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John Milius dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als er feststellen musste, welche nachhaltigen Einflüsse seine erfolgreiche Romanadaption „Conan – Der Barbar“ mit sich brachte. Nicht nur ein paar billige Plagiate wurden im fernen Europa hervorgebracht, sondern ein ganz eigenes Subgenre war plötzlich geboren: Der „Barbarenfilm“. Sachlich betrachtet erschöpft sich die Existenzberechtigung dieser Streifen in der Tatsache, dass es dabei ausschließlich um die finanzielle Ausbeutung einer Erfolgsformel ging. Es bestehen damit eigentlich genug Gründe, die billig produzierten Werke schnell in Vergessenheit geraten zu lassen. Aus heutiger Sicht sind die Streifen aber schlicht ein filmhistorisches Kuriosum von einigermaßen hohem Unterhaltungswert - freilich nur für Liebhaber sinnbefreiter Billigstreifen, in denen sich Regisseure, Darsteller und Produzenten regelmäßig bis auf die Knochen blamieren. „Ator - Herr des Feuers“, in Szene gesetzt von keinem geringerem als Joe D’Amato (alias David Hills), war einer der ersten dieser cineastischen Auswüchse und beinhaltet alle Klischees, die eines gestandenen Trashfilms würdig sind.

Die Vorgeschichte: Ein Mann namens Thorn wird auftauchen, der die Herrschaft des Spinnenkultes beenden würde, unter dem die Menschheit 1000 Jahre zu leiden hatte. Da dieser aber versagte muss es nun sein Sohnemann Ator richten, dessen biologische Ankunft reichlich bedeutungsschwanger angekündigt wird:

Der Wind heult wie nie zuvor, die Berge schreien.
Die Erde zittert wie eine Vestalin, die zu Hochzeit schreiet und der Himmel hat sich rot gefärbt.
Die Zeichen deuten darauf hin, dass in einem Winkel des Reichs der Sohn des Thorn geboren wurde.


Nachdem Griba, ein guter Zauberer, das Balg vor den Mannen des fiesen Spinnenkult-Anführers (dessen Rollenauslegung eine wohl nicht ganz zufällige Ähnlichkeit mit James Earl Jones’ Thulsa Doom hat) gerettet und in die Obhut eines Bauernpaares gegeben hat, ist aus dem Kleinkind nur wenige Filmsekunden später ein stattlicher Barbar geworden, der zunächst einmal den befremdlich anmutenden Wunsch äußert, seine Schwester heiraten zu wollen! Dieses zu dieser Zeit völlig normale Begehren (meint Ator jedenfalls) stößt bei seinem Vater sogleich auf Zustimmung: Die beiden sind nämlich (welch Überraschung!) gar keine Geschwister. Die anschließende Hochzeit endet kurze Zeit später mit einem genretypischen Dorfmassaker inklusive Entführung der Braut und brennender Strohhütten ihr jähes Ende. Ator, nun einigermaßen sauer und zum potentiellen Suizidopfer mutiert ( Mein Leben bedeutet mir nicht viel) muss nun erstmal einige Trainingseinheiten (zum Beispiel brennende Kerzen mit dem Schwert malträtieren) überstehen, bevor er das Schwert seines alten Herrn (wahlweise „Schwert des Thorn“ oder „Das heilige Schwert der Rache“ genannt) an sich nehmen darf. Es ist Heldenzeit!

Als erste Amtshandlung seiner Tätigkeit als Fantasyhero No.1 wird der gute aber erstmal von einer Horde Amazonen gefangen genommen, die von ihm nichts geringeres wollen als seine Manneskraft. Kein Witz: Die Frauen kämpfen darum, wer mit dem wackeren Helden in die Kiste steigen darf, um von ihm die künftige Königin ihres Volkes zu empfangen! Die Gewinnerin: Roon, gespielt von der (für 80er Verhältnisse) optisch durchaus ansprechenden Sabrina Siani. Ein paar sinnlose Gespräche später sind die beiden auch schon auf der Flucht und müssen sich fortan mit allerlei Fantasy-Gesocks herumschlagen.

Donna, Doria und Halleluja. Wenn die ersten 15 Minuten die Lachmuskeln des geneigten Zuschauers nicht schon an die Grenzen der Belastbarkeit bringen, dann schafft es der Rest garantiert. „Ator“ ist bei nüchterner Betrachtung eine Lachnummer vor dem Herrn des Feuers und vor allen anderen auch. Als Kulissen dienten ausschließlich Wälder, Lichtungen, Höhlen, ein paar Strohhütten und ein altes römisches Amphitheater, das den Tempel des Spinnenkultes darstellen sollte. Für weitere Ausstattung blieb offensichtlich wenig Geld übrig, von einem Drehbuch mit zusammenhängender Story ganz zu schweigen. Diese besteht im Grunde nur aus bekannten Genreversatzstücken, die da wären: Dunkle Höhlen, Untote, eine böse Hexe (gespielt von D’Amato-Muse Laura Gemser), eine urige Spelunke, noch mehr Höhlen und dazwischen jede Menge geschwollenes Gesabbel, das wohl den Versuch simulieren soll, der Handlung so etwas wie einen tieferen Sinn zu geben.

Auf deinem Körper ist das Zeichen des Schicksals eingeprägt. Du bist die Verheißung, der Sohn des Thorn! (...). Du wirst den unbesiegbaren bösen Geist vernichten! Du wirst den Vulkan des Schattens erreichen und dich des Schildes von Mordors bemächtigen, in welchem sich der Tod widerspiegelt.

Soweit alles klar? Wenn nicht, auch nicht so schlimm, denn trotz manch traniger Laberszene schreitet die rudimentäre Handlung einigermaßen zügig voran. Und die wahren Highlights sollen erst noch kommen. Da wären zum einen die blinden Wächter (jawohl, blind im Sinne von „nicht sehend“!), die den Eingang zum Versteck des Schildes bewachen (Roon: Mit Hilfe dieser Pflanzen wird uns unser Geruch nicht verraten). Als wäre dieses reichlich alberne Blindekuh-Spiel nicht genug, bekommt es Ator danach noch mit einem „Schattenkrieger“ zu tun. Eine Szene aus der Rubrik “Not macht erfinderisch“: Ator kämpft hier nämlich tatsächlich gegen seinen eigenen Schatten, indem er vor einer passend beleuchteten Wand mit seinem Schwert herumfuchtelt! Eine wahrhaft meisterliche Idee, deren Choreographie dank des ungelenken Bewegungsstils von Darsteller Miles O’Keefe so herrlich beknackt aussieht, dass es einem auch beim wiederholten Ansehen vor Lachen die Fellgamaschen auszieht.

Apropos Miles O’Keefe: Auch wenn man bedenkt, dass das hiesige Plagiatsopfer Arnold Schwarzenegger selbst nicht unbedingt ein begnadeter Mime ist, so kann man ihm zumindest ein gewisses Maß an Charisma und Ausstrahlung nicht absprechen. Eigenschaften, die man bei O’Keefe nicht mal ansatzweise findet. Dieser tapert mit einem versteinertem „Was zum Geier mache ich hier eigentlich?“-Blick durch den Film, als würde er nur verzweifelt auf den Drehschluss warten. Dementsprechend blass und farblos bleibt seine Heldenfigur. Mit dieser Performance befindet er sich aber in guter Gesellschaft: Sabrina Siani spult ihren Part als weiblicher Sidekick ebenso lustlos herunter, der Rest der Besetzung ist kaum eine Erwähnung wert.

Der Schlussakkord des Films lässt dann nicht mehr lange auf sich warten und gipfelt in einer mittlerweile „legendären“ Szene: Die finale Begegnung mit der Riesenspinne – bei genauer Betrachtung nicht mehr ein nahezu unbeweglicher Haufen aus Holz und Gummi, an dem die SFX-Crew offensichtich einige Nächte durchgearbeitet hat - ausgestattet mit Restmaterial aus dem Hobbykeller des Kamerassistenten und ein paar Flaschen Chianti. Als Kampfszene kann man den daraus entstandenen Showdown jedenfalls nicht mehr bezeichnen. Die Konfrontation des Darstellers mit dem Ungetüm beschränkt sich nämlich auf ein paar Schwerthiebe gegen eine Handvoll spinnenbeinähnliche Äste, die einfach ins Bild gehalten werden. Dann noch eine Kanne bräunlich rote Flüssigkeit als „Spinnenblut“ auf den Boden geschüttet und besiegt ist der böse Kult. So einfach kann das Heldenleben sein!

Wer bis zu diesem Absatz alles gelesen hat, wird festgestellt haben, dass es nichts, aber auch gar nichts gibt, das ein gutes Wort für diesen Streifen rechtfertigt. Allein die Tatsache, dass hier konsequent alles schiefgegangen ist, was beim Filmemachen schief gehen kann, erklärt den Kultstatus, den „Ator – Herr des Feuers“ und einige seiner Nachfolger heute in diversen Fankreisen innehaben. Einerseits ein guter Beweis dafür, dass Unterhaltungswert nichts mit objektiver Qualität zu tun haben muss, andererseits ein Indiz für die offen zur Schau gestellte Profitgier der damaligen Produzenten. Es sei hiermit Warnung und Empfehlung zugleich ausgesprochen!

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