Hollywood bringt mal wieder den großen Weichspüler zum Einsatz und packt das ernste Thema der sexuellen Nötigung am Arbeitsplatz in die Trommel, schüttet einige Sub-Plots hinzu, bedient sich einmal mehr der ungeschminkten Charlize Theron und rührt kräftig um.
Heraus kommt ein äußerst schwarz-weiß-malerisches Drama, das etwas mehr Feingefühl und etwas weniger Pathos verdient hätte.
Inspiriert von einer wahren Begebenheit, schildert Regisseurin Niki Caro den von Schicksalsschlägen bombardierten Weg der Josey Aimes.
Von ihrem Mann mehrfach verprügelt kehrt sie mit ihren beiden Kindern in ihre Heimat im Norden Minnesotas zurück und arbeitet fortan ihm hiesigen Eisenbergwerk.
Die wenigen weiblichen Arbeitskräfte werden von ihren männlichen Kollegen entwürdigt und erniedrigt. Irgendwann ist für Josey das Maß voll, so dass sie mit Hilfe eines befreundeten Anwalts eine Sammelklage vor Gericht anstrebt.
Eine Ansammlung von Klischees und Stereotypen, die mit Sicherheit etwas mehr ist, als eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit, denn das Schicksal ließ keinen Schlag im Leben der gebeutelten Hauptfigur aus: Der Sohn ist das Resultat einer Vergewaltigung durch den Highschool-Lehrer, der Ehemann prügelt, ihr Vater hält sie für die Schande der Familie und Mutter ist auch nie da. Und dann auch noch die Diskriminierungen am Arbeitsplatz, wo nur Kerle arbeiten, die mit dem Iltis denken, auf Klamotten im Spind abspritzen oder einfach mal die Kollegin im Dixiklo(mit Inhalt) umkippen.
Da hat man etwas sehr dick aufgetragen, ähnlich wie bei der anschließenden Gerichtsverhandlung, dessen logischer Ablauf eine Farce ist, bei der starrsinnige Charaktere einen nicht nachvollziehbaren Sinnungswandel aufzeigen.
Emotional berührende Szenen, wie die nach einem Eishockeyspiel, bei der Josey im negativen Licht aller Leute steht und ihrer impulsiven Reaktion Ausdruck verleiht, sind leider selten zu finden. Stattdessen gibt es überaus viel Gefühlsduselei und den damit verbundenen Druck auf die Tränendrüse des Zuschauers.
Gänzlich mittelmäßig ist der Film aber dennoch nicht, denn dieser Tage rückt die Oscarverleihung näher und Charlize Theron und Frances McDormand sind für ihre Rollen zurecht nominiert und letztere hätte für ihre Darstellung auch einen verdient.
Theron kennt man seit „Monster“ auch ungeschminkt und auch hier gibt sie sich wieder von ihrer natürlichsten Seite und weiß durch und durch zu überzeugen.
McDormand spielt allerdings einen Hauch besser und auch vielseitiger. Zunächst als toughe Arbeitskollegin, die den Machosprüchen der Kerle Paroli bietet, zu einer von Arthritis gezeichneten Frau, - Eine grandiose Vorstellung.
Vergessen sollte man aber auch nicht die übrigen Darsteller, denn auch Sean Bean, Sissy Spacek und Woody Harrelson erledigen ihre Parts ausgezeichnet.
Aufgrund der ausgezeichneten Darstellerriege können ein paar der inhaltlichen Schwächen ausgebügelt werden. Das Thema hätte jedoch etwas mehr Brisanz und weitaus weniger Kitsch vertragen können, so bleibt am Ende ein recht zwiespältiger Eindruck: Gut gespielt, unterhaltsam, aber leider nie fesselnd.
6 von 10 Punkten