Mit den Verfilmungen zu den Stephen-King-Romanen ist es ja bekanntlich immer so eine Sache: aus einigen Vorlagen entstehen wirklich grandiose Filme, die zu Klassikern des Genres werden, wie unter anderem die Filme "Carrie", "The Green Mile" oder "Die Verurteilten" beweisen, während einige andere Filme nach seinen Romanen das genaue Gegenteil sind.
Filme wie "Rhea M", "Nachtschicht" oder "Der Feuerteufel" sind ganz klar Filme zum Abgewöhnen. Keine Spannung, keine Atmosphäre, lächerlich besetzt! Oft sind die Bücher oder Kurzgeschichten zu diesen Filmen gar nicht mal so schlecht, nur gelingt es den Machern einfach nicht, die Atmosphäre aus dem Buch auf den Film zu übertragen.
Mit "Friedhof der Kuscheltiere" hat man sich 1989 schließlich an einen Weltklasse-Roman vom Meister des Horrors heran getraut. Und ich verspreche nicht zuviel, wenn ich sage, daß das Buch wirklich glänzend ist! Eine schier unglaubliche Atmosphäre macht sich breit, die Spannung steigt immer weiter bis ins Unermessliche und einen düstereren Schocker bekommt man auch selten zwischen die Finger.
Zudem ist "Friedhof der Kuscheltiere" eines der wenigen Bücher, vor denen man wirklich Angst haben muß! Deswegen war es Fans auf der ganzen Welt eigentlich von Anfang an klar, daß es ein schwieriges Unterfangen sein würde, dieses Buch überzeugend zu verfilmen. Zu komplex waren die einzelnen Erzählstränge, zu gekonnt wurde mit dem Ängsten des Lesers gearbeitet.
Wenn man sich nun das fertige Produkt anguckt, muß man ganz klar sagen, daß es Regisseurin Mary Lambert nicht gelungen ist, die Atmosphäre und atemlose Spannung auch auf Zelluloid zu bannen. Aber wie gesagt, das wäre bei der Vorlage auch wirklich eine Meisterleistung gewesen!
Obwohl der Film aber von der Qualität her längst nicht mit dem Buch mithalten kann, ist er keineswegs schlecht geworden. Mary Lambert hält sich nämlich erstaunlich dicht an die Vorlage, was einerseits erfreulich ist, andererseits aber auch teilweise in Szenen ausartet, die überflüssig sind und der Handlung nicht wirklich weiterhelfen.
Sie lässt kaum Punkte und Nebengeschichten aus dem Buch außer Acht, schafft von Anfang an hohe Spannung und hat zudem überzeugende, wenn auch relativ unbekannte Darsteller für die tragenden Rollen gewinnen können. Außerdem lässt sie sich viel Zeit für die Vorgeschichte und die Charakterentwicklung, führt den Zuschauer langsam in die unglaubliche Geschehen ein und ermöglicht ihm so die Identifikation mit dem Hauptdarstellern.
Womit wir allerdings auch schon beim größten Knackpunkt des Films wären: sie nimmt sich einfach zuviel Zeit! Sicherlich ist eine behutsame Einführung in einen so genialen und originellen Stoff sehr wichtig, aber hier hat es mir einfach zu lange gedauert. Lambert hätte (wie oben angesprochen) viele Sachen aus dem Buch einfach weglassen müssen, da diese für den eigentlichen Film nicht notwendig erscheinen und der Story das Tempo nehmen.
So wird zum Beispiel auch im Film ausgewälzt, daß die Ehefrau des Hauptdarstellers eine kranke Schwester hatte, vor der sie sich gefürchtet und geekelt hat und sich schließlich gefreut hat, als das missbildete "Monster", welches die Familie aus Scham im hintersten Zimmer der Hauses versteckt hat, endlich gestorben ist.
Die Schauspielerin (Denise Crosby) ist in den Szenen, in denen sie von diesen Ereignissen erzählt, zwar erstaunlich glaubwürdig und die Rückblenden sind wirklich gruselig, aber diese Elemente tragen einfach nicht zum Film bei und wirken daher eher störend. Sie machen den Zuschauer neugierig, werden aber doch nicht weitergeführt, sondern schnell wieder verworfen und schaffen es so lediglich, dem Film das Tempo zu nehmen, nicht aber, der Handlung zusätzliche Tiefe zu verleihen.
Stephen King hat dieses Element im Buch behutsam und ausführlich erzählt, aber auch weitergeführt und dem Zuschauer die ganze Geschichte erzählt, im Film wird die Geschichte angeschnitten, aber schnell wieder fallen gelassen. Diesen und einige weitere Punkte, zu denen auch der grausame Streit mit den Schwiegereltern gehört, hätte man entweder streichen oder aber ausführlich und komplett erzählen müssen, denn so wirken sie teilweise aufgesetzt und können die verstörende Wirkung des Buches nicht entfalten.
Stattdessen hätte man meiner Meinung nach dafür das überaus böse Ende viel ausführlicher gestalten müssen. Dieses kommt mir nämlich im Gegensatz zum Anfang eindeutig zu kurz. Im Grunde genommen ist der Film mit 98 Minuten eindeutig lang genug, aber King hätte für sein Drehbuch am Anfang lieber eine Viertelstunde streichen sollen und diese stattdessen am Ende anhängen sollen. So wirkt der Anfang aufgrund seiner vielen, aber unvollständigen Nebengeschichten in die Länge gezogen, während das Ende, welches im Buch nahezu unglaublich gut rüberkommt, eindeutig zu kurz kommt.
Aber so talentiert King auch als Autor von Horrorromanen ist, das Drehbuchschreiben und Regieführen ist einfach nicht sein Ding - das hat er auch woanders schon unter Beweis gestellt!
