Review

Wie bewertet man einen zweiten Teil eines sehr guten Films? Betrachtet man ihn als eigenständiges Werk oder doch im Kontext des Vorgängers?
Alleine durch den Titel muss sich ein weiterer Teil einer Serie mit allen vorherigen Filmen messen lassen, da sie ja diesen neuen Teil erst möglich gemacht haben, oder?

Zu „Saw II“: Ich verzichte auf eine genaue Wiedergabe des Inhaltes, da „der Monk“ dies schon treffend getan hat und steige direkt in die „Kritik“ ein.

Der Film ist eigentlich eine sehr präzise Mischung aus „Saw I“ und „Cube Zero“.
Die Elemente aus dem ersten Teil sind dabei eigentlich nur die irre Puppe, durch die der Mörder mit seinen Opfern spricht, die streitbare Moralvorstellung des Täters sowie extrem fiese und brutale Fallen.
Hier wird dann auch der Bogen zu „Cube“ geschlagen. Im Prinzip ist es nämlich genau das gleiche. Acht Personen, die sich nicht kennen, werden in einem Haus (Würfel) festgehalten und müssen durch Teamarbeit ihrer tödlichen Falle entgehen. Wobei „Falle“ hier ein Überbegriff ist, denn jeder Raum im Haus beherbergt mindestens eine weitere Falle, die kaum zu umgehen ist.
Da sämtliche Aktionen per Video übertragen werden, ist die Ausgangssituation fast eine exakte Kopie derer von „Cube Zero“.
Auch die Charaktere sind sehr ähnlich und stereotyp. Einer der Eingeschlossenen dreht natürlich wieder durch und stellt so neben den Fallen eine weitere Gefahr für die Gruppe dar.
Auch die anderen Gefangenen sind Reissbrettentwürfe, die zu keiner Zeit eine Identifikation des Zuschauers mit ihnen erlauben.
„Saw I“ war ein hervorragender Thriller, der seine Spannung aus einem Mix der bizzaren und überaus brutalen Aufgaben und der Suche nach dem psychopathischen Killer bezog.
Die Jagd nach dem Mörder fällt im 2. Teil flach und es geht eigentlich nur um das kranke Kammerspiel der Eingeschlossenen.

Um nicht missverstanden zu werden, „Saw II“ bietet Spannung und Schockmomente erster Güte, aber es kommt kein „Saw“-Feeling auf, weil die Ausgangslage der Opfer und auch deren chrakaterliche Ausgestaltung einfach zu stark bei „Cube“ bzw. „Cube Zero“ geklaut wurde.
Bei „Cube“ allerdings war der Würfel sehr mysteriös und klaustrophobisch. Das kann das Haus in „Saw II“ beides nicht annährend in der Intensität der Vorlage transportieren.
Mit Vorlage meine ich nicht den ersten Teil, sondern die „Cube“-Reihe, denn genau die muss für das Drehbuch Pate gestanden haben.

Um zum Schluss zu kommen:
„Saw II“ verlässt seine Wurzeln und entwickelt die Ideen des ersten Teils nicht weiter, sondern ist ein fast vollständiges Plagiat von „Cube Zero“.
Das ist nichts schlechtes, wenn man einfach nur einen spannenden, teils wirklich brutalen Film erwartet, der es auch mit der Logik nicht so genau nimmt, aber mit einigen recht überraschenden Wendungen gegen Ende des Films aufwarten kann.
Erwartet man aber eine Fortsetzung im Geiste des Originals, dann wird man doch ziemlich enttäuscht.
Man könnte sagen „Saw II“ verhält sich zu „Cube Zero“ wie „Saw I“ zu „Sieben“, nur dass die erste Verbindung weitaus stärker ist.

Als solider, spannender und brutaler Film für sich gesehen würde „Saw II“ eine 7/10 bekommen.
Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Wenn man sich einen Teil einer Serie ansieht, hat man gewisse Vorstellungen und Erwartungen an den Film. Da diese bei „Saw II“ nicht erfüllt werden erreicht dieser im Kontext der Serie leider nur eine 5/10, da er sich viel zu weit vom Ursprung entfernt hat.

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