Wieder einmal stehen in einem Larry Clark Film perspektivlose Jugendliche im Vordergrund, wie schon in allen anderen Regie-Arbeiten zuvor. Diesmal geht es um lateinamerikanische Kids im Alter von vierzehn bis achtzehn in South Central. Diese tragen in „Wassup Rockers“ enge Hosen und hören harten Punk um sich von der schwarzen Hip Hop Kultur zu distanzieren.
Erstmals thematisiert Clark Rassismus, wenn auch nur unterschwellig und niemals im Vordergrund. Es kommt zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Latino-Gangs und ebenfalls Probleme zwischen Weißen und Latinos, sowie zwischen Schwarzen und Latinos.
Der Skate-Kultur huldigt der Film genauso wie dem ungeschliffenen Garagen-Punk. Fernab jeglicher moderner Strömungen schafft es Clark einmal mehr mit seiner Themenauswahl zu überraschen. Von Idealisierung hält der Regisseur wie immer herzlich wenig denn er entwirft einmal mehr einen nüchternen Kommentar zur Situation Jugendlicher.
Vor der Kamera agiert wie gewohnt kein bekannter Schauspieler sondern wie schon in „Kids“ Laiendarsteller die dem Film einen authentischen Flair verpassen. Unterstützt wird das durch die Clark-typischen Kameraeinstellungen mit vielen Close-Ups und Halbtotalen. Die Kamera ist ständig mittendrin im Geschehen und fängt die nüchterne Atmosphäre gut ein.
Stichwort nüchtern: Der erste Clark-Film ohne richtige Drogen-Szenen, jedenfalls spielen Drogen diesmal keine wirkliche Rolle. In der ersten Szene wirkt alles wie eine Dokumentation, einer der Protagonisten spricht direkt in die Kamera und erzählt aus seinem Leben.
Eine stringente Geschichte verfolgt der Film niemals und wird unter anderem durch diese Tatsache sehr glaubwürdig. Narrativ ist der Film nur in einigen wenigen Sequenzen, ein richtiger Plot existiert nicht. Optisch geht es übrigens ähnlich minimalistisch zu wie inhaltlich, die intensive Kameraführung gehört mit den ungestelzten Dialogen zu den größten Pluspunkten.
Auffällig ist der wesentlich moderatere Stil in dem „Wassup Rockers“ inszeniert ist. Die Polemik von Filmen wie „Kids“, „Bully“ oder „Ken Park“ ist beinahe völlig verschwunden und es findet sich keine einzige kontroverse Szene im ganzen Film. Wenig Sex, kaum grafische Gewalt und auch sonst keine provokativen Elemente.
Am Anfang gibt es eine Mordszene, in der ein junger Latino blutig erschossen wird. Eine analysierende Instanz fehlt im Film aber völlig und daher bleibt dieser plötzliche Gewaltausbruch für sich stehen, innerhalb der Handlung wird auch nichts weiter erklärt.
Der Soundtrack wird dominiert von passender Punk-Musik der unmelodischen Sorte und trotz der Eintönigkeit der Songauswahl handelt es sich um adäquate musikalische Untermalung.
Insgesamt lässt sich sagen das Clark seinem unverwechselbarem Stil treu bleibt und sich trotzdem, ähnlich wie schon bei „Ken Park“ und „Bully“ konsequent weiter entwickelt hat.
Langweilig wird „Wassup Rockers“ nie, selbst angesichts der extrem hohen Banalität des Gezeigten. Die meiste Zeit über sieht man die Kids Musik hören, rumhängen und skaten.
In der zweiten Hälfte geht’s ab nach Beverly Hills, dort kommt es dann zur unvermeidlichen Reibung der Klassenunterschiede, jedoch niemals aufgesetzt. An Glaubwürdigkeit verliert der Film ein wenig in zwei recht konstruierten Todesszenen, die Gesellschaftskritik wird hier aber überdeutlich.
„Wassup Rockers“ ist eine Parabel ohne Plot, ein weiteres Statement Larry Clarks zur Jugend der Moderne. Ohne erhobenen Zeigefinger und abschließende Moral wirkt der Film ziemlich nihilistisch, psychologische Anätze sind ebenfalls nicht vorhanden.
Die Jugend wird zu keinem Zeitpunkt in eine vereinfachte Opferrolle gepackt und auf Dinge wie Romantisierung oder Schuldzuweisung verzichtet der Film ebenso wie auf das Aufzeigen von Problemlösungen.
Am Ende klingt der Film so leide aus wie er begonnen hat und ein erneutes Ansehen ist er allemal wert. Emotional aber nicht kitschig, ambitioniert aber nicht prätentiös, depressiv aber nicht deprimierend. All dies ist „Wassup Rockers“, keine Geschichte, sondern eine filmische Collage emotionaler Erfahrungen.
Fazit: Ein weiteres überzeugendes Werk des Ex-Fotografen Clark. Stilistisch unverkennbar und trotzdem mit einer gewissen Weiterentwicklung. Insgesamt sehr sehenswert…
7,5 / 10