Ist die Franchise erst mal so richtig am Laufen, dann geht das mit den Sequels wie das Brötchenbacken. Kaum ist also bei „Saw“ der zweite Teil in den Videotheken erhältlich, steht schon Teil 3 in den Startlöchern und alle Genrefans bangen nur um eins: mögen das Niveau sich halten.
Ganz so positive Eindrücke kann man leider schon von Teil 2 nicht gewinnen, denn getreu einer alten Regel wird kein Witz besser, wenn man ihn das zweite Mal erzählt.
Und so gleichen sich die Wendungen des erneuten Auftritts des perversen Jigsawmörders, der seine unmenschlichen Fallen immer in