Um den Film aber nicht zu verreissen oder ihn sonderlich schlecht zu machen, muß ich zugeben, daß er dennoch sehr spannend, gruselig und atmosphärisch rüberkommt und dem Zuschauer wohlige Schauer über den Rücken jagt, weswegen er trotz der oben aufgeführten Mängel allemal sehenswert ist und für einen unterhaltsamen Horrorabend genau der richtige Film ist.
Die Atmosphäre vom Buch wird zwar nie erreicht, dennoch gehört der Film eindeutig zu den spannendsten King-Verfilmungen überhaupt. Und auch die Vorgeschichte, die am Anfang meiner Kritik nicht gerade sonderlich gut wegkam, da sie eben zu ausführlich ist, ist trotz ihrer übertriebenen Länge sehr mysteriös und spannend gemacht, weswegen sich auch hier keineswegs Langeweile breitmacht - obwohl man hin und wieder auf die Uhr schaut und sich ungeduldig fragt, wann es denn endlich richtig losgeht.
Und hier sind wir auch schon bei der Zwickmühle angekommen, in der ich stecke: der Film ist zwar unglaublich spannend und atmosphärisch nahezu superb gemacht (der Nebel, der dunkle Wald, der unheimliche Tierfriedhof etc.), aber es passiert einfach nichts. Zumindest nichts, was sonderlich erwähnenswert wäre. Man arbeitet die ganze Zeit auf das große Finale hin und zieht die Spannung immer weiter an, aber es passiert einfach nichts, was mich vom Hocker haut.
Umso schlimmer wiegt dann die Tatsache, daß das Finale, auf welches der Film so mühselig hinarbeitet, dem Zuschauer binnen weniger Minuten serviert wird und dazu absolut unbefriedigend und langweilig gemacht ist. Versteht mich nicht falsch, die Schlußszene finde ich große klasse, aber was davor passiert, ist in meinen Augen schwach. Ohne zuviel verraten so wollen, aber den von den Toten Auferstandene marschiert einfach los und tötet völlig gewissenlos und blitzschnell alles, was ihm vor's Messer kommt.
Wenn ein Film über 60 Minuten nur Spannung aufbaut, dann erst langsam etwas Tempo in die Handlung kommt und man sich als gespannter, aber doch etwas enttäuschter Zuschauer hoffnungsvoll denkt, am Schluß wird er explodieren, dann ist dieses Ende absolut armselig und stereotyp gemacht und unterscheidet sich nicht im Geringsten von hundert anderen Horrorfilmen, in denen stumpf nach dem 10-Kleine-Negerlein-Prinzip ein paar Menschen niedergemetzelt werden.
Angesichts des spannenden, aber viel zu unspektakulären Anfangs muß man sich über dieses Ende auch zwangsläufig ein bißchen ärgern. Allerdings habe ich zu meiner Überraschung festgestellt, daß der Film längst nicht so hart und blutig ist wie ich ihn in Erinnerung hatte. Ich dachte, mich an einen verdammt splattrigen Showdown zu erinnern, allerdings war alles, was mir geboten wurde, eine Handvoll Szenen, in denen man dann ein bißchen Blut zu sehen bekam.
Es gibt keine einzige wirklich eklige Szene und vielleicht eine Handvoll, in denen wirklich das Blut ein bißchen spritzt. Schaut man sich da die Fortsetzung an, muß man sagen, daß man es dort tatsächlich mit einem verdammt gorigen Splatterfilm zu tun hat, der den ersten Teil an Blutgehalt locker in den Schatten stellt.
Die Indizierung des ersten Teils kann ich auf jeden Fall nicht verstehen, denn alles bleibt im grünen Bereich. "Friedhof der Kuscheltiere" ist einfach nur ein gruseliger, spannender Horrorfilm mit vier oder fünf blutigen Szenen am Ende, weswegen ich den Film auch ohne Bedenken Leuten empfehlen kann, die ansonsten mit diesem Genre nicht so richtig glücklich werden. Es gibt hunderte Filme ab 16 Jahren, die eindeutig härter ausgefallen sind, weswegen ihr euch diesen kleinen Gruselschocker nicht entgehen lassen braucht!
Fazit:
"Friedhof der Kuscheltiere" ist beileibe kein schlechter Horrorfilm. Im Gegenteil: der Film gehört eindeutig zu den spannendsten Stephen-King-Verfilmungen, nur ist er im Endeffekt doch etwas enttäuschend. Die Dichte des Buches war nicht zu erwarten, es wäre eine Meisterleistung gewesen, diese auf den Film zu übertragen. Allerdings macht auch eine so gewaltige Spannung einen Film nicht in jedem Falle automatisch wirklich gut (wie es auch bei "The Others" der Fall war!) - es muß schon etwas passieren, womit man den Zuschauer überrascht oder ihn wirklich schockt. Und danach sucht man in den ersten 60 Minuten absolut vergeblich.
Der Film ist spannend und angenehm gruselig, alles schön und gut - aber passieren tut im Grunde genommen gar nichts! Mit dem Tod des Sohnes kippt der Film dann ein bißchen und man freut sich auf ein Finale, welches des Anfang des Films vergessen macht und dann wird man mit einem 08/15-Gemorde abgespeist, welches meinen Adrenalinspiegel trotz einiger blutiger Schockszenen nicht so recht in Wallung bringen wollte.
Schade, daß ein so atmosphärischer und spannender, aber auch unspektakulärer Film mit einem so simplen Showdown "abrechnet". Dennoch, für die enorme Spannung, die teilweise wirklich sehr sichte Atmosphäre und die wirklich überzeugenden Leistungen der Schauspieler hat dieser Film eindeutig 8 Punkte verdient!