und das fehlen der großspurig angekündigten Gewaltorgie nimmt ihm die letzten positiven Aspekte.
3 von 10 Punkten (Einen für den Cameo Auftritt von Takashi Miike und jeweils einen für die Szene mit der Motorsäge und dem Auge)