Der Originaltitel des Films "Play misty for me" ist ja nicht so originell. Passender wäre gewesen: "Nightmare of a womanizer"; Clint Eastwoods erste Regiearbeit zeigt uns einen Thriller - oberflächlich betrachtet im "Psycho" - Stil, aber wenn man genauer hinsieht, knirscht es im psychologischen Getriebe. Ein wenig schwer nachvollziehbar sehen die plötzlichen und unvermittelten Wahnsinnsanfälle der bösen Geliebten schon aus, auch wenn sie noch so sehr an "Psycho" erinnern sollen. Etwas peinlich sind auch solche Einfälle wie der mit dem laufenden Radio in der Schlusssequenz: solange die Hexe noch lebt, kommt bedrohlich klingende Musik, dann stürzt sie über das Geländer ins Meer, und schon werden die Klänge beschwingter. Eastwood selbst hat damals über die Story sinngemäß gesagt, ein Mann, der mit so einer Frau konfrontiert werde, interessiere sich nicht für deren Hintergrundgeschichte, außer er habe ein Faible für so was: andernfalls wolle er nur weg. Und siehe da: zwanzig Jahre später hat ausgerechnet Eastwood dieses Faible doch noch entwickelt und erzählt uns schon lange psychologisch wirklich fundierte Stories; wer sagt da noch, Männer blieben immer kleine Jungs?
Aber der Film ist nicht schlecht und hat trotz seiner Abstriche einen guten Unterhaltungswert. Man merkt ihm nur an, dass es anscheinend gar nicht so leicht ist, seinen ersten eigenen Film zu drehen. Nicht nur Otto Waalkes und Dieter Hallervorden haben Schwierigkeiten, die übliche Spielfilmlänge von 90 Minuten zu füllen, und das zu sehen, ist allein schon interessant: da zeigt uns Eastwood, wie er auf seinem Grundstück eine Weile auf und ab geht und anschließend Auto fährt, da gibt es endlose Spaziergänge mit seiner Freundin am Strand, softige Liebesszenen und vor allem ein kaum enden wollendes Jazzfestival - hier outet er sich schon als Fan, wie später immer wieder in seinen Filmen. Diese Szenen sind durchaus sympathisch, aber sie stellen alle dieselbe Frage: was macht man nur anderthalb Stunden lang, wenn die Geschichte einfach nicht so viel hergibt? Über 15 Jahre später hatte Adrian Lyne in der "Verhängnisvollen Affäre" die Antwort: man lässt den Protagonisten einfach einen Familienvater sein; dann hat die böse Frau noch mehr Opfer zur Verfügung, die sie terrorisieren kann. Aber das hätte hier nicht funktioniert: dann hätte Eastwood ja nicht mehr den rastlosen Schürzenjäger - Single spielen können...
Dennoch ist der Film sehenswert: man lernt hier sehr schnell zu unterscheiden, was in einen glaubhaften Psychothriller gehört und was nicht. Und schließlich hat jeder mal klein angefangen.