Die Erwartungen an "Saw 2" mussten nach dem Überraschungserfolg des Erstlings enorm sein. Ebenso gespannt verhielt es sich bei den Befürchtungen, daß "Saw 2" das selbe qualitative Schicksal erleiden würde, wie so manch andere in Rekordzeit hingerotzte Kommerzfortsetzung. Mit entsprechend gemischten Gefühlen ging es somit an den zweiten Auftritt dies fiesen Jigsaw-Killers...
Nunja, nach knapp 90 Minuten Meucheln kann man immerhin konstatieren, daß die Befürchtungen eines filmischen Supergaus nicht eingetreten sind. Auf der Gegenseite erfüllt Darren Lynn Bousmans "Saw 2" jedoch auch die in ihn gesetzten, hohen Erwartungen nicht vollständig.
Zu den Stärken von "Saw 2" gehört mal wieder ganz klar die düster-dreckige Optik und ein System heimtückischer wie mörderischer Todesfallen. Das Szenario ist hierbei im Grunde identisch zum Vorgänger: Eine Gruppe Menschen (zuvor zwei an der Zahl) ist in einem hermetisch abgesperrten Gebäude eingeschlossen und hat nur noch 2 Stunden zu leben, bevor ein Nervengas sie alle dahinrafft. Daß die Lösung des Schlamassels Opfer fordern wird, liegt auf der Hand...
"Let's play a game". Los gehts von 0 auf 180 mit einem heftigen Auftaktmord. Doch schon wenig später nimmt die Handlung von "Saw 2" eine überraschende Wende: Psychopath Jigsaw wird von einem Swat-Team unter der Leitung von Detective Donnie Wahlberg gestellt und gefangen genommen. Doch fängt der Spukt nun erst richtig an, denn das tödliche Spiel läuft bereits und die Uhr tickt unaufhaltsam...
Was nun folgt ist im Wesentlichen ein Hin und Her zwischen den hektisch fahndenden Cops und den blutigen Ereignissen im halb verfallenen Horrorgefängnis: Den Zuschauer erwarten einige deftige Todesfälle und atmosphärisch-spannende Szenen. Im Gegensatz zum ersten "Saw" fehlt jedoch leider die krönende Extraklasse in weiten Zügen - was aber kaum anders zu erwarten war: Die Faszination ist nach Teil 1 logischerweise nicht mehr in dem Maße anzutreffen, schließlich kennt man die Wesenszüge der Story ja schon in etwa und weiss darüberhinaus, was einem bevor steht. Der Kammerspielapekt des Vorgängers ist durch die zwei, etwa gleichgewichteten Handlungsstränge von "Saw 2" ebenfalls Geschichte. So reduziert sich dessen Story im wesentlichen auf Slasherelemente und das perverse Spiel Jigsaws unter Polizeiaufsicht.
Nicht zuletzt der wieder recht genialen Optik im Stil des Erstlings wegen macht das blutige Treiben mit seinen teilweise hübsch fiesen Ideen jedoch durchweg Spass. Gorefreunde dürfen sich auf stimmige Kost freuen. Auch die akustische Untermalung weiss dabei zu gefallen, weswegen von technischer Seite letztlich keine nennenswerte Kritik meinerseits vorzubringen wäre.
Doch muss sich Darren Lynn Bousmans Werk in aufbautechnischer und inhaltlicher Sicht zweifellos Vorwürfe gefallen lassen: Insgesamt ist "Saw 2" doch reichlich konventionell geraten, fügt dem Thema nicht gerade viel frische Substanz hinzu und bestätigt dieses Dilemma sogar noch selbst durch ein ziemlich erzwungen überraschend wirkendes Finale, in welchem offenbar mit aller Macht noch eine "weitere Dimension" Jigsaws hinzugeschweißt werden musste. An für sich ist dieses, mit einigen atmosphärischen Analogien zum Vorgänger und schnellen Schnitten ja trotzdem sehr packend gelungen aber es zeigt doch andererseits auch eine gewisse Hilflosigkeit des Drehbuchs. Überkontruktion kann auch mal nach hinten losgehen, auch wenn es hier noch mal gut geht! Man darf gespannt ob der nahezu sichere "Saw 3" in dieser Hinsicht noch deutlicher ins Straucheln kommen wird, denn außergewöhnlich viel inhaltliches Potenzial besitzt das Jigsaw-Universum nicht zuletzt genrebedingt nicht...
Fazit: Kurzweilig spannend, düster und bisweilen heftig brutal. "Saw 2" unterhält für 90 Minuten hochklassig, besitzt aber nicht mehr die Faszination und Sonderklasse des ersten Parts. Auch die Besetzung ist trotz solider Leistungen insgesamt etwas schwächer einzustufen...
Nachtrag: Die deutsche Synchronisation empfand ich als grausam, weswegen ich unterm Strich 6 Punkte vergebe will.