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Regie-Greenhorn Eli Roth (Cabin Fever) und Regie-Guru Quentin Tarantino (Reservoir Dogs) haben mit Hostel einen möglichen Kult-Horrorstreifen geschaffen! Aha... und in China ist 'n Sack Reis umgefallen! Denn genauso interessant wie Letzteres gestaltet sich Hostel im Endeffekt auch. Sichtlich angetan vom zweifelhaften Cabin Fever deutete Quentin die Zeichen völlig falsch und prognostizierte dessen Regisseur die Zukunft des Horrorfilms zu sein. Anscheinend hat Tarantino einen völlig anderen Geschmack bezüglich Horrorfilme wie ich ihn hab. Denn Cabin Fever war nun alles andere als eine Offenbarung. Nichtsdestotrotz sind Tarantino und Roth jetzt ganz dicke, weshalb der Meister auch prompt den nächsten Streifen des Lehrlings produzierte, um damit einen neuen Kultstreifen ins Leben zu rufen. Jedenfalls scheint in beiden ein kleiner Masochist zu stecken, den letztendlich ist Hostel nur ein billiges Schaulaufen von möglichst blutigen und ekelerregenden Sequenzen mit so was wie einer Alibihandlung, damit das Machwerk auch als Film durchgehen kann.

Auf der Suche nach dem schnellen Fick landen die jugendlichen US-Touris Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson) gemeinsam mit ihrem isländischen Spezi Oli (Eythor Gudjonsson) in einer Jugendpension in Bratislava, in der verführerische Schnecken für orgiastische Stunden sorgen - vorerst jedenfalls. Denn als seine Freunde spurlos verschwinden, lernt Paxton die Schattenseite der sündigen Herberge kennen: In einer stillgelegten Fabrik am Stadtrand toben sich reiche Geschäftsmänner gegen Bezahlung mit allerlei Heimwerksutensilien an verschleppten Hotelgästen aus. Und Amis stehen besonders hoch im Kurs...

Zu der Elite der Schauspielkunst gehören Jay Hernandez (World Trade Center) und Derek Richardson (Girls United Again) nun wirklich nicht! Zwar verkörpern sie die US-Jugend, wie man sie sich so als Europäer halt vorstellt, weshalb ihre Charaktere nicht nur sex- und drogengeil sind, sondern auch strohblöd. Und irgendwie wirkt das Ganze so, als sei es nicht mal als Persiflage, sondern todernst gemeint. Da er die lokale Hauptrolle verkörpert, kommt Hernandez da noch am besten weg, vollbringt dennoch keine Glanzleistungen. Barbara Nedeljakova (Shanghai Knights) sieht zwar gut aus, hat jedoch nur den Part des durchtriebenen Ostblockmiststücks inne, das für Geld scheinbar alles tut. Schließlich bekommt man mit Rick Hoffman (Blood Work) als amerikanischer Folterkunde noch ein bekannteres Gesicht vorgesetzt, aber auch er bekleckert sich hier nicht gerade mit Ruhm.

Hostel ignoriert jegliche moralische Hemmschwelle und möchte somit gerne eine Parabel über die dunkle Seite des Menschen sein. Pustekuchen! Denn mehr als eine Wichsvorlage für abgestumpfte Gorehounds ist der Streifen im Großen und Ganzen nicht. Die Goreszenen an sich hat Roth schon recht brutal inszeniert, auch wenn des Öffteren die Folter nur angedeutet oder in schnellen Kameraschwenks gezeigt wird. Und mehr oder weniger langweilt das Gemetzel nach einiger Zeit nur noch. Abgekniffene Fingerkuppen und durchtrennte Sehnen gab's schon in House of Wax zu sehen, und die Kettensäge fand schon in unzähligen Horrorstreifen seit der Erfindung des Texas Chainsaw Massacre Verwendung. Der Einsatz des Bohrers kommt mir noch aus Wake of Death bekannt vor. Allzu viel neues scheint Roth demnach nicht eingefallen zu sein, und lediglich bei der Szene mit dem zerlaufenen Augapfel möchte man kurz mal wegschauen. Als kranke Gaudi a'la The Hills Have Eyes-Remake kann man das dann auch nicht mehr bezeichnen.

Nachdem unser lokaler Pseudo-Hero dank eines unentschlossenen sowie zimperlichen Kunden der Todesfolter entgehen konnte, gibt er samt einer weiteren Überlebenden Fersengeld, wobei ihm praktischerweise nahezu alle wichtigen Protagonisten der Metzelveranstaltung über den Weg laufen, damit er sie nach dem 10 kleine Negerlein-Verfahren wutentbrannt umnieten kann. Logisch ist die ganze Chose dabei keineswegs. Unterwegs bekommt er noch unverhoffte Hilfe von einer Knirpsengang, die er mit einer Tüte voller Kaugummis als Zoll bestechen konnte. Wie weit verbreitet die Jugendkriminalität im Ostblock nun ist, kann ich nicht sagen, aber man mag schon etwas bezweifeln dürfen, dass sie dort so drastisch ausfällt wie in der Aktion der Dreikäsehochbande gezeigt wurde. Schließlich hüpft die Überlebende aufgrund einer verschnibbelten Augenhöhle noch rasch vor 'nen Zug und unser Hero sitzt nach getaner Mordtat in Selbigem, und juckelt in Richtung Sequel.

Dermaßen auf den Wirkungen seiner Schlachtplatte versteift hat Eli Roth in seinem Wahn nämlich ganz vergessen, was einen guten Horrorfilm noch ausmacht. Zum einen wäre das die Spannung. Die sucht man hier nämlich vergebens, weshalb das Szenario irgendwie langweilig und lustlos vor einem abläuft. Aufgrund der überraschungsarmen Alibihandlung kann so was wie echter Thrill erst garnicht aufkommen, weshalb Hostel auch die epischen Ausmaßen eines Halloween, Texas Chainsaw Massacre oder Saw versagt bleiben. Und tiefgründig wie Sieben oder Das Schweigen der Lämmer ist er erst recht nicht. Zum anderen geht Hostel die Atmosphäre völlig abhanden, womit sich nicht mal ordentliches Gruselfeeling einstellen will. Lediglich etwas Ostblock-Atmosphäre kann Roth erzeugen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Musikuntermalung kann die eine oder andere Szene (z.B. bevor Paxton Natalya & Co. zum ersten Mal platt fährt) zwar noch etwas aufwerten, aber im Gesamtbild ist der Score dann auch nicht mehr als Einheitsware.

Für Tarantino bete ich, dass er ein besseres Gespür für Regietalente und Horrorstoffe bekommt, und Roth kann meinetwegen machen, wozu er lustig ist. Wer in Hostel einen neuen Kulthorror sieht, dürfte mehr als auf dem Holzweg sein. Die Gorehounds haben mal wieder einen neuen Pornoersatz, dem Rest ,wie mir, ist der Streifen einfach nur scheißegal. Urlaubsmäßig hat's mich bisher eh noch nie in den Ostblock gezogen!

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