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Die Verfilmung von Stephen Kings Horrorroman „Friedhof der Kuscheltiere“ durch Mary Lambert gilt für mich nach wie vor als einer der besten und gruseligsten Horrorfilme überhaupt. Dies liegt nicht nur an dem hohen Mystery – Faktor des indianischen Friedhofs, sondern auch an den glänzenden darstellerischen Leistungen der Schauspieler, die teilweise für ihre Rollen Ungewöhnliches auf sich nehmen – allen voran der kleine Miko Hughes, der in der Rolle des mordenden Gage absolut überzeugen kann.

Der Mediziner Louis Creed (am Boden: Dale Midkiff) zieht mit Frau und zwei Kindern in ein Haus nach Maine (irgendwie hat es King mit diesem Bundesstaat – kommt er nicht selbst von dort?). dort beginnt er seinen neuen Job als Schularzt – und schon an seinem ersten Arbeitstag kommt dort ein Junge namens Pascow ums Leben. Als ob die familiäre Idylle nicht schon genug getrübt wäre, wird kurz darauf auch Familienkater Church von einem Lastwagen auf der dichten Hauptstrasse überfahren. Der alte Nachbar (sichtlich nervös: Fred Gwyne) will den Kindern die Trauer ersparen und zeigt Louis eine geheime Begräbnisstätte auf einem Hügel hinter dem Wald und ordnet ihm an, den Kater dort zu begraben. Am nächsten Tag ist er wieder da – wenn auch mit leicht verändertem Verhalten: aggressiver. Und Louis bleibt nichts erspart: kurz darauf wird sein dreijähriger Sohn Gage auf der Straße überfahren – ein schwerer Schock für die Familie, und Mutter und Tochter fahren darauf zu deren Eltern, um Abstand zu finden. Der verzweifelte Arzt fasst indes trotz der Warnungen seines Nachbars und dem ihm erscheinenden Geist des Jungen Pascow einen folgeschweren Entschluss...

...und spätestens dann wird jeder vom blanken Horror dieses superben Terrorstreifens gepackt. Der beerdigte kleine Junge kehrt zurück und fängt bestialisch an zu morden. Lambert schafft es beunruhigend gut, finstere Gruselstimmung aufkommen zu lassen und bedient sich dabei verschiedenster Genreelemente – so finden sich in dieser Literaturverfilmung genügend Gore, unendliche Spannung, haufenweise Mystery, verfremdende Todesthematik und komplexe, abrundende Rückblenden im Zusammenhang mit dem verfluchten Acker, der aus purer Verzweiflung heraus für Dinge missbraucht wird, die folgenschwere Resultate nach sich ziehen – und der verzweifelte Hauptdarsteller gerät von Mal zu Mal tiefer in den Strudel des Bösen hinein, und seine Möglichkeiten beschränken sich auf ein Minimum, bis die finale Szene mit seiner Frau den einzig möglichen Ausgang des Dramas symbolisiert. Deutlich herauszuheben ist hier jedoch die Darstellerleistung von Hughes, der hier als Dreikäsehoch nicht einfach nur ein mordlustiges Monster spielen muss, sondern in vielen Szenen die Balance zwischen eben genanntem und seiner unschuldigen Natur als kleinem Jungen halten muss – und das schafft er dergestalt brillant, dass seine Szenen, insbesondere die, in der er ein zweites Mal getötet wird extrem erschreckend und verfremdend rüberkommen. Auch der Rest der Darsteller geht in Ordnung. Pascow ist ein Geist, der machtlos die Szenerie verfolgen muss, und dessen surreal vorgebrachten Warnungen leider komplett in den Wind geschlagen werden. Jeder Charakter wird genau ausgeleuchtet und trägt sein eigenes, schweres Schicksal mit sich herum, in einem Film, der einen Haussegen durch pures Unglück zerstört, das wie ein Dominoeffekt die ganze Familie mit sich reißt. Die Kamera bietet enormen Suspense, insbesondere die Szenen in des Nachbars Haus gegen Ende spielen in oberster Horrorliga mit.

Also insgesamt ein Horrorfilm, der alles hat, was ein Horrorfilm braucht. Die Indizierung aufgrund so mancher etwas derberer Gewaltszene wurde vor kurzem wieder aufgehoben, weshalb die ungeschnittene DVD mit SPIO/JK – Freigabe wieder überall in den Regalen zu finden ist. Meine wärmste Kaufempfehlung, Pflichtprogramm für jeden Horrorfan.

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