Riesiger Applaus, Jubel und Geklatsche. Auch ich konnte meine Euphorie erst nicht zurückhalten, als alle im Kino merkten, dass Saw II der Film ist, welchen sie in dieser Sneak gezeigt bekommen.
Der Film beginnt, wie zu erwarten, mit einem Schocker, starke Bilder, spitzen Kameraführung und ein super Schnitt. Doch leider verspricht der Anfang mehr als der eigentliche Film halten kann. Wie einen Schalter, den man umlegt, gerät der Film völlig aus den Fugen und verlässt die Zone des Zumutbaren. Die Macher setzten auf das altbewehrte Konzept: Man kann 90min zeigen was man will, solange das Ende "einigermaßen" unerwartet ist!
Mit dem 2. Teil zerschießen sich die Macher nicht nur teilweise die Story des 1. (Mann mit abgesägtem Fuß, liegt als Leiche im weiß gekacheltem Raum, obwohl er es im 1. Teil rausschafft), sie haben es außerdem geschafft dem Mysterium "SAW" jeden Zauber und jede Spannung zu entziehen!
Die Karacktere, die in dem Raum erwachen ("Cube" lässt grüßen") könnten Klischeehafter nicht sein: Der Aggressive, der Farbige (und gleichzeitig das Alpha-Männchen, dass die Anderen zur Ruhe besinnen will), der Geheimnisvolle und natürlich ein Pärchen, dass sich dort erst kennerlernt.
Im Gegenteil zum 1. Teil hat man nicht wirklich versucht zu erklären warum jeder Einzelne dort sitzt. Einzige Gemeinsamkeit: Alle waren bereits im Gefängnis; was so Einfallsreich ist, wie wenn man Gummistiefel aus Holz produzieren würde.
Das die meisten der Figuren "tragisch" um Leben kommen stand von Anfang an außer Frage, doch wo im 1. Teil durch Kurzsequenzen und Slideshow-artigen Bildern die Gewalt angedeutet, aber in einer erträglichen und Kreativen Art präsentiert wurde, hat man im 2. die mangelnde Filmemacherkunst und schlechte Story durch abartige Hinrichtungen und noch mehr perversere Folterungen ausgeglichen.
Was dem ganzen den Hut aufsetzt ist die mehr als erbärmliche Verknüpfung zum Vorgänger, das Erreichen des weiß gekachelten Raumes mit den beiden verrotteten Leichen. Völlig frei von Sinn und Zusammenhang, dem blöden Zuschauer irgendwas hingeknallt egal, ob der hingeworfene Knochen dem Hund schmeckt oder nicht!
Die Geschichte des gefallenen Polizisten, der seine Familie verloren hat, aufgrund eines Verhältnisses mit einer Kollegin, will ich gar nicht erwähnen, weil diese den Schlussstrich unter diesen Film zieht, an dessen Stelle man am liebsten das Kino verlassen würde.
Das Fazit ist, oft gesehenes schlecht aufbereitet mit abartiger Gewalt und hirnloser Story vermischt ergibt: SAW 2. 90min zu lang und jeden Euro zu teuer! Den Zuschauer mit der Qualität des 1. Teils gelockt und dann ins Gesicht getreten!