Review

Der ehrenwerte Jigsaw lädt zu einer neuen Runde seines letalen Vabanquespieles ein. Unter den mehr oder weniger freiwilligen Teilnehmern findet sich auch der Sohn des Polizisten Eric Mathews, von dem sich Jigsaw schnappen lässt, um ihn in sein Spiel einzuspannen. Seine Opfer werden in einem heruntergekommenen Haus festgehalten, in das ein tödliches Gas einströmt. Um sich retten zu können, sollen die Zwangsverbündeten einige Rätsel lösen und sind gezwungen, sich mit ihren Gemeinsamkeiten zu befassen. Vor allem Letzteres ist zuviel erwartet, denn Panik und blanker Aktionismus bestimmen hier das Handeln.

So kommt, was in jedem Horrorfilm kommen muss - Gewalt: Kopfschüsse, aufgeschlagene Schädel, Verbrennungen, blutiger Auswurf und auch ansonsten viel Blut. Noch Ekel erregender als die exorbitant brutalen Horrorszenen ist aber die Tatsache, dass der Film nicht müde wird Jigsaws Ideologie, einen wirren Eklektizismus aus einer perversen Auffassung von Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld sowie einem psychologisch-sadistischen Voyeurismus, zu rechtfertigen. Denn egal, für welches Handeln Jigsaws Opfer zur Verantwortung gezogen werden, nichts kommt auch nur in die Nähe der von ihm initiierten Tötungen.
Der Killer selbst aber fühlt sich sicher und gibt als Antrieb und Motivation seine Krebserkrankung an, die er auch als Schutz vor Mathews anführt, der ihm kaum größere Schmerzen zufügen könnte, nur um im späteren Verlauf des Films vom schmerzhaften Gegenteil überzeugt zu werden.

SAW II versucht noch stärker als der Vorgänger zu suggerieren, die Opfer hätten ihre Lage selbst zu verantworten und darüber hinaus eine "faire" Chance zu überleben. Sich selbst das Auge heraus zu sezieren wie es im Prolog angeschnitten wird, erfordert aber nicht nur eine große Überwindung, da es dem menschlichen Selbsterhaltungstrieb widerspricht, es würde ferner zur physischen Ohnmacht desjenigen führen. Die Chance ist ergo keineswegs als fair, sondern als utopisch zu bezeichnen, womit es keine Chance mehr darstellt.

Auch wenn der finale Twist als große Dramaturgie gelobt wird, ist er nichts weiter als bloße Effekthascherei, die nicht einmal unvorhersehbar ist, wenn man sich nicht nur vor Augen hält, was die Zwangsgemeinschaft verbindet, sondern was sie trennt, vor allem in Bezug auf Äußerungen gegenüber der Grundidee des Killers.

Schematisch entspricht SAW II seinem Vorläufer. Um dem Vorwurf des Selbstplagiats auszuweichen, wurden einfach einige Schlüsselwerte geändert: So sind diesmal der Strohmann und der eigentliche Drahtzieher anders besetzt, die Anzahl der Personen erhöht sich, der „Spielplatz“ wird erweitert, die Sinnhaftigkeit aber dezidiert dezimiert.

SAW II vermittelt retrospektiv den Eindruck, als habe sich twisted pictures ein paar Mal zu oft gedreht und ist dann in der Falle steckengeblieben, die es sich selbst gebaut hat.

Details
Ähnliche Filme