Interessanterweise ist Saw II eine fast genauso große Überraschung wie Saw letztes Jahr. Letzterer überraschte, weil er aus dem Nichts kam und einschlug wie eine Bombe, ersterer, weil er ein ehernes Genregesetz bricht: Nämlich, dass Fortsetzungen von Horror-Überraschungshits enttäuschen (Beispiele: Nightmare 2, Blair Witch 2, Der Exorzist 2 Halloween 2 und einige Zehntausend weitere). Saw II führt trotz neuem Regisseur das Erfolgsrezept kompromisslos und fast auf dem gleichen Qualitätsniveau fort, auch wenn sich schon ein gewisser Gewöhnungseffekt breit gemacht hat, soll heißen: dreckige Low-Budget-Optik, Elektro-Soundtrack, hoher Spannungsgrad und eine große Portion Fiesheit.
Mich wundert ja schon ein bisschen, warum die Filme derartig erfolgreich sind. Teil 1 hat im Kino ca. 100 Mio. Dollar bei etwa 1 Mio. Produktionskosten eingespielt (die mindestens genauso großen DVD-Umsätze mal außen vorgelassen). Teil 2 war nicht viel teurer (4 Mio. Dollar) und wird das Einspielergebnis des Erstlings sogar noch einmal klar übertreffen. Dabei liegen die Filme eigentlich relativ fernab vom typischen Mainstream-Horror, wenn auch nicht so weit wie der etwas ähnlich geartete „Cube“. Apropos: Bei Saw II sind die Ähnlichkeiten zu Cube (und lustigerweise zu Cube Zero, dem dritten Teil der Reihe) noch etwas stärker vorhanden als im ersten Saw.