Review

Mein persönliches Kinojahr 2006 beginnt mit einer maßlosen Enttäuschung: "SAW II" ist die Fortsetzung eines grandiosen Vorgängers, der es in allen Belangen mit dem Höher-, Weiter-, Schneller-Schemata besser machen will und genau deswegen den Karren mit Elan gegen die Wand setzt.
"SAW I" ist ein effizient ausgeklügeltes Kammerspiel mit einem Packen netter Ideen, guten Darstellern, der enthusiastischen Energie eines Erstlingswerks und einem der frechsten Plot-Twists überhaupt! "SAW II" packt einen Haufen Darsteller der C-Kategorie in ein Haunted-House-Ambiente, die eh nur als Kanonfutter für ein paar mehr oder weniger ausgeklügelte Splatter-Einlagen dienlich sind, und tischt ein ausgesprochen unausgegorenes Skript auf, in dem die Plot-Twists entweder meilenweit abzusehen sind oder so dermaßen dünn im Unterbau daher kommen, dass man in deren Willkür kaum gewillt ist diese als "Kniff" zu akzeptieren.
Selbst das obligatorische Sequel-Kiddie ist vorhanden! Es handelt sich dabei um den Sohn von Detective Eric Matthews, der zwar das Mastermind Jigsaw dingfest machen kann, trotzdem ist er Jigsaws Willen ausgeliefert, hält er doch den Jungen mit einer handvoll anderer Gestalten in einem Haus gefangen. Der Ausgang ist wie üblich nur über sogenannte "Spiele" zu erreichen, bei denen der Spieler zumeist mit Gewalt aussetzt...
Es ist eine einzige Tortur zu verfolgen, wie sich der Film immer mehr in die Scheisse reitet. Ist das Intro noch knackig und in bewährter Manier gestaltet, donnert der Rest des Films ungebremst in die uninspiriertesten Niederungen, bis sich das Prädikat "Auftragsarbeit" in voller Pracht entblösst sieht...
Der Job der "Schauspieler" ist entweder mit grimmig Gucken + Zähnefletschen oder Rummjammern getan. Die im ersten Teil exzellent etablierte Figur des Jigsaw bietet im Nachfolger als Einzigster etwas Charisma, aber seine schillernde Persönlichkeit wird nicht nur zerredet, sie muss auch noch einen äusserst frevelhaften Umgang seitens der Autoren erfahren. So dreht sich die Schlusspointe um das Schicksal des Publikum-Lieblings, welches mit einem äusserst ...*äusserst* ärgerlichem Taschenspielertrick in Grund und Boden getreten wird, dass man es angesichts der Skrupellosigkeit nur noch mit einem entnervten Stöhnen quittieren kann. Man mag sich kaum ausmalen wie sich die Zuschauer vorkommen müssen, die schon das Finale in "SAW I" an den Haaren herbeigezogen fanden...

Wer das nicht ganz so verbissen sieht, dürfte vielleicht sogar gefallen an "SAW II" finden, denn das Ding erledigt trotz allem durchaus seine Pflichten: es fliesst reichlich Blut, so manche Falle lädt zum Arschbackenzuammenkneifen ein und's gibt auch ein paar Nippel zu entdecken! Wer jedoch ebenfalls dem Teenie-Horror überdrüssig ist, kann sich das Ding beruhigt sparen.

Es gibt eine Szene, in der sich "SAW II" sehr passend selbst definiert: man befindet sich dann plötzlich im Toiletten-Setting des Vorgängers wieder. Genau das gleiche markante Sound-Theme, das seinerzeit mit Wucht und Klasse die Auflösung einleitete und Jigsaws Brillianz nachhaltig unterstrich, wird im Sequel für eine Splatter-Szene missbraucht, die damit einzig die Dummheit eines Protagonisten feiert... sowas nennt man woanders Punktlandung!

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