Man kann über diesen Film denken was man will, doch entziehen kann man sich der tragischen Handlung absolut nicht.
Schlüsselt man die Handlung logisch und völlig rational auf, so kommt man schnell zu dem Schluss, das "Für das Leben eines Freundes" ein typisch amerikanischer Film ist, der die politischen Gegner als Tiere, unnachgiebige Mörder oder gar verbohrte Ignoranten darstellt. Und genau das ist jene Meinung, die der durchschnittliche Bürger nach diesem Werk hat. Ich für meinen Teil sehe das ganze allerdings anders.
Die Geschichte ist komplexer als sie es im ersten Moment erscheinen mag. Drei junge Männer mit den Namen Sheriff (Vince Vaughn, Die Hochzeits-Crasher, Oldschool), Tony (David Conrad, Men of Honor) und Lewis (Joaquin Pheonix, Gladiator, 8mm, Walk the Line) verbringen ihre Ferien in Malaysia. Wie junge Leute nunmal sind rauchen sie diverse Joints. Am letzten Tag bevor Sheriff und Tony abreisen, mieten die drei ein Fahrrad welches Sheriff unachtsamerweise "verschwinden" lässt. Soweit so schlecht. Nachdem die beiden das Land verlassen haben, steht die Polizei vor Lewis' Tür und sucht das Fahrrad. Das finden sie nicht, allerdings stoßen sie auf 104 Gramm Marihuana. Dumm nur, das in Malaysia man ab 100 Gramm als Dealer gilt und dafür die Todesstrafe zu erwarten hat. Zwei Jahre später taucht die junge Anwältin Beth (Anne Heche, Psycho, John Q) auf und unterrichtet beide über die Vorkommnisse. In 7 Tagen soll Lewis hingerichtet werden, und nur Sheriff und Tony können mit einem Schuldbekenntnis die Sache abwenden.
Wer den Film noch nicht kennt, der sollte nun aufhören weiter zu lesen, denn Spoiler sind unvermeidbar.
Die meißte Zeit des Films steht Sheriff im Fokus. Er hadert mit sich selbst ob er für drei Jahre in einen der furchterregendsten Knast der Welt gehen soll. Nun kommt aber auch die interessante Frage auf, was würde man selbst tun? Ich geben offen zu, das ich es nicht wüsste. Filme, die dem Zuschauer Raum lassen für Selbstinterpretationen und zum Nachdenken anregen sind jene, die des meißtens verkannt werden, Schlussendlich entschließt er sich dazu seinem Freund beizustehen und ihn vorm Galgen zu retten.
Wo eine nun den übermäßigen Pathos sehen, meine ich einige recht offensichtliche Kritikpunkte an den USA zu erhaschen, und das macht den Film nicht zu einem "Nur-die-USA-ist-gut"-Movie werden. Es wird klargestellt das die Malayen eine durchweg geradlinige Politik und vorallem eine genaue Vorstellung davon haben, wie das Gesetz auszusehen hat, und setzen diese gnadenlos aber zum Wohle der Bevölkerung durch. Ich bin absolut kein Freund der Todesstrafe. Bei Drogen sollten hohe Haftstrafen genügen, aber in Malaysia ist dies nunmal anders, und darüber sollte sich jeder der in dieses wunderschöne Land reist im klaren sein. Auch Amerikaner die denken sich überall das rausnehmen zu können wie es ihnen beliebt.
Im Vordergrund steht nun allerdings der Zwiespalt Sheriffs und Tonys. Sheriff, welcher noch nicht wirklich was aus seinem Leben gemacht hat, und Tony der ein erfolgreicher Bauunternehmer geworden ist überlegen viel und reisen schlussendlich nach Malaysia. Tony kneift, Sheriff tritt seine Strafe an.
Vorallem die Presse aber kriegt in ihrer unverkennbaren Form der Blut- und Gerechtigkeitsgeilheit ordentlich ihr fett weg. Diese Koste-es-was-es-wolle Mentalität kennen wir nicht erst seit der Tageszeitung mit den 4 Buchstaben. Hauptsache die Auflage stimmt, persönliche Schicksale bleiben aussen vor. Hier in "Für das Leben eines Freundes" wird dieses mehr als deutlich.
Anders als im ein Jahr später entstandenen "Brokedown Palace" steht hier nicht der brutale, menschenverachtende Ungang mit den Protagonisten im Vordergrund. Es geht mehr um die innere Zerissenheit, das Verantwortung für eigene Taten übernehmende Denken.
Die Darsteller sind klasse besetzt. Joaquin Pheonix hat zwar wenig Screentime, aber in den paar Minuten zeigt er sein atemberaubendes können. Vaughn zeigt trotz seines Rufes des Witzbolds eine tadellose Leistung. Aber am besten gefiel er mir bisher immer noch in "Clay Pigeons", wo er ebenfalls neben Pheonix agierte. Anne Heche verkörpert ihre Rolle gut, auch wenn sie nie einen Sympathie-Oscar bei mir gewinnen kann. Ich mag sie einfach nicht, da sie immer wieder mit überschwenglicher Arroganz und nervtötendem Overacting Kopfschmerzen verursacht. Hier in "Für das Leben eines Freundes" hält sie sich allerdings mal zurück.
FAZIT:
Ein eindringliches Drama, das, wenn man ihn nicht mutwillig falsch interpretiert, sehr schockierend und verstörend daher kommt. Vorallem das Ende wird mir sehr lange im Kopf bleiben.
9/10