Judy Davis und Sydney Pollack spielen seit vielen Jahren verheiratete Ehepartner, die einem befreundeten Paar, von Woody Allen und Mia Farrow gespielt, eröffnen, dass sie sich trennen werden. Dabei stoßen sie auf Unverständnis dafür, dass sie die vielen gemeinsamen Jahre so einfach in den Wind schießen, bis das befreundete Paar schließlich feststellen muss, dass der Schock über die Trennung der anderen in erster Linie aus eigenen Unsicherheiten und Beziehungsschwierigkeiten resultiert. Während sich die frisch Getrennten auf die neue Situation einstellen und schon bald wieder jemanden finden, geht die Beziehung des anderen Paars allmählich ebenfalls in die Brüche.
Woody Allens Stil ist schlicht unverkennbar, sodass man den meisten seiner Filme deren Herkunft auch dann überdeutlich ansieht, wenn Allen nur als Autor und Regisseur zu Werk gegangen ist und nicht, wie hier, zudem in einer Schauspielrolle persönlich auf der Leinwand in Erscheinung tritt. Auch hier geht es um Zwischenmenschliches, um die Fähigkeit der Menschen, sich zu verlieben, und die Unfähigkeit, eine funktionierende Beziehung über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Transportiert werden Allens Ansichten über die vielen tiefsinnigen Dialoge und die präzise konstruierten Figuren, die größtenteils aus der intellektuellen oberen Mittelschicht New Yorks stammen, worin auch diesmal sehr deutlich autobiographische Züge zutage treten. Da die Beziehung von Mia Farrow und Woody Allen seinerzeit tatsächlich unter skandalträchtigen Umständen ein abruptes Ende fand, wird „Ehemänner und Ehefrauen“ wohl auf ewig noch enger mit der Biographie seines Regisseurs verbunden bleiben, als es bei den Filmen Woody Allens ohnehin schon meist der Fall ist.
Von daher stellt sich eher die Frage, was diesen Film von anderen Werken des Altmeisters abhebt. Da wäre zum einen der diesmal sehr dokumentarische Stil des Films, der teilweise mit Handkamera gedreht ist, von einem Erzähler aus dem Off kommentiert und von Interview-Szenen mit den Beteiligten unterbrochen wird. Dieser Versuch, dem Zuschauer das Gefühl unmittelbarer Nähe zum Geschehen zu vermitteln, geht insgesamt ganz gut auf und hebt „Ehemänner und Ehefrauen“ ein wenig von den anderen Filmen des Regisseurs ab. Dass Allen diesmal teilweise auf seinen Wortwitz und die übliche Situationskomik verzichtet, hat dagegen zur Folge, dass dieser Film vergleichsweise langatmig ausfällt, wenngleich der etwas ernstere Ton dem Thema sicherlich angemessen ist. Andererseits hatte es Allen ja seit jeher ausgezeichnet, auch ernste Themen unbeschwert und mit Witz vermitteln zu können.
Letztendlich ist „Ehemänner und Ehefrauen“ aber nicht mehr als gehobener Durchschnitt, weil die Geschichte nicht in letzter Konsequenz fesselt. Obwohl Allens Film eigentlich betont emotional sein soll und zunächst auch viel versprechend startet, schleicht sich auf Dauer doch ein von Elegie und Monotonie geprägter Beziehungswirrwarr ein, bei dem sich jeder der vier Protagonisten Hals über Kopf in eine neue Beziehung stürzt. Es fehlen echte emotionale Höhepunkte und eben der Humor, der die Filme Woody Allens meist auszeichnete. Außerdem sind die Figuren, wenngleich gut konstruiert, doch allzu typische Elemente des Woody-Allen-Kosmos, so stehen im Vordergrund unter anderem mal wieder ein Literaturprofessor, die Redakteurin einer Kulturzeitschrift und so weiter. Sie lassen jedenfalls nur wenig Identifikation zu. Schade um die guten Darstellerleistungen, wie man sie von Allen selbst, der jungen Juliette Lewis, Liam Neeson oder Sydney Pollack zu sehen bekommt, vor allem aber um die Gala-Auftritte von Mia Farrow und der hierfür mit einer Oscar-Nominierung bedachten Judy Davis.
Fazit:
Letztendlich hat Woody Allen mit „Ehemänner und Ehefrauen“ ein seriöses Liebesdrama abgeliefert, das wie gewohnt mit pointierten Dialogen punktet und einen tiefsinnigen Blick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten wirft. Schade, dass die Figuren vom Reißbrett eines typischen Woody Allen-Films entnommen zu sein scheinen und dass dem Beziehungswirrwarr mit zunehmender Laufzeit die Luft ein wenig ausgeht, zumal Allen auf seinen üblichen Wortwitz leider verzichtet. Dennoch oberes Mittelmaß.
62 %