Review

Na wunderbar. Da habe ich mir soeben meine Freitagabend-Pizza zubereitet und will mich mit „Isolation“ ein wenig dem Tierhorror widmen, da sehe ich noch vorm ersten Happen, wie eine Frau ihren Arm in eine Kuh steckt, das fängt ja gut an.

Zum Sachverhalt: Die Kuh ist trächtig und wird gerade von Tierärztin Orla untersucht. Beide befinden sich neben anderen Kühen und einem flüchtigen Ganovenpärchen (mit Wohnwagen) auf der Industriefarm von Bauer Dan.
Was schnell klar wird: Ein Wissenschaftler führte genetische Experimente mit der Kuh durch, das frisch geborene Kalb, das kurz darauf wegen Misstrauen von der Ärztin ausgeschaltet wird, enthielt bereits sechs weitere Föten. Eine Mutation konnte entkommen und mischt nun die Anwesenden auf der Farm ein wenig auf.

Was sich da abspielt, ist im Ganzen nichts weiter als „Alien“ auf einer desolaten Farm in Irland.
Die Kreatur sieht aus wie eine kriechende Wirbelsäule mit scharfen Zähnen, der aus Ridley Scotts Werk nicht unähnlich, auch wenn es sich hier nicht um ein außerirdisches Wesen, sondern um einen genetischen Defekt handeln soll, - mit einer Kuh weist das Teil überhaupt keine Ähnlichkeit mehr auf.

Das Kammerspiel kann jedoch in Sachen Story, sowie Spannungsaufbau überhaupt nicht punkten. Außer Bauer Dan bleiben die übrigen Figuren komplett farblos und ohne Hintergrund, das Paar im Wohnwagen hat offenbar etwas Verbotenes angestellt, was aber nie so recht erläutert wird, dann gibt es noch einen Wissenschaftler, der die Chose zu verantworten hat und mit Vorliebe die übermäßig schnellen Zellteilungen seiner Schöpfung unter dem Mikroskop bewundert und Ärztin Orla, die bereits nach 30 Minuten aus dem Script gestrichen wird.

Nachdem Bauer Dan kurz nach der Geburt des Kalbes gebissen wird, ist er ebenso infiziert, wie später der Typ aus dem Wohnwagen, der beim freiwilligen Füttern der Kühe im kniehohen Wasser in den Fuß gepiesackt wird. Das äußert sich bei Dan durch Mattheit und Erbrechen und bei dem anderen durch etwas heftigeres Zustoßen in seiner Partnerin beim Wohnwagen-Golf.
Hohes Tempo herrscht hier aber nie und bei alledem lässt die Erzählung noch nicht einmal einen Ansatz von Humor zu, versäumt in seiner Ernsthaftigkeit aber auch weitestgehend zynische Botschaften, die in Anbetracht von BSE eine angemessene Grundlage böten.

Etwa ab Mitte des Streifens baut die Handlung dann immer weiter ab.
Tote entstehen ausschließlich durch den fanatischen Wissenschaftler und die Überlebenden jagen dem wurmähnlichen Mutanten hinterher, damit dieser nicht gleich die Welt verpestet, denn die tierischen Zellen paaren sich offenbar recht gerne mit menschlichen.
Also darf man zwei, drei Leuten beiwohnen, die umherschleichen, innehalten, sich umsehen und darauf warten, dass der Wurm auftaucht und das alles auf recht engem Raum.

Die Mutation ist selten zu sehen und nie in seiner Ganzheit. Wenn von ihr eine Aktion ausgeht, sieht man nur das Endprodukt oder hört mal das Wehklagen einer Kuh um die Ecke.
Faszinierend oder fesselnd ist das Geschehen aber zu keiner Zeit.
Nur als einer der wenigen Beteiligten durch Schlamm watet oder ein anderer mit einer Taschenlampe die Stallungen erfasst, kommt für einige Momente so etwas wie Spannung auf.

Dabei bieten die kargen Sets des industriell eingerichteten Bauernhofs durchaus eine bedrückende Atmosphäre, die hin und wieder durch passende Grau und Blaufilter unterstützt wird.
Die Kamera liefert zuweilen ansprechende und einfallsreiche Einstellungen, etwa als diese an einem Eisentor befestigt ist und verfolgt, wie es geschlossen wird.
Auch der zurückhaltende Score unterstreicht die titelgebende Isolation recht gut und kommt meistens mit nur wenigen dumpfen Tönen aus.
Zudem können sich die zahlreichen Schleim – und Organeffekte sehen lassen, die vor allem in der ersten Hälfte recht zahlreich auftreten, jedoch weniger durch Aktionen lebendiger Kreaturen, denn durch Obduktion derselben.
Handwerklich kann aus Regiedebütant Billy O´Brien also durchaus noch was werden, doch mit dieser belanglos eindimensionalen Geschichte hat er sich keinen Gefallen getan

Denn diese liefert nichts weiter als eine müde Suche nach einem Parasiten, bietet überhaupt keine Überraschungen und kommt mit einem Cliffhanger daher, der für Filme über solche Unwesen schon unausweichlich scheint.
Am Ende ist die Pizza alle, einige Kühe auch, aber der Hunger nach handfestem Tierhorror ist geblieben.
Knapp
4 von 10

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