Kaum eine King-Verfilmung hat die Gemüter so gespalten wie "Pet Sematary".
Während die einen sie für ausgesprochen gelungen halten, wofür auch das starke Einspiel spricht, lehnen andere sie vollkommen als plakativ-vordergründige Bebilderung, unnötig blutig und dumm.
Ich persönlich stehe da mehr mit dem Roman auf Kriegsfuß, der psychisch ganz schön schwer zu verarbeiten ist und den ich als selbstquälerisch langgezogen empfinde, inclusive einer meines Erachtens vollkommen überflüssigen kapitellangen Fortführung der Geschichte, die sich als schöner Traum entpuppt. Trotzdem ein intensives Leseerlebnis.
Daß da der Film mit solcher Schwere nicht ganz mitkommt, war zu erwarten. Dennoch bemüht sich Mary Lambert um eine detailgenaue Umsetzung der Vorlage, kopiert die familiären Grundlagen und behält die meisten Plot-Ideen bei, wenn sie auch Judd Crandalls Frau komplett ausspart und die Figur des Victor Pascow als mahnenden Geist um der Unterhaltung und des Effekts Willen verstärkt.
Tatsächlich wirkt das mehrmalige Auftauchen des langsam verwesenden Pascow mehr wie eine humorige Erleichterung bei dem sonst tragisch-schweren Thema, doch findet sein Erscheinen immer eine erzählerische Grundlage und ist nie dem bloßen Witz untergeordnet.
Allerdings ist dieses Drama auch harter Tobak: angefangen vom Tod eines geliebten Katers, dann eines Kindes mündet der Film in der zweiten Hälfte in eine schier nicht enden wollende Abfolge von Fehlentscheidungen, die stets die fatalstmöglichsten Folgen haben. Jedes Mal schlägt das Schicksal unbarmherzig zu, kommen Charaktere zu früh oder zu spät oder schlafen Figuren in den entscheidenden Augenblicken, bis es zu spät ist.
Insofern funktioniert die Geschichte ziemlich gut.
Ebenso intensiv und spannend ist das Set Design. Angefangen bei der hypergefährlichen Autostraße vor dem Haus, genügt schon der extrem morbide Tierfriedhof fast allen Ansprüchen. Das kaum zugängliche Gelände dahinter, daß schließlich zu dem verfluchten Indianerfriedhof führt, ist ebenso effektvoll und unheimlich in Szene gesetzt, wenn auch eher auf der akustischen Seite, denn man hört mehr Unerklärliches, als daß man etwas zu sehen bekommt.
Leider zollt der Film im Schlußdrittel den Gore-Erwartungen zu viel Tribut, indem er die Charaktere relativ unbedarft einem mörderischen Zweijährigen in das offene Rasiermesser laufen läßt. Kann man es im Fall Crandalls vielleicht noch ertragen, ist die Reaktion der Mutter schlichtweg dämlich (ohne lesbaren psychologischen Unterbau). Die schön eklige Schlußszene (meist gekürzt, es suppt so schön aus der Augenhöhle...) rundet trotz des Effekts die Poesie der Vernichtung dieser Familie schön ab.
Womit der Film ebenfalls nicht leichtfertig umgeht, ist seine All-American-Family. Eigentlich ist keiner der Anwesenden hier so richtig supersüß-sympathisch, sondern hat seine individuellen Ecken und Kanten. Denise Crosby ist schon fast zu eckig und auch Dale Midkiff führt sich oft eher so auf, als sei er noch alleinstehend. Die daraus resultierenden Fehler aller Beteiligten sind jedoch in die Handlung gut integriert.
Was man bei "Pet Sematary" damit aber nicht tut, ist das Einfühlen in die Charaktere. Nicht, daß sie uns komplett egal wären, doch die schiere Unausweichlichkeit eines bösen Schicksals übt hier die Faszination aus und weniger unser Fühlen mit den menschlichen Figuren.
Hier fürchtet man nicht um eine Familie, hier möchte man ihnen stets nur zurufen, daß sie ihrem eigenen Untergang aus dem Weg gehen sollten. Das ist ungewöhnlich und von einer bizarren Gnadenlosigkeit, die sicher nicht jeden anspricht, für die ich aber dankbar bin.
Für meinen Geschmack ist "Friedhof..." eine der besten, weil ungemein ausweglose, King-Verfilmung, die weder noch ihrer Vorlage sklavisch folgen muß, um die Geschichte korrekt zu erzählen, noch wilde inhaltliche Sprünge benötigt, weil sie auch so funktioniert. (8/10)