Review

Oh Yes, There Will Be Blood

(Kenntnisse von "Saw" werden vorausgesetzt)

Ein Jahr ist es her, da schufen Leigh Whannell (Drehbuch) und James Wan (Regie) mit „Saw“ den wohl besten Beitrag zum Serienkiller-Genre seit „Se7en“. Besonders die kompromisslose Härte und das zynische, überraschende Ende trugen dazu bei, dass „Saw“ schon zu einer Art Kultfilm avanciert ist. Da der Film zusätzlich fast das 100-Fache seines Budgets (ca. 1 Million Dollar) eingespielt hat, wurde eine Fortsetzung angekündigt, die jetzt, genau ein Jahr nach Teil Eins, angelaufen ist, und bereits am Startwochenende den Vorgänger in Sachen Einspielergebnis locker getoppt hat.

James Wan fungierte dieses Mal nur als Produnzent und gab den Regiestuhl an Newcomer Darren Lynn Bousman, der zusammen mit Leigh Whannell auch das Drehbuch schrieb. Dennoch war man skeptisch, ob die Fortsetzung gelingen und nicht in einen ähnlichen Abklatsch ausarten würde, wie es sonst so häufig Horror-Filme trifft. Das Interesse war trotzdem groß, nicht zuletzt dank einer sehr guten Marketingkampagne (inklusive Verbot eines der Poster, und das „rätselhafte“ auftauchen mehrerer kurzer Clips aus dem Film im Internet). Doch nun zum Wesentlichen: kann „Saw II“ mit dem ersten Teil mithalten?

Nach dem kurzen Vorspann, der jeden wahrscheinlich an die „umgedrehte Bärenfalle“ aus dem Vorgänger erinnern wird, kommt es schon zur ersten kleinen Überraschung: bereits am Anfang machen das Polizeiteam um Eric Mathews (Donnie Wahlberg, Bruder von Mark Wahlberg) und Kerry (Dina Meyer, die bereits in Teil Eins diese Rolle spielte) das Versteck des krebskranken Killers Jigsaw (Tobin Bell) ausfindig und nehmen diesen dort auch sofort fest. Doch Jigsaw hat bereits ein weiteres Spiel begonnen, acht Menschen befinden sich dieses Mal in einem unbekannten, überwachten Raum. Unter ihnen ist auch Erics 17-jähriger Sohn Daniel (Erik Knudsen).

Die Eingesperrten, unter ihnen u.a. „7th Heaven“-Star Beverly Mitchell, Glenn Plummer („Thursday“) und Amanda (Shawnee Smith), die Bärenfallenträgerin aus dem Vorgänger, die nochmals spielen „darf“, das sie versucht hat, sich umzubringen, haben dieses Mal nur zwei Stunden Zeit, ihre Aufgabe zu bewältigen, sonst tötet sie ein Nervengift, das unaufhaltsam in ihr Zimmer strömt. Es gilt das Rätsel zu lösen, was alle acht miteinander verbindet, nur so kommen sie an die Kombination für einen Safe, der das heilende Serum enthält.

Mit dieser Ausgangslage entwickeln sich so zwei Handlungsstränge, zum einen das Psychoduell zwischen Jigsaw und Eric, zum anderen eben der Kampf ums Überleben der Gefangenen. Dadurch schafft es „Saw II“ gekonnt, zum einen das alte Saw-Feeling aufkommen zu lassen, und gleichzeitig mit dem Psychoduell etwas Neues hinzuzufügen. Dank der beiden Hauptdarsteller, besonders aber Tobin Bell, der hier wirklich erstklassig agiert, weiß das Psychoduell durchaus zu fesseln, auch wenn es nie an das Duell Starling/Lecter heranreicht. Da Jigsaw hier deutlich mehr Spielzeit zugesprochen wurde als noch im Vorgänger, erfährt man auch endlich mehr über ihn.

Wie im Vorgänger warten auch dieses Mal auf die Gefangenen zahlreiche Fallen und Hinweise. Da zudem noch einige der Gefangenen ihr eigenes „Spiel“ bekommen haben, um so ebenfalls an eine Spritze mit dem Gegenmittel zu gelangen, steigt auch der Gewaltgrad wieder an, da die Spiele natürlich nicht immer gewonnen werden. In Sachen Gore macht auch „Saw II“ keinerlei Kompromisse und steht auf einer Ebene mit dem Vorgänger, so bekommt man unter anderem einen sehr blutigen Kopfschuss zu sehen und auch ansonsten geht es nicht gerade mild zur Sache. Aber wer hätte da nach „Saw“ auch schon was anderes erwartet?

Schauspielerisch können so gut wie alle Darsteller überzeugen, Highlight des Films ist aber ganz klar Tobin Bell. Darren Lynn Bousman macht als Regisseur keine Experimente und übernimmt den Stil des Vorgängers, dunkle Farben überwiegen, was in Verbindung mit dem Gewaltgrad wieder zu einer sehr dreckigen und düsteren Atmosphäre, die von der gelungen Musikuntermalung noch unterstützt wird.

„Saw“ blieb vor allem wegen dem überraschenden Plot-Twist am Ende im Gedächtnis, da die Story zuvor eher simpel konstruiert war. Dieses Mal ist die Story vielschichtiger und bietet im Verlauf bereits einige Wendungen. Und man muss Leigh Whannell Respekt zollen, auch dieses Mal hat er es wieder geschafft, einen tollen Plot-Twist zu kreieren, der dem des Vorgängers in nichts nachsteht und zudem sogar logischer daherkommt. Insgesamt läuft der Film auch logischer ab als der Vorgänger, bei dem Jigsaw doch einige Verhaltensweisen vorausahnen konnte, allerdings ist allein die Ausgangsituation relativ unwahrscheinlich, da es doch schwierig sein müsste, acht Menschen gleichzeitig zu entführen und zusammenzusperren.

Trotz kleinerer Ungereimtheiten ist „Saw 2“ eine würdige Fortsetzung, die zwar weniger innovativ, aber insgesamt ausgefeilter als „Saw“ daherkommt und somit was die Qualität betrifft mit dem Vorgänger auf einer Stufe steht. Fans werden mit zahlreichen Anspielungen (Jigsaw’s Hinweise) sowie bekannten Charakteren und Orten belohnt, Neulinge sollten vorerst eh erst einmal den ersten Teil gucken. Durch die Bank weg gute Darsteller, die wieder einmal sehr spannende und atmosphärische Inszenierung und nicht zuletzt der tolle Plot-Twist am Schluss machen „Saw II“ nicht nur zur besten Fortsetzung des Jahres, sondern auch zu einem sehr guten Horror-Thriller.

(8/10 Punkten)

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