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C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben...der deutsche Titel trifft es perfekt.

Ist das Leben nicht verrückt? So wie es uns Jean-Marc Vallée präsentiert ist es das auf jeden Fall. Zachary Beaulieu, seine Hauptfigur, betritt die Reise des Lebens an Weihnachten drei Sekunden klinsch tot. Von da an erfährt er eine Achterbahn der Gefühle. Als vierter Sohn einer kanadischen Durchschnittsfamilie begibt er sich auf eine abgefahrene Erlebnistour, die man nicht einfach in Worte fassen kann.

Zac genießt von Anfang an eine Ausnahmestellung. Er hat die Gabe, besser gesagt ist seine Mutter davon überzeugt und redet das allen Leuten ein. Er soll angeblich mit alleinigem Denken Menschen von Unheil befreien können. Er soll die von Gott gegebene Kraft haben Blutungen zu stoppen, Brandwunden zu heilen und den Menschen, an die er denkt, somit ein besseres Leben bereiten.

Doch im Endeffekt ist Zac nur ein verängstigter Heranwachsender, der seinen Platz im Leben nur sehr schwer finden kann. Er ist sich nicht sicher in seiner geschlechtlichen Einstellung, er weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, er begreift nicht, was sein Vater von ihm will, ob er ihn überhaupt akzeptiert. Dies stellt ihn vor harte Hürden, die er nicht leicht überwinden kann. Auch seine Beziehung zu seinen Brüdern stellt sich oft als sehr schwer da, denn auch sie haben ihre ausgefallenen Macken...

Diese zwischenmenschlichen Beziehungen zeichnet Jean-Marc Vallée mit sehr viel Zynismus und versteckten Schmunzlern. Allein der Vater von Zac ist den Kinobesuch schon wert....

Aber bei allen Witzen und Komiken, die Jean-Marc Vallée in den Film eingebaut hat, vergisst er nie, den Ernst des Films herauszustreichen. Jeder Schmunzler hat einen Beigeschmack, der einen nie vergessen lässt, dass das eigentliche Thema ein wirkliches Problem von tausenden Menschen ist und absolut auf die Realität übertragbar ist...

Es macht Spaß, dem Film von der ersten bis zur letzten Minute beizuwohnen und angestrengt zu verfolgen, denn es ist wahrlich keine leichte Kost, die uns Jean-Marc Vallée da vorsetzt. Man muss wirklich die ganzen ca. 120 Minuten angestrengt verfolgen, denn es passiert so vieles, das man erstmal verarbeiten muss...

Die Rollen sind wirklich erstklassig besetzt. Jeder Schauspieler hat seine Aufgabe bis ins kleinste Detail verinnerlicht. Jeder Charakter bekommt genug Tiefe und Sympathie, dass man sich hundertprozentig in ihn hineinversetzen kann...

Fazit:
Für mich ist C.R.A.Z.Y. ein sehr gelungenes Coming-of-Age-Movie über eine Realität von Jugendlichen, die durch die Umstände in der Welt nicht mehr genau wissen, wo sie wirklich hin gehören und deren Ziele im Leben sehr zu verschwimmen drohen. Auch die Eltern-Kinder-Beziehung ist sehr einfühlsam in Szene gesetzt. Jeder, der den Film anschaut, wird etliche Parallelen zu seinem eigenen "verkorksten" Leben finden...

Absoluter Geheimtipp und absolutes Kultpotential aus Kanada...bitte bitte mehr davon!

9.5/10 Punkte

P.S.: Allein die Musik ist schon ein Genuß für die Ohren...absolut Weltklasse!!

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