"Ein Fressen für die Geier" von Don Siegel ( "Dirty Harry", "Flucht von Alcatraz", "Telefon" ) präsentiert sich als guter und dennoch recht unkonventioneller Western, der andere Wege einschlägt, als man anfangs glauben mag.
Wenn zu Anfang Mr. Clint Eastwood, einer der wohl besten und coolsten aller Wildwest-Protagonisten und mittlerweile gleichzeitig einer der besten Darsteller und Regisseure aller Zeiten, auf seinem Pferd bei Morricone - Musik durch die mexikanische Wüste reitet, fühlen sich Italo-Western-Fans der Leone-Ära gleich heimisch. Auch noch, wenn Eastwood ganz relaxed eine Nonne vor der Vergewaltigung rettet und die drei bösen Buben ins Jenseits befördert.
Doch dann beschreitet der Western andere Wege. Die Nonne ( herrlich portraitiert von Shirley Mclaine [ "Frankie und seine Spießgesellen" ] ) schließt sich dem von Eastwood dargestellten Söldner an und gemeinsam durchreiten sie mit dem Ziel, aus verschiedenen Motivationen heraus ( Geld vs. Patriotismus ) an der Seite mexikanischer Revolutionäre eine französische Kolonialgarnison zu überfallen, das mexikanische Ödland.
Nun bleibt der Western erst einmal über weite Teile der Filmlänge herrlich unkonventionell und augenzwinkend und nimmt beim Zusammenspiel der Nonne ( die sich später als Hure entpuppt ) und des Söldners teilweise grotesk-witzige Züge an, in denen auch der Mythos des "Namenlosen Fremden" ein wenig leiden muss.
So wird Eastwood zwischenzeitlich von einem Indianerpfeil verletzt, lässt sich von der Nonne/Nutte ( sorry... aber der Ausdruck passte so schön wegen der Alliteration... ) verarzten, schießt halb betrunken nicht selten daneben und verliebt sich schließlich ( nach einigen Macho-coolen Einlagen zum Schluß ["Wer will Dich denn angezogen sehen?"] kriegt er sie auch! ) sogar.
Über die ganze Zeit hinweg konzentriert sich der Streifen auf die groteske Zweisamkeit und würfelt amüsante Episödchen aneinander, wobei er praktisch gänzlich ohne weitere Actionszenen oder Schießereien auskommt. So dient die Zugbrückensprengung in der Filmmitte auch nicht nur den Schauwerten, und große Verfolgungen waren mit Schwester Sara auf ihrem Maulesel eh nicht drin.
Am Ende zeigt uns Regisseur Siegel dann aber doch noch den Angriff der Mexikaner auf das französische Fort, und während des Gemetzels ( welches sogar relativ hart daherkommt, inklusive abfackelnden Männern, durch Machetenwurf gespaltenem Schädel und abgehacktem Arm ) darf Eastwood dann auch wenigstens noch gewohnt den Helden der Dollar-Trilogie 'raushängen lassen.
Alles in allem ist "Ein Fressen für die Geier" also ein innovativer, unkonventioneller und kurzweiliger Western, der für Eastwood-Fans allemal interessant ist und auch ansonsten durch die oben geschilderten Aspekte zu gefallen weiß. Wer auf der Suche nach Wildwest-Action ist, dem rate ich allerdings, zu anderen Filmen zu greifen oder zur letzten Viertelstunde zu spulen...