Vom sich später in den Neunzigern einen Namen als ausgezeichneter Inszenator von Prügel-Spezialist Jean-Claude Van Damme („Timecop“, „Sudden Death“) machenden und in den letzten Jahren dank Todgeburten wie „The Musketeer“ und vor allem „A Sound of Thunder“ zum Flop-Regisseur degradierten Filmemacher Peter Hyams (hier gleich auch noch Kameramann und Drehbuchautor) stammt dieses Remake von Richard Fleischers „The Narrow Margin“ aus den frühen Fünfzigern.
„Narrow Margin“ gilt bis heute als relativ unbekannter Actionthriller, der sich mit seinen schnörkellosen gut 90 Minuten, aber eigentlich nicht zu verstecken braucht, nicht aus der Ruhe bringen lässt und, anstatt das Szenario anhand von Nebenschauplätzen zu strecken, voll und ganz auf die Prämisse selbst setzt.
Die Verlagsangestellte Carol Hunnicut (Anne Archer, „Patriot Games“, „The Art of War“) trifft sich zu einem Blind Date nämlich ausgerechnet mit dem Anwalt der bekannten Unterweltgröße Leo Watts (Harris Yulin in seiner Paraderolle). Der war so leichtsinnig in den Geldtopf seines Klienten zu greifen, wird dafür in seinem Appartement von Watts zu Rede gestellt und schließlich durch dessen Handlanger hingerichtet. Carol beobachtet unentdeckt den Mord von einem Nebenzimmer aus, flüchtet unerkannt und ist alsbald die Chance für den stellvertretenden Bezirksstaatsanwalt Robert Caulfield (Gene Hackman, „The Package“, „Unforgiven“), der Watts seit Jahren festnageln will und einsatzfreudig Carol ausmacht.
Die folgende Prämisse ist simpel wie spannend. Caulfield spürt die verängstigte Frau in einer Blockhütte mitten im Wald, wo sie sich versteckt hält, auf, hat aber nicht mitbekommen, dass ihm klammheimlich ein Killer-Duo verfolgt hat, dass das Domizil auch flugs in Grund und Boden schießt, so dass er mit nun mit seiner Zeugin nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd in einen Zug flüchten muss, in den auch die Killer steigen...
Gespickt mit bekannten Gesichtern in kleineren Nebenrollen (u.a. J. T. Walsh und M. Emmet Walsh), legt Hyams in dieser Carolco-Produktion fix ein hohes Tempo vor, vergisst zwischenzeitlich nicht in Weitwinkelaufnahmen der wunderschönen Waldkulisse, durch die der Zug rast, zu schwelgen und kreiert nebenher einen effektiven Spannungsbogen, der sich in einer Vielzahl von Suspensemomenten immer wieder ein Stück steigert.
Denn die Killer an Bord wissen zwar wie Caulfield, aber nicht wie Hunnicut aussieht. Verrat in den eigenen Reihen, die beschränkte Möglichkeit sich im rasenden Zug vor den Häschern zu verstecken und von Hyams vor allem anfangs kompetent umgesetzte Actionszenen, wie der Absturz eines Helikopters nebst Explosion, halten den Zuschauer bei Laune, auch wenn „Narrow Margin“ nie ungewöhnliche Qualitäten entfaltet und vorwiegend aus dem Katz- und Mausspiel in den Zugwaggons besteht, wo dann wenig später Verstecken, Flüchten und die Suche nach einem Ausweg auf dem Programm steht.
Hyams holt aus der beengten Prämisse das Optimum heraus und bugsiert Caulfield immer wieder in brenzlige Situationen, aus denen der sich dann mit Bauernschläue und Lügen wieder knapp herausmanövriert. Der erste Halt des Zugs, bei dem Caulfield dann erst angeblichen Mounties entwischen muss und auf den fahrenden Zug aufspringt, sei dabei dank der totalen Stille, die nur durch die Dampflok unterbrochen wird und die lediglich durch Scheinwerfer erhellte Dunkelheit vorübergehend als kleines Suspense-Highlight genannt.
Mit zunehmendem Verlauf scheint Caulfield die nicht geplante Chose dann auch einen freudigen Adrenalinkick zu geben. Immerhin steckt in dem Schreibtischtäter auch ein Ex-Soldat, der solche Abenteuer vermisst.
Die ewige Panik vor einem dritten Killer, der in den letzten Minuten überraschend doch noch auftaucht und dann total verschenkt wird, das omnipräsente Misstrauen und natürlich sein Tischgespräch mit dem Killerduo, das ihm ein lukratives Angebot für die Zeugin unterbreitet, worauf er ihnen freudestrahlend den Marsch bläst und sie tüchtig provoziert, sind dann die Schwerpunkte der zweiten Hälfte.
Tatsächlich handgreiflich wird es dann erst zum Schluss, wenn Caulfield klar wird, dass er vor dem letzten Stop den entscheidenden Zug machen und in die Offensive gehen muss, um sich nicht selbst Matt zu setzen, worauf er mit Carol nach einem Handgemenge in toll getricksten und spektakulären Sequenzen auf das Zugdach vor den Killern flüchtet, sich erwähren muss und schließlich nicht nur an der Schwelle zum Tod baumelt, sondern sich auch Schwierigkeiten wie Tunneln und Maschinenpistolen gegenüber stehen sieht.
„Narrow Margin“ geht problemlos als klassischer Actionthriller durch, der mit soweit realistischer Action glänzt, glaubwürdige Charaktere auffährt und bis zum Schluss die Spannung aufrecht erhält, ohne nur auf Mord und Totschlag zu setzen. Besonders der sich gern verstellende Caulfield, der während der improvisierten Rettungsmission auch noch Überzeugungsarbeit leisten und seine verschreckte Zeugin trösten muss, hat schnell die Sympathien auf seiner Seite, zumal Hackman so eine Rolle aus dem Effeff spielen kann, in der deutschen Fassung allerdings leider mit einer unpassenden Synchronstimme ausgestattet worden ist.
Fazit:
Flotter, souverän inszenierter Thriller mit dosierten Actioneinlagen, der auf seine direkte, schnörkellose Art durchweg unterhält und mit einer effektiv genutzten Prämisse überzeugt. Peter Hyams Regieleistung ist einmal mehr frei von Kritik, aber seinem Drehbuch fehlt der letzte Feinschliff, was vor allem am hastigen Ende deutlich wird. Archer und Hackman sind aber beide klasse und die Portion Ironie sorgt dann für den Rest. Sicherlich kein großer Film, aber im Rahmen seiner Möglichkeiten gelungen.