Einen geliebten Menschen zu verlieren oder gar seine eigenen Kinder, gehört mit Sicherheit zu den größten und panischsten Ängsten vieler Menschen. Warum sich der Horrorfilm, der sich nun einmal zur Aufgabe gemacht hat, menschliche Ängste auf die eine oder andere Art zu verarbeiten, eher selten mit dieser Thematik beschäftigt hat, scheint klar. Zu unangenehm spürbar und greifbar ist diese Thematik als das man sie für einen unterhaltsamen Nervenkitzel gebrauchen könnte. Bzw. taugt sie nur bedingt um mit konventionellen Mitteln für Spannung und Angst zu sorgen, eher erreicht man beim Publikum ein betretenes und verstörendes Unbehagen, dass sich nur sehr schwer mit unterhaltsam, spannenden Horror vereinbaren lässt. Das es aber auch funktionieren kann, wenn auch nicht mit konventionellen Mitteln, wurde u.a. mit dem subtilen Meisterwerk "Don't look now" und eben "Pet Sematary" bewiesen.
Alles dreht sich um einen indianischen Friedhof, der durch eine nicht näher begründete Kraft in der Lage ist tote Lebewesen wieder zurück ins Leben zu holen. Louis Creed, der nach dem tragischen Tod seines Sohnes auf die revitalisierende Wirkung des Friedhofs hofft, setzt mit dieser Verzweiflungstat eine Kettenreaktion von grausamen wie dramatischen Ereignissen in Kraft. Zuvor wird er noch von seinem Nachbarn Crandall, der von diesem Friedhof weiß, mittels einer grausamen Geschichte, die der seinen ähnelt, gewarnt.
Der Film zieht seinen faszinierenden Schrecken aus der Thematisierung von Trauer und Tod. Auf vielerlei Ebenen widmet er sich dem komplexen wie emotionalen Thema. Der Tod als erlösender und befreiender Zustand wird etwa bei den mittlerweile legendär verstörenden Szenen rund um Rachel's Schwester Zelda behandelt. Rachel, Louis Frau, wird im Film immer wieder mit dieser beängstigenden Geschichte, die in ihrer Kindheit stattgefunden hat, konfrontiert. Als junges Kind musste sie für ihre todkranke Schwester sorgen, die im Keller vor sich hin vegetierte. Seitdem unfähig mit dem Thema Tod und Krankheit halbwegs vernünftig umzugehen, versucht sie eine Welt um sich und ihre Kinder aufzubauen, in der jedwede Auseinandersetzung strikt abgelehnt wird. In jenen Szenen wird ein gesellschaftlich höchst interessantes Thema angerissen. Das der Tod auch erlösend Elemente in sich tragen kann, wird in unserer westlichen Kultur so gut wie ausgeblendet. Ein damals so junges Mädchen wie Rachel, dass sich insgeheim über das Ableben ihrer mittlerweile auch psychisch schwer gestörten Schwester freut, fällt dabei aus dem Kontext, wird ignoriert oder mit Unverständniss begegnet. Was bleibt ihr also auch übrig, als sich für ihre Reaktion zu schämen und psychisch zu geißeln. Nebenbei wird in der Zelda-Geschichte auch das unbequeme Thema der durch Krankheit oder Behinderung schamvoll weggesperrten Kellerkinder berührt. Das, und die Symbolisierung des Todes, durch eine schwer deformierende Krankheit, ist wahrscheinlich auch der Grund, der für den zutiefst verstörenden und beklemmenden Unterton dieser Szenen gesorgt hat.
Trauer im Sinne von Verarbeitung und als wichtiger und notwendiger Schritt für den Prozess des Erwachsenwerdens, scheinen die Themen rund um den überfahrenen Kater zu behandeln. Der tote Kater, der der ältesten Tochter gehört und den sie innig zu lieben scheint, wird vom Vater aus Angst vor der emotionalen Belastung verschwiegen und im weiteren Verlauf im reanimierenden Indianerfriedhof vergraben. Mit dem Resultat, dass sich der Kater in seinem Charakter gewandelt zu haben scheint. Bei King's Buch wie natürlich im Film selbst wird der Vorgang dieser entlastenden Bequemlichkeit moralisch gewertet. Die Alternative zur Trauerarbeit, also das unnatürliche zurückerhalten der Betrauerten, wird bestraft mit einer ins negativ abgeleitenden Charakterumkehr.
Nicht weniger bestraft wird die Verweigerung sich mit dem furchtbaren Verlust seines Sohnes abzufinden. Sehr erschütternd und dennoch sensibel wird der Tod des Sohnes bebildert. Das schlimmst mögliche ist passiert und die idyllische Welt der Familie Creed bricht auf einen Schlag auseinander. Die Mutter Rachel, durchleidet durch das Weglaufen vor den Geschehnissen eine Weiterführung der Zelda-Episode, in der sie ebenfalls nach dem qualvollen Tod ihrer Schwester symbolbehaftet aus dem Haus in die Ferne lief. Louis hingegen sucht, bevor er den entscheidenden Entschluss trifft, die Einsamkeit in der er sich selbstquälend Vorwürfen hingibt.
Das Unvermeidliche geschieht, Louis vergräbt seinen Sohn Gage auf dem Indianerfriedhof. Wie der wieder zum Leben erweckte Kater ändert sich auch Gage dramatisch. Aus dem liebevollen, verspielten Kleinkind ist ein mordlüsternes kleines Monster geworden. Hier werden allerdings auch einige Schwächen sehr auffällig. Die Szenen im letzten Drittel in denen Gage mordend umherwandelt, versprühen weder Suspene noch Dramatik, im Gegenteil, die ganze Chose wirkt durch seine geringe Größe eher absurd und alles andere als bedrohlich. In den schlimmsten Szenen denkt man unwillkürlich an Chuckys ähnlich unspannende Puppenmördereien. Hier verschenkt der Film leider jegliches Potential, dass ihm zu wirklich größerem gemacht hätte.
Doch abgesehen von Schwächen wie diesen, hat vor allem die finale Konfrontation zwischen Louis und seinem untoten Sohn etwas unvergessliches an sich. Louis, der durch sein unbedachtes Handeln eine Lawine von eskalierender Gewalt verschuldet hat, versucht seine Taten mittels Giftspritze ungeschehen zu machen. Der Vater wird für seine Schwäche, der Trauer unbedacht und egoistisch nachgegangen zu sein, mit der Ermordung seines eigenen Sohnes bestraft. Der trauernde Vater der seinen eigenen nach wie vor geliebten Sohn umbringen muss, diese Szene versprüht ein extremes Unbehagen, dass weit über gängigen Suspense hinaus geht. Der abschließend nihilistische, seine Frau betreffende "Gag" schwächt die Gesamtheit des Filmes eher ab. Ich fühlte mich eher an Horrorcomicflicks wie "Tales from a Crypt" erinnert, in denen ebenfalls am Ende die Schwächen der Hauptfigur ein wenig spöttisch und mit sadistischer Selbstgerechtigkeit gesühnt werden mussten.
Neben der ungelenken Chucky-Reprise kann man dem Film auch vorwerfen zu moralisierend zu sein. Die Narration des Filmes ist wie mit einem drohendem Zeigefinger ausgestattet und führt die anfänglich von Louis Nachbar Crandall warnend erzählte Geschichte anderwärtig weiter. Wenn man so will, kann man auch von einer Botschaft sprechen, die von der heilenden Wirkung der Trauer handelt und dem unbedingten Gebrauch davon erzählt. Doch das sind meiner Ansicht nach eher Randerscheinungen. Der direkte und seriöse, für den Horrorfilm so ungewöhnliche, Umgang mit der Thematik rund um den Tod und der damit einhergehenden vielfältigen Trauer und Verarbeitung, macht den Film mindestens zu etwas besonderen. Der Film schafft es dieses schwere Thema mit düster beklemmender und teilweise angestrengt, morbid melancholischer Atmosphäre (man denke nur an den Selbstmord der Haushälterin) zu füllen und verzichtet dabei auf jegliche humoristische noch andersartige Auflockerung. Er schafft um das Thema Verlustängste eine wunderbar einleuchtende Koexistenz aus tiefer Schwermut und fiebriger Angst.