Stephen King erwähnte einst bei einem Interview, dass Pet Sematary, so der Originaltitel, der einzige seiner Romane sei, welcher ihm selbst das Fürchten gelehrt hätte, was anhand der intensiv behandelten Themen wie Verlust, Krankheit, Kindstod und bösartige Wiederkehr gar nicht mal so abwegig ist. King selbst verkaufte die Filmrechte 1984 für 10.000 Dollar an George A. Romero, da Mister "Dawn of the dead" aber zur geplanten Drehzeit mit dem Projekt Monkey Shines beschäftigt war, erhielt letzten Endes Mary Lambert den Zuschlag für den Regieposten, weil sie den Meister des Horrors mit ihrer Begeisterung für seine Werke und ihrem Bestreben sich an seine Vorgaben zu halten überzeugen konnte. Der 12 Millionen Dollar teure Friedhof der Kuscheltiere feierte am 21.04.1989 Kinopremiere und ist mit einem Einspielergebnis von knapp 57 Millionen Dollar die fünft erfolgreichste Kingverflmung aller Zeiten, was den auch heute noch enormen Zuspruch von Kritikern und Fans zusätzlich unterstreicht.
Der Schulterschluss zur Ursprungsgeschichte war für Stephen King unabdingbar, weswegen sich in seinem Drehbuch nur marginale Abweichungen zum 1983 erschienenen Bestseller feststellen lassen. Der Film gesteht dem guten Geist Pascow (Brad Greenquist) beispielsweise eine tiefere Bedeutung mit mehr Screentime zu, während er im Roman nur einen kurzen Auftritt bei seinem Unfall hat. Außerdem veränderte King die Umstände von Timmy Batermans Ableben und Paramount Pictures bestand auf ein etwas dramatischeres Filmfinale. Die Kernstory bleibt jedoch unverändert. Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Familie von der Großstadt aufs Land in ein neues Haus nebst einer von Truckern stark befahrenen Straße. Als der Hauskater der Creeds Church von einem Kraftfahrer getötet wird, weiht Nachbar Jud Candall (Fred Gwynne) Louis in die wiederbelebenden Geheimnisse des nicht weit entfernten Tierfriedhofs ein und nach Begräbnis kehrt das Tier doch tatsächlich als wesensveränderte Zombiekatze zurück. Bei einem weiteren LKW Unfall verliert auch der dreijährige Gage Creed (Miko Hughes) sein Leben, was seinem Vater und den Creeds das Herz bricht. Trotz aller Warnungen beerdigt Louis seinen Sohn an dem verbotenen Ort und muss schon bald feststellen, dass der Tod manchmal besser ist....
Sie müssen nicht zwingend selbst Kinder haben, um sich ausmalen zu können, wie schlimm für Eltern ein unerwarteter Kindstod ihres Sprösslings sein mag. Und Hand aufs Herz, wer hätte es an Louis Stelle nicht versucht, auch wenn die Aussicht auf Erfolg auch noch so gering sei, seinen Sohn zurück zu holen, trotz aller möglicher Gefahren. Lambert bringt mit ihrer pointiert drastischen Inszenierung den persönlichen Horror der Creeds dem Zuschauer zum Greifen nahe und setzt auf die King typische, langsame Bedrohlichkeitssteigerung mit urplötzlicher Zerstörung der Familienidylle durch den einen schrecklichen Augenblick. Gages blutiger Kinderschuh auf dem harten Asphalt des Highways wirkt 100 mal aussagekräftiger als der splattrigste Gore-Effekt und die nachfolgende Trauerfeier mit dem aufgestoßenen Kindersarg ist an Tragik kaum zu überbieten. Die Kombination dieser real nachempfindbaren, emotionalen Ausnahmesituation mit der mystischen, paranormalen Wiederauferstehung des eigen Fleisch und Blutes, welches sich vom Bösen besessen gegen seine eigenen Schöpfer richtet, unterstreicht die infernale Entwicklung des Haupthandlungsstrangs und gipfelt in einem blutig beklemmenden Finale, welches das Publikum zwar fasziniert, aber gleichzeitig auch schockiert seinem Schicksal überlässt.
Bild und Ton in Pet Sematary sind optimal audiovisuell auf Angsterzeugung abgestimmt und unterstützen den psychologisch thematischen Spannungsbogen mit schaurig gestalteten Kulissen und einem gruselig atmosphärischen Filmscore. Der steinig weite Weg zum verbotenen Areal der Indianergedenkstätte erzeugt ein maues Gefühl von Unbehagen in der Magengegend. Der Tierfriedhof selbst ist übersät mit von Kinderhand errichteter Grabmäler und Kreuzen, während Lambert die Szenerie mit geschickten Kamerafahrten und Kinderchoruntermalung instrumentalisiert. Gar nicht oft genug gelobt werden kann die klassische Maskenarbeit, welche den untoten Zombiewesen zu einer wahrlich dämonischen Ausstrahlung verhilft. Von unglaublicher Intensität zeugt auch der Subplot rund um Rachels an Multiple Sklerose erkrankten Schwester Selda, dessen qualvolles Dahinvegetieren in Rachels Erinnerung mit verstörender Visagistik und Special-Effects derart furchteinflößend visualisiert ist, dass einem im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg bleibt. Wenn sie kotzt, speibt und dann stirbt, ist das der Stoff, aus dem Kinderalbträume gemacht sind.
In Antizipation geistreicher Gegendarstellungen mit unwesentlichem Antlitz für meine Meinungsbildung ist der eigentliche Star des Films Miko Hughes. Er verinnerlicht alle notwendigen Attribute die es braucht, Gages Verwandlung vom unschuldigen Kleinkind in ein mordendes Monster darzustellen, vom naiv verspielten, niedlichen Auftreten bis hin zum besessen teuflischen Gesichtsausdruck und seinen wahrlich unfairen Kommentaren, er ist die optimale Besetzung für diese Schlüsselrolle. Aber auch Dale Midkiff muss sich als sorgender Familienvater Louis Creed mitnichten vor Hughes verstecken, mit höchstmöglicher emotionaler Transparenz bringt er seine Gratwanderung zwischen Glück und Trauer, Angst und Hoffnung sowie Erkenntnis und Entschlossenheit evident zur Geltung. Markant, knurrig und charismatisch wirkt Fred Gwynne, wenn sein Filmcharakter Jud Crandall den Zuschauer durch seine epischen Erzählungen mit den übernatürlichen Kräften der Indianergedenkstätten vertraut macht. Abgerundet wird der in seiner Gesamtheit auf einem hohen Niveau agierende Cast durch Kings Cameo-Erscheinung als Priester, einzig und allein die bieder-unsympathische Darbietung von Denise Crosby als Filmmutter Rachel Creed konnte mich nicht vollends überzeugen.
Wer Mary Lamberts Friedhof der Kuscheltiere subjektiv als eine der besten King Verfilmungen bezeichnet, hat meines Erachtens nach also nicht ganz Unrecht. Lambert gelingt es bekannte King Merkmale wie das bedachte Heranführen an die eigentliche Gefahr, der Umgang mit menschlichen Urängsten und die sinnvolle Ergänzung von übernatürlichen Elementen unterhaltsam umzusetzen. Der Film macht so ziemlich alles richtig, ist hochspannend, kann auf hervorragend aufgelegte Darsteller zurückgreifen, nur die etwas unglückliche Besetzung der Rachel Creed wirft einen kleinen Schatten auf ein ansonsten glänzendes Stück Horrorunterhaltung. Gegen diesen Klassiker kann die aus meiner Sicht klar schwächere Neuverfilmung aus dem Jahr 2019 einpacken. "Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger, Louis. Ein Mann pflanzt das an wovon er was versteht und er pflegt es, denn was du erwirbst, das gehört dir und was dir gehört, kommt immer wieder zu dir zurück" MovieStar Wertung: 9 / 10 Punkte.