Seltenheitswert besitzen DVDs in Videotheken, welche einen aufklärenden Charakter implizieren.
„We feed the world“ ist so eine Exzeption, die neben dem emanzipatorischen Erkenntnisinteresse, auch zu irritieren weiß. Konsequente Fehlinformationen, die uns Seitens des Nahrungsmittelmachtkartells dargeboten werden und der Konsument, der machtlos gegenüber diesen scheinbar naturwüchsigen und omnipotent anmutenden Gebilden (Konzerne) ausgeliefert zu sein scheint, wird im österreichischen Dokumentarfilm „We feed the world“, von Erwin Wagenhofer, zum Thema gemacht.
Uns wird so einiges aufoktroyiert seitens der Nahrungsmittelindustrie und neben dieser traurigen und sehr undemokratischen Tatsache, wird uns noch sehr viel mehr verschwiegen und vor uns kaschiert. So klärt uns Wagenhofer gerne über den Sachverhalt auf, warum Hühner die Schuldigen an der Rodung des brasilianischen Regenwaldes sind.
„Globales Denken“ und „Globales Handeln“, im Sinne der kapitalistischen Kapitalakkumulation, bergen ihre Risiken und Gefahren, die am Exempel der Nahrung überdeutlich werden. Humane Grundgüter, wie beispielsweise Wasser, werden von Großkonzernen kommerzialisiert, was zur Konsequenz hat, dass in gewissen Regionen, wo an sich schon Wasserarmut herrscht, Kriege um dieses Gut geführt werden. Dies verschweigt natürlich der Großkonzern und „Global Player“ Nestlé gerne.
Essen und trinken muss jeder- die Abdeckung der Grundbedürfnisse ist ein grundlegendes Recht des Menschen, welches in jeglicher Hinsicht zu 100% gewährleistet werden muss. Dies zeigt „We feed the world“ sehr eindringlich auf. Insbesondere beweist Wagenhofer Feingefühl und Kompetenz für die Darstellung der multilateralen Vernetzungsstrukturen und ihrer zum Teil argen Absurdität.
„Global Essen“ ist nur eine minimale, aber maßgebliche, Parzelle des Globalisierungsprozesses. Der irritierte Betrachter dieses Films sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass dies nur ein Fragment der ganzen unkontrollierbaren Dynamiken des Welthandels sind, welche auf den Akteur (Konsumenten) wirken. In diesem Sinne war es auch von Wagenhofer sehr gut gewählt, die Nahrungsmittelindustrie, dem unbedarften Zuschauer zu präsentieren und ein wenig Reflexionsleistung bei ihm zu stimulieren.
„Cogito ergo sum“, kann sich der aufgeklärte Zuschauer nach knapp 90min filmischer Auskunft sagen, aber ändern können wird er als „Single Player“ nichts. „Entpolitisiert“ und „Enthumanisiert“ sind wir, daran wird auch Wagenhofer nichts mit seinem Film ändern können. Dennoch leistet er mit selbigem einen großen und aufklärerischen Beitrag, der wohl demnächst auf ARTE gezeigt wird und dann in den Archiven verstaubt. Schade!
Aber die nächste Doku kommt sicherlich und sie sollte den Titel „Verdummung Global“ tragen und die Medienlandschaft unter dem Aspekt der Globalisierung betrachten.
Wie sinnlos der Kampf sich zur Zeit noch gestaltet beweisen die NGO (Non Government Organisations) bspw. attac, die Globalisierungsprozesse kritisch betrachten, aber der Einflussbereich jener Organisationen viel zu schwach ist, um gegen die Kapitalschwangeren Großkonzerne, anzukommen. Wer denkt an die Ausbeutung in sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern, durch unsere fettgefressenen westlichen Nationen? Keiner! Man trägt die Nike Schuhe aus Malaysia oder Thailand, die Levis aus der Türkei und kauft Teppiche die in Indien von Kindern geknüpft wurden. Wir verdrängen diese Tatsachen, weil wir oftmals keine andere Wahl haben.
Wagenhofer weist dies auch deutlich auf! Aber wenn wir langsam aber sicher durch solche Dokumentationen aufgeklärt werden, vielleicht, ja vielleicht dann, werden die Menschen gemeinsam gegen die Ausbeutung durch Großkonzerne bspw.( zu nennen wären auch noch an oberster Stelle Politiker) vorgehen!
In diesem Sinne gibt’s von mir 9 Punkte. Und ansehen ist PFLICHT!
Zufrieden ?!