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Der gefangene Gangsterboss Panther Duen [ Hugo Ng ] soll vor Gericht gestellt werden; zu seiner Bewachung und Durchführung des Transports zum Prozessbeginn stellt der zuständige Leiter Hong Sun [ Simon Yam ] das Dragon Squad Team aus Interpolagenten zusammen. Dazu gehören der asiatisch – amerikanische Polizist Wang Sun Ho [ Vanness Wu ], die frühere Undercover Pak Yut Suet [ Eva Huang ], der bei den Briten dienende James Lam [ Lawrence Chou ] sowie der chinesische Scharfschütze Luo Zai Yun [ Xia Yu ] und der HK Cop Hung Kei Lok [ Shawn Yu ]. Kurz vor der Vorladung entdeckt das Team, dass sie selber nur als Ablenkung eingesetzt wurden und das zu bewachende Ziel von einer anderen Einheit befördert werden soll; die auch prompt von den Mannen des ehemaligen kolumbianischen Armeeführers Petros Angelo [ Michael Biehn ] überfallen und getötet werden. Dieser will über Panther an dessen Bruder Tiger Duen [ Ken Tong ] und damit an 2 Milliarden schmutziges Geld heran. Doch die Dragon Squad verselbständigt sich und geht zusammen mit dem geschassten ehemaligen Leiter Kong Long [ Sammo Hung ] auf Verbrecherjagd...

Daniel Lees neuste Regiearbeit galt neben dem noch ausstehenden Sha Po Lang lange als Hoffnungsträger des diesjährigen Kinojahres, vor allem für HK Action Fans. Angefixt durch seine früheren Werke wie Black Mask und What Price Survival ebenso wie durch das Staraufgebot und die mit erhöhtem Produktionsvolumen verbundene internationale Zielrichtung des Projektes waren die Erwartungen schon im Vorfeld recht hochgeschraubt worden und der Film heiss erwartet. Auch weil bisherige Grossprojekte [ Jackie Chans The Myth, Tsui Harks Seven Swords, Johnnie Tos Election, Alan Maks und Andrew Laus Initial D ] teilweise enttäuschend aufgenommen wurden und nicht so wirklich die Versprechungen und Ankündigungen hielten.

Die bittere Nachricht dann auch zuerst: Der Film ist teilweise recht dumm. Nicht einmal von der Geschichte her, die im besten Falle Standard und gleichzeitig überzeugendes Argument für das Hauptanliegen Action ist. Sondern in einigen kleineren, versucht dramatisierenden Begebenheiten, die dann aber so dermaßen dämlich geraten sind, dass die Auswirkungen weite Kreise ziehen. Besonders die Freundin von Tiger Duen schiesst in sämtlichen ihrer Szenen regelmässig den Vogel ab und bringt die Handlung mehrmals sehr gefährlich an den Rand des ärgerlichen Schwachsinns.

Hapern tut es dabei allgemein schon am Ausgangspunkt: Das zusammengewürfelte Team besteht aus sich grundsätzlich fremden Individuen, die noch nie miteinander zu tun hatten und sich gegenüber erst einmal warm werden müssen. Dafür ist ebenso wenig Zeit wie für Vorbereitung oder Absprachen, aber trotzdem steht gleich ein immens wichtiger Auftrag als Reifeprüfung an. Nachdem dieser ja nun vergeigt wurde, erfolgt anscheinend kein Rückrufbefehl. Die Neulinge bleiben in der Stadt, ohne auch nur die einheimische Einheit zu kontaktieren oder auch dort vermisst zu werden – dafür wird Mami angerufen - und handeln erstmal auf eigene Faust und später auch ohne zu Zögern gegen die Anweisungen der einheimischen Polizei. Diese selber hält nur als Kanonenfutter her und lässt sich vom gegnerischen Team trotz horrender Überzahl jedes Mal vorführen und auseinander nehmen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Nun sollte man sich nicht an jeder Kleinigkeit aufhängen, aber selbst so eine Geschichte muss man anders schreiben. Das Setting bleibt von Beginn weg in seiner plakativen Ekstase sehr gestellt – phantasiert - und nie annähernd glaubhaft; ebenso wie die Tatsache, dass auf Seite der Guten die gleiche personelle Anzahl vorhanden ist wie auf der der Bösen. Und dazu noch exakt das passende Gegenstück; hat also für den Showdown jeder seine zugehörige Nemesis.
Sowieso ist hier jeder mit jedem Intimus; muss man sich also nicht wundern, dass viele jahrelang offene Rechungen am Ende beglichen sind. Es wird dann mindestens ein dreijähriger Zeitraum abgeklärt, obwohl die präsentierten Ereignisse innerhalb weniger Tage ablaufen; ähnlich unnötig weit dimensionierend hat man die Konzeption der Charaktere ausgebreitet. Da bekommt nicht nur jeder seine eigene Vorstellung samt Namenseinblendung, Herkunft und bisherigen Werdegang; sondern auch ein schwarzweiss gehaltenes spezielles Erkennungsmerkmal, dass zu ungünstigsten Momenten noch einmal eingeblendet wird. Es sieht für eine Weile stylish aus, die Einführung der Personen selber geht auch rasch und ohne Probleme vonstatten; aber die punktuellen Wiederholungen selber passen dann nicht mehr, da sie mittlerweile auch unnötig sind. Das gleiche gilt für den emotionalen Exzerpt, den wahrhaft jede Figur zugeschanzt bekommt; und sei es nur in kleinen Situationen.

Lam ruft halt seine Mami an. Hung hat einen gelähmten Bruder, den er im Krankenhaus besucht. Luo verliebt sich in Pak, die aber wiederum noch Gefühle für einen früher beschatteten und überführten Kriminellen hat. Kong Long hat durch seine Schuld schon einmal ein Team verloren und arbeitet deswegen jetzt regulär nur als Fahrer bei der Verkehrsabteilung. Und er hat durch seinen aufopferungsvollen Dienst auch seine Frau vernachlässigt und damit auch seine Tochter verloren.
Das ist alles zuviel der Klischees, zu deftige Gefühle per Stereotyp; zumal dadurch ja auch keine wirkliche Charakterisierung erfolgt und letztlich davon nur Ballast über bleibt. Eine kompaktere Präsentation - um 10 bis 15 Minuten vermeintlichen emotionalen Zugang mitsamt diversen anderen Streichungen [ Jahrmarkt, Pöbeleien von Strassenraudis ] gekürzt - hätte dann ebenso wenig geschadet wie eine Fokussierung auf eher interessante Punkte.

Da Skript und Handlungsführung schwächen, versucht Lee’s Inszenierung natürlich alles Mögliche auf Teufel komm raus, mit viel Drumherum. Der Mann weiss auch augenscheinlich, wie man das anstellt. Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit; zwar nicht ganz so eloquent wie bei Tsui Hark, aber immerhin. Nur leider teilt er dafür die Eigenschaft des Nichtwissens, wo die Grenze bei derartigem Posieren ist. Er hört ja gar nicht mehr auf damit; Szenen werden so lange auf Hochdruck aufgebauscht, dass die Auflösung selber gar nicht mehr gesteigert werden kann und deswegen oft als Antihöhepunkt erscheint. Ausserdem überschätzt er die Sehbedürfnisse des Publikums und zoomt und schwenkt und schneidet als alternative Lesart so häufig, dass die Übersicht zwar nicht komplett verloren geht, aber doch eingeschränkt wird. Man ahnt mehr als man erkennt. Es wird schon genug Effektivität erreicht, aber es sieht besser aus als es ist. Die Standbilder bringen wahrscheinlich mehr Nutzen als die vollzogenen Stakkatos. Die Kugeln fliegen eh so häufig wie schon lange nicht mehr; man addiert einen gewissen Blutzoll und viel überzeugende Optik und fertig ist der in einer unnötigen Länge zelebrierte Shootout.
Logik muss man gerade hier natürlich jetzt auch nicht mehr erwarten; da wird unter den jeweiligen Spezialisten schon mal minutenlanges Feuergefecht ohne einen einzelnen Treffer absolviert, aber das freut wenigstens den Waffenfetischist.

Die Besetzung ist zu voll, als dass jeder für sich zu überzeugen weiss. Vanness Wu in der eigentlichen Hauptrolle überrascht dafür mit einer soweit rundum stabilen Leistung; Gegenpart Michael Biehn nicht ganz so. Simon Yam ist verschwendet, taucht aber sowieso nur als Cameo auf; ebenso wie Andy On und Gordon Liu. Sammo Hung fällt in seiner etwas grösseren Rolle leicht positiv auf, einfach weil er endlich mal wieder so einen Auftritt abbekommt; auch wenn er mit einer Riesenzigarre im Mund joggen geht.

Eigentlich ist es schade, dass der Film nur so aussieht, wie man ihn gerne hätte. Die Möglichkeiten für so viel mehr sind ja sichtbar da, aber ebenso sind theoretisch auch noch mehr Kritikpunkte vorhanden. Er ist keine grosse Enttäuschung; weil man hierbei ganz gut wegkommt und auch, weil man die letzte Zeit sowieso wenig in der Richtung bedient wurde. Reicht trotzdem nur zur Überbrückung auf Sha Po Lang.

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