Es war erst vor kurzem, als ein kleines dreckiges Filmchen das Thriller-Herz nur so hüpfen ließ. James Wans "Saw" konnte mit seiner unglaublich klug ausgetüftelten Story, einer sehr dichten Atmosphäre, sowie knackigen Wendungen und einigen Litern Blut, das genauso Spannungs- wie Gore-verliebte Horrorpublikum vollauf überzeugen. Vor allem der Schluss hat es so in sich, wie kaum ein Film zuvor. Also war es natürlich nur vollkommen logisch, das auch "Saw" seine Fortsetzung erhält. Mulmig war es den Fans da zumute, konnte man, ihrer Ansicht nach, die Art des Ablaufs der Geschichte doch eigentlich kaum ein zweites Mal so klasse und überraschend umsetzen. Doch nach Ansicht des fertigen Produktes, dürften eigentlich alle Zweifel aus dem Weg geräumt sein. Denn "Saw II" beweist prächtig, das es eben doch möglich ist.
Vor allem in punkto Story kann "Saw II" seinem Vorgänger fast das Wasser reichen. Denn man hat glücklicherweise nicht den Fehler gemacht, "Saw II" genauso ablaufen zu lassen wie Teil eins, sondern man hat den Verlauf relativ sichtbar verändert, ohne das man aber die Vorgabe des Vorgänger außer Acht gelassen hat. Im Grunde handelt die Geschichte von Detective Eric Mathews, der auf den berüchtigten Jigsaw-Killer angesetzt wird. Dieser hat nämlich wieder zugeschlagen und in einem verfallenen Haus mehrere Leute eingeschlossen. Diese werden binnen zwei Stunden von einem tödlichen Nervengas getötet, wenn sie nicht zuvor ein Gegenmittel finden, dass sie imun dagegen macht. Unter diesen Personen ist allerdings auch Daniel, der Sohn von Eric. Und mit Eric hat der Jigsaw-Killer noch ein weiteres, ganz eigenes, perverses Spiel vor.
Das ist die Ausgangssituation für zwei unterschiedliche Handlungsstränge. Auf der einen Seite geht es um Mathews, der den Jigsaw-Killer schon ziemlich zu Anfang des Films stellen kann. Dieser macht aber keinerlei Anzeichen zu fliehen, sondern zieht Eric nur in ein weiteres seiner Spielchen ein. Dabei wird die Figur des Detectives Eric Mathews wunderbar vertieft und auch über den Jigsaw-Killer gibt es einiges zu erfahren. Und langsam aber sicher treibt er den Polizisten, der nun schon längst eines seiner Opfer ist, immer weiter in den Wahnsinn. Es ist absolut wunderbar mit anzusehen, wie der Jigsaw sich immer weiter in die Psyche seines Opfers hineingräbt, um dort Schundluder zu betreiben. Der Zuschauer vibriert förmlich vor Anspannung. Vor allem auch immer dann, wenn Jigsaw den Polizisten auf die Monitore verweist, auf dem das Treiben seiner Opfer im Haus zu sehen ist.
Und in diesem Abschnitt des Streifens haben wir es dann wieder mit der, schon aus "Saw" bekannten, Situation zu tun, in dem fremde Menschen aufeinandertreffen, ohne zu wissen warum und wie sie da wieder herauskommen können. Per Mini-Kassetten erhalten wieder ihre Anweisungen und Aufgaben, die aber alles andere als einfach zu lösen sind. Dabei legten die Story-Schreiberlinge sehr viel wert darauf, mitunter unglaublich clevere und knackige Rätsel zu schmieden, die nicht nur den Figuren Kopf zerbrechen bereiten.
Sowieso ist der Rätselgehalt des Films wieder sehr dicht ausgefallen und verlangt dem Zuschauer durchaus Konzentration ab, wenn er die Aufgaben lösen will. Durch das geschickte Setzen der Rätsel, sowie vielen Aha-Erlebnissen, wird es dem Zuschauer eigentlich nie langweilig. Und hat er dann endlich das knifflige Rumgetüftel hinter sich und glaubt sich in Sicherheit, wird das ganze Treiben plötzlich wieder über den Haufen geworfen und einige clevere Wendungen versperren ihm die Sicht, auf das gerade anvisierte Ziel. Genauso wie beim Vorgänger, macht einem sowohl das eigene Rumgetüftle, als auch das Zuschauen beim Tüfteln der Charaktere, große Laune.
Sprunghaft angestiegen ist zudem der Gore-Gehalt. War schon der erste Part nicht gerade zimperlich mit seinen Brutalo-Szenen, so setzt Teil zwei nun noch einmal eine ganze Ecke drauf und bietet ein regelrechtes Blutbad, das mitunter so heftig ist, dass einen die KJ-Freigabe fast schon ein wenig verwundert. Die Todesarten des Jigsaws sind auch hier wieder genauso kreativ wie abartig und brutal, und dürften selbst beim abgebrühtesten Gore-Fanatiker, ein leichtes Unbehagen in der Magengegend erzeugen. Egal ob es der Spritzen-Pool ist, in dem einer der Charaktere einen Schlüssel finden muss, die Waffe hinter der Tür, mit dem eine weitere Figur seinen Kopf verliert; oder die mitunter sehr brutale Vorgehensweise der einzelnen Typen, bei ihrem Versuch sich zu retten. Für meinen Geschmack zwar fast schon ein wenig zu viel Gore für einen "Saw", sind diese Szenen aber allesamt wunderbar inszeniert worden und sehen verflucht gut und vor allem dreckig aus!
Und natürlich darf bei "Saw II" auch nicht ein knackiges Ende fehlen. Und das hat es auch dieses mal wieder in sich. Nicht nur das der Showdown gerade zu überfühlt ist, mit einer Wendung nach der anderen, so findet er vor allem da statt, wo alles angefangen hat, nämlich in der berühmten Keller-Zelle, wo einst Dr. Gordon und Adam saßen bzw. noch immer sitzen (zu mindest einer von ihnen;)). Nur der Cliffhanger ganz am Schluss, läßt einen ein wenig mit mulmigen Gefühl zurück, was da im dritten Teil wohl kommen mag. Aber wir wollen mal nicht vorgreifen.
Einziger wirklicher Kritikpunkt sind dieses Mal allerdings die Charaktere. Während man Eric und sein Sohn, wie schon weiter oben erwähnt, wirklich prächtig in die Geschichte einführt und ihnen die notwendige Tiefe verleiht, so vergisst man dabei leider vollkommen, auch den Rest vorzustellen. Die anderen Figuren gehen einem nämlich, gelinde gesagt, am Arsch vorbei. Ausnahmen machen höchstens Jigsaw und Amanda (ja genau, das ist die, die im Vorgänger die Maul-Klappe überlebt hat), aber auch ihnen hätte man ruhig noch etwas mehr Tiefe verleihen dürfen. Somit büßt der Streifen dann leider doch noch eine Bewertung in den ganz hohen Regionen ein.
Dafür entschädigen kann allerdings wieder die Inszenierung, die auch dieses Mal wieder prächtig funktioniert. Der Aufbau von Spannung und Atmosphäre, wird vor allem durch die herrlich dreckigen Kulissen, der düsteren Ausleuchtung, sowie einem Soundtrack der absoluten Spitzenklasse erzeugt und diese lässt einen auch bis zum Schluss nicht mehr los. Zwar kann man auch hier die klaustrophobische Klasse der ersten Teils nicht ganz erreichen, aber für ein beängstigendes Zittern und Beben im ganzen Körper, reicht es dennoch vollkommen aus.
Zu den Darstellern sei gesagt, dass sie ihre Sache ebenfalls allesamt recht zufriedenstellend ablegen. Zwar schwächelt Hauptdarsteller Donnie Wahlberg hier und da ein wenig vor sich hin, aber im großen und ganzen kriegt er seine hart-weiche Bullennummer aber schon ganz gut hin. Absolut brillant ist allerdings nur einer und zwar Jigsaw-Darsteller Tobin Bell. Wie er den eiskalten und völlig unberechenbaren Psychopathen hier darbringt, ist Gold wert. Selten ein so perfekt kühles Schauspiel gesehen!
Fazit: Ein absoluter Grund zur Freude! "Saw II" schafft es zwar nicht ganz an den grandiosen Vorgänger heranzukommen, aber für eine mächtig gute Fortsetzung reicht es allemal. Die Story wurde wirklich wunderbar und mit viel Cleverness weitergesponnen und lässt keinerlei Wünsche offen. Die Fallen sind einfallsreich, die Rätsel knackig und die Wirrungen und Wendungen so überraschend und vorhersehungsfrei, wie schon lange nicht mehr. Dazu ein (vielleicht etwas zu) heftiger Gore-Gehalt und eine Inszenierung der Marke "Mega-Atmosphärisch"! Währen da nicht die laschen, mitunter völlig tiefenfreien, Charaktere gewesen (abgesehen von einzelnen Ausnahmen), die einem von vorne bis hinten wirklich vollkommen egal bleiben, dann hätte auch "Saw 2" zu den ganz Großen des Genres von heute zählen können. Somit reicht es aber immer noch zu einer Fortsetzung, die man so gut nie erwartet hätte.
Danke dafür!
Wertung: 8/10 Punkte