Achtung: Könnte Spoiler enthalten!
Soweit ich das sehe, ist das hier die 1001ste Kritik zu SAW II, deshalb spare ich mir die Inhaltsangabe und gehe gleich zum Angriff über:
War der erste noch ein echtes Feuerwerk an Schock- und Bluteffekten, verliert SAW, Teil zwei nach einem sehr vielversprechenden Anfang merklich an Fahrt. Das mag zum einen daran liegen, daß die Gefahr nur selten wirklich akut sichtbar wird (Gas hat ja nun einmal die unangenehme Eigenschaft, "unsichtbar" zu sein), und die gelegentlichen Huster der Eingesperrten vermitteln kein sonderlich plastisches Bild davon, welche Qualen sie angeblich durchstehen müssen. Naja, aber es muß ja auch nicht immer der Raum voll Stacheldraht sein.
Zum anderen beschränken sich die Schockmomente fast ausschließlich auf die letzten zwanzig Minuten. Kein Wunder: Der Jigsaw-Killer hat alle Opfer bereits zu Beginn festgenagelt, wo bliebe da groß Platz für Attacken aus dem Hinterhalt und Todesmaschinen mit Zeitschaltuhr? Was seine Opfer diesmal durchmachen müssen, ist eher so etwas wie ein Adventure-Game.
Deutlich erkennbar ist hier der Versuch, die Story von Teil 1 auf einer etwas höheren, psychologischen Ebene weiter zu führen, bzw. die Hintergründe zu erklären. Das gelingt zum Teil recht gut, so ist der Zweikampf zwischen dem Polizisten und dem Killer schon recht nervenaufreibend. Allerdings verblasst die Figur des Killers, der bislang als unfassbarer Schatten aus dem Hinterhalt agierte, mit jeder Minute, die man ihn leibhaftig reden und agieren sieht; wie so oft, wenn die Leinwandmonster den Fehler begehen, ins Licht zu treten.
Die seelische Qual von beiden, dem Killer und dem Kommissar, ist nicht immer glaubhaft dargestellt, bzw. bedürfte es vielleicht doch einer etwas ausgeklügelteren Story und eines Regisseurs anderen Kalibers, um die tatsächlich sehr bedrückenden Fragen, die hier aufgeworfen werden, filmisch angemessen umzusetzen.
Die Pointe sitzt diesmal allerdings besser als in Teil 1, und, ja, die ersten fünf Minuten allein lohnen schon fast die zwo fuffzig Leihgebühr!
Ein ordentlicher Thriller mit einigen beinharten Szenen, der einen auch immer wieder überrascht, insgesamt jedoch nicht so vom Hocker reißt wie der erste Teil.