Was „Eine verhängnisvolle Affäre“ für die 80er war, ist „Sadistico“ für die 70er gewesen – ein Eifersuchtsdrama mörderischer Natur – nur viel besser und weniger bedeutungsschwer.
Clint Eastwoods erste Regiearbeit wirkt auch heute noch frisch und unverbraucht und angesichts seines damaligen Outputs irgendwie ungewohnt, denn der knorrige Held aus zahlreichen Western ist hier über weite Strecken in die Defensive gedrängt.
Wer näher hinschaut, bemerkt aber die kluge Wahl des Themas, denn Eastwood verpasste sich selbst mit dem Skript eine menschlichere Seite, die er bis dato eher selten ausspielen konnte. Natürlich wirkt er nicht wie der typische Radio-DJ, den man sich 1971 (also zu definitiven Hippie-Zeiten) vielleicht vorgestellt hat, wirkt aber jung geblieben und mit beachtlichem Geschmack und Selbstsicherheit.
Wirkt er auch sonst in dem Beruf angejahrt, so kommt seine gewisse Leichtlebigkeit, die zu zahlreichen kurzen Äffären oder Bettgeschichten führt, jedoch gut rüber – ein Mann, der auf Frauen wirkt, was seiner eigentlichen Freundin natürlich gewisse Bauchschmerzen verursacht, auch wenn die Zeiten eigentlich dagegen sprechen sollten.
Ein Stelldichein mit seiner Stammhörerin Evelyn zeigt ihm dann bald deutlich die Grenzen des lustigen Single-Daseins auf, denn die Gute hält sich kaum an Absprachen und taucht immer wieder bei ihm auf – mit beachtlicher Hartnäckigkeit.
Immerhin: der Held hat sich nicht in ein Weichei verwandelt, doch die kühle Entschlossenheit, die Sache jetzt endlich auf sich beruhen zu lassen (und Eastwood wirkt dadurch bedrohlich), macht alles noch schlimmer. Evelyn ist nämlich eine muntere Psychopathin, eine zerstörerische Cholerikerin, die im falschen Moment jederzeit die Bestie in sich wecken kann.
Sein überraschtes Gesicht, als sie zum ersten Mal einen unerwartet obszönen Beschimpfungsschwall auf einen Dritten loslässt, spricht Bände.
Was dann folgt, ist natürlich klassisches Material, von der einstweiligen Verfügung bis zur totalen Zerstörung von Dave’s Wohnung, samt mörderischem Angriff auf seine arme Haushälterin. Und selbst als sie endlich verschwunden scheint, weiß man, das dicke Ende kommt noch…
„Sadistico“ ist von feinster Qualität aus zwei Gründen: einmal ist es die großartige Westküstenatmosphäre, die in dem zerklüfteten Kleinstadtnest mit Touristenanbindung (sieht aus wie eine Künstlerkolonie) rüberkommt. Das Meer rauscht um die Felsen, die Sonne knallt, daraus zaubert Kameramann Bruce Surtees wilde, seltsame Lichtspiele, die teils dämmrig, teils idyllisch, teils bedrohlich wirken.
Der zweite Grund hat einen Namen: Jessica Walter!
Zwar wirkt die Psychopathin von Anfang an etwas zu alt für Dave, aber ihre Leistung, aus einer honigsüßen Säuselmaus einen wutschnaubenden Neandertaler fahren lassen, macht sie sicherlich zu einer der bedrohlichsten und unkontrollierbarsten Figuren überhaupt, da kommt auch Glenn Close nicht mit.
Der Plot ist sehr gradlinig strukturiert, man kann ahnen was noch folgt, aber gerade diese straighte Unausweichlichkeit macht einen Großteil der Wirkung des Films aus. Eastwoods Regietalent ist hier schon deutlich sichtbar, eine gewisse Lakonie, ein Gefühl für Realismus und einprägsame Bilder, ein ausgefeilter Rhythmus – das ergibt zusammen einen Psychothriller, der sich gewaschen hat.
Heute wird dieses Thema fast wöchentlich als Fernsehfilm neu aufgelegt, damals war das ein Role Model – und ist den Epigonen vorzuziehen. (8/10)