Im Jahr 2004 konnten die beiden jungen Filmemacher James Wan und Leigh Whannell weltweite Anerkennung mit ihrem überraschend erfolgreichen Film "Saw" ernten, der nicht nur in den USA die Kinokassen klingeln ließ, sondern auch bei uns für Furore und Begeisterung sorgte. Das Konzept des Films war ebenso einfach wie genial, der Streifen an und für sich nicht innovativ, doch handwerklich perfekt umgesetzt. Was sicherlich weder Whannell, noch Wan ahnen konnten, ist dass "Saw" einen derartigen Sturm der Begeisterung auslöste, dass es schon nach kurzer Zeit mehr als klar war, dass eine Fortsetzung her musste und zwar so schnell wie möglich. Diese wurde nach einer längeren Zeit der Planung innerhalb von 25 Tagen mit einem höhren Budget abgedreht und ein Jahr nach dem Vorgänger, erneut an Halloween, auf die Amis losgelassen. Nach einer schmerzhaft langen Zeit des Wartens sind nun auch die Deutschen in der Lage, in den Genuß des Films zu kommen und dies sollte sich wirklich niemand entgehen lassen.
Dass Fortsetzungen, bis auf ganz wenige Außnahmen, nicht mit ihren Vorgängern mithalten können, war schon immer so und ist prinzipiell auch logisch, in den meisten Fällen wurde das kreative Potenzial einfach schon ausgeschöpft und das Sequel soll nur noch dazu dienen, ein bisschen auf dem Erfolg herumzureiten und Geld zu verdienen. Doch nicht so bei "Saw II". Sicherlich hat der finanzielle Aspekt hier auch eine Rolle gespielt, keine Frage, doch der eher unbekannte Regisseur Darren Lynn Bousman inszenierte einen Film, der sicherlich keinen Fan des ersten Teils enttäuschen wird und sich auch nicht vor diesem verstecken muss.
James Wan, der hier als Produzent tätig war und Leigh Whannell, der am Drehbuch mitschrieb, greifen Darren Lynn Bousman dabei tatkräftig unter die Arme und bleiben ihrem Stil treu. "Saw II" ist so ausgelegt, dass sowohl Fans des Vorgängers, wie auch Neulinge im Saw-Universum ihren Spaß haben werden. Die Geschichte des Vorgängers wird in gewisser Weise weitererzählt, gleichzeitig jedoch erwartet uns mit den 8 Opfern etwas völlig neues, was beide Lager zufriedenstellen dürfte. Hier hatten die Macher keine leichte Aufgabe, denn trotz deutlich höherem Budget galt es immernoch, den Fans das zu geben, was sie wollen und gleichzeitig den Film so zu gestalten, das er nicht als müder Abklatsch verschrien werden kann. Eine durchaus günstige Notlösung, die sich da anbot, war es da sicherlich, auf das altbekannte Schema der Steigerung zurückzugreifen. "Saw II" weist zwar eine kürzere Spielzeit als sein Vorgänger auf, hat aber mehr Blut, mehr Opfer, mehr Jigsaw und natürlich mehr sadistische Fallen zu bieten. "Weniger ist manchmal mehr", mag einem da schon durch den Kopf schießen, doch nicht so bei "Saw II", denn diese Fortsetzung funktioniert in jeder Hinsicht perfekt.
Die Location wurde super gewählt. Das düstere Haus, in dem die 8 gekidnappten Opfer zu sich kommen, ist der ideale Ort, um eine unheilvolle Atmosphäre entstehen zu lassen, ebenso bietet es viel Platz für die makaberen Fallen Jigsaws. Hier ist gegenüber dem Vorgänger allerdings nichts von einer sich eher langsam steigernden Spannung zu bemerken, es wird von Anfang an ein ordentliches Tempo vorgelegt, so dass nie Langeweile aufkommt. Selbst die Gespräche zwischen Jigsaw und Eric wissen durch ihre an "Das Schweigen der Lämmer" erinnernde Art zu begeistern und entwickeln ihre ganz eigene Art von Spannung, die sich gut mit den Geschehenissen in dem Haus abwechselt. Die Fallen hätten wohl grausamer nicht inszeniert werden können, ich will hier in keinster Weise zu viel spoilern, doch manches ist so extrem sadistisch in Szene gesetzt, dass es einem alleine schon vom zusehen wehtut. Der Mann, der sich selbst das Auge rausschneiden muss, um zu überleben, ist dabei nur eines der vielen Beispiele. Garnicht erst erwähnen muss ich vermutlich, dass diese Szenen wieder enorm spannend und fesselnd inszeniert wurden.
Stichwort Spannung. Während einem im ersten Viertel die Schweißperlen auf die Stirn getrieben werden, legt man im Mittelteil erst mal einen langsameren Gang ein, bevor es dann gegen Ende noch einmal so richtig zur Sache gehen darf. Das größte Problem, mit dem "Saw II" offensichtlich zu kämpfen hat, ist die Tatsache, dass das Ganze einfach schon einmal da war und jeder mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Kino geht. Es dürfte sich wohl jeder an den genialen Schluss des ersten Teils erinnern, mit dem wohl so niemand gerechnet hätte. Ein derartiges Gänsehautgefühl hatte ich während eines Horrorthrillers noch nie, wie will eine Fortsetzung da mithalten? Niemand der sich auf "Saw" einließ, wusste, was ihn erwarten würde, bei "Saw II" hingegen kann man sich schon im Voraus ein sehr genaus Bild machen. Dies tötet die Spannung zwar nicht ab, gibt ihr aber in gewisser Weise einen Dämpfer, weil das Gefühl des "Ausgeliefert seins" und des hilflosen beim Zuschauer fehlt. Man weiß, was einen in etwa erwartet und fiebert gespannt darauf zu.
Von diesem Punkt aber mal abgesehen, gibt es in "Saw II" nichts, aber auch garnichts, was ein Anlass zur Beschwerde wäre. Mit der Tatsache, dass die Opfer nur noch als Stereotypen dargestellt werden und keine Tiefe mehr besitzen muss man sich einfach abfinden, das ist der Preis, den man für mehr Blut, Action und Fallen bezahlen muss. Ein teurer, aber auch fairer Preis wie ich finde und seien wir mal ehrlich, hätte "Saw II" seinem Vorgänger aufs Haar geglichen, wären die Protestschreie sicherlich auch laut gewesen. Desweiteren kommt es auf den Zuschauer an, ob dieser in den oberflächlichen Charakteren einen Kritikpunkt sieht, ich persönlich hatte keine Probleme damit.
Etwas derartiges wird es wohl länger nicht mehr im Kino zu sehen geben, weshalb ich jeden inständig darum bitte, sich "Saw II" so bald wie möglich anzusehen. Einzig und alleine der demnächst erscheinende "Hostel" wäre ein potenzieller Gegner für das Meisterwerk "Saw II" doch ob dieser tatsächlich mit Darren Lynn Bousman´s Film mithalten kann, wird die Zukunft zeigen.
Ich habe lange überlegt, was ich nun von diesem Film halten soll, bin aber immer wieder auf den selben Entschluss gekommen und zwar, dass "Saw II" seinem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen kann, aber schließlich und letztendlich als das betrachtet werden muss, was es eben auch ist: Eine Fortsetzung. Als solche funktioniert der Film perfekt. Zwar läuft er nach dem Schema "Noch besser und noch brutaler" ab, doch dies schadet nicht, denn mit was wir es hier zu tun haben, ist schlicht und einfach die konsequente Fortführung eines Meisterwerks. Ich jedenfalls habe jede Sekunde dieses Films genossen und von vorne bis hinten mitgefiebert, weshalb ich ihn mir jederzeit wieder ansehen würde. Dass der Film durch die Tatsache, dass man den ersten Teil bereits gesehen hat, etwas an Spannung einbüßt und dass die Charaktere etwas oberflächlich ausfallen, bin ich gerne bereit zu akzeptieren und vergebe definitiv verdiente
9 von 10 Punkten.