"Ein Fressen für die Geier" ist ein wahres "Fressen" für jeden Westernfan, der auch Unterhaltung über die Klischeegrenzen hinweg begrüßt. Warum man im deutschen Verleih sich nicht an den Originaltitel angelehnt hat ("Two mules for sister Sara"), ist nicht ganz nachzuvollziehen, denn von Geiern sieht man in dem gelungenen Film von Don Siegel nichts.
Der wortkarge amerikanische Söldner Hogan rettet auf einem Ritt durch die mexikanische Wüste die Nonne Schwester Sara, die offensichtlich von drei Banditen vergewaltigt werden sollte. Sie berichtet, dass sie vor den französischen Besatzungstruppen fliehen musste, da sie eine Anhängerin der mexikanisc hen Revolutionäre sei. Hogan selbst ist auf dem Weg zu denselben, da er als Sprengstoffexperte ihnen seine Dienste anbieten möchte. Das ungleiche Paar tut sich zusammen und erlebt (auch aufgrund der Rollenverteilung) in der Folge eine Reihe skuriler und komischer Abenteuer, bis der Film im großen Showdown, dem Angriff auf eine französische Bastion, blutig endet.
Dass sich die beiden Hauptdarsteller nicht unbedingt mochten, merkt man ihrem Spiel im Film nicht an. Aus der ungleichen Konstellationen holen Clint Eastwood und Shirley MacLaine das jeweils Optimale für ihre Rollen heraus, wobei manchmal das fast unmerkliche Minenspiel hier insbesondere zu überzeugen vermag (wenn z.B. Hogan von seinen Zukunftsplänen berichtet und die vermeintliche Nonne fast nicht sichtbar dazu schmunzelt).
Die Nebenfiguren treten dagegen kaum in Erscheinung.
Regisseur Don Siegel versteht in dieser amerikanisch-mexikanischen Koproduktion auch die Landschaft gekonnt in Szene zu setzen. Gabriel Figueroas Kamerafahrten sind gekonnt und meist auf den Punkt, wenngleich in der Regel routiniert und wenig überraschend. Auch wenn es eine Vielzahl von Explosionen und mächtige Schießereien am Ende gibt, sind die Tricks zum Teil sicherlich noch optimierbar, was dem Unterhaltungswert jedoch keinen Abbruch tut. An die Brutalität einzelner Szenen (einem französischen Soldsaten wird mit einer Machete der Schädel gespalten, ein anderer verliert seinen Unterarm) vermochte ich mich nicht erinnern, aber wahrscheinlich waren diese Szenen in der Fernsehausstrahlung, als ich den Film das erste Mal sah, herausgeschnitten gewesen.
Das Drehbuch nach einer Idee von Budd Boetticher kann überzeugen, auch wenn die ein oder andere Sequenz im Sinne einer strafferen Handlung durchaus hätte weggelassen werden dürfen.
Ennio Morricones Filmscore wirkt auf den ersten Eindruck hin eventuell etwas nervig (vor allem das Hauptthema), entwickelt dann aber eine hypnotische Sogkraft, die immer mehr in den Bann zieht, so dass man sich am Ende fragt, woher denn dieser erste Eindruck gekommen ist.
Insgesamt merkt man dem Film an, dass er (vielleicht auch wegen des Hauptdarstellers) viele Anleihen zum erfolgreichen Italo-Western der damaligen Zeit sucht. Dies gelingt aber auf eine unterhaltsame Weise, weshalb man historische Ungenauigkeiten bezüglich Ausstattung und geschichtlicher Verortung, gerne übersieht. Für jeden Westernfan, aber auch für die, die gerne spannungsreiche Figurenkonstellationen mögen, eine absolute Empfehlung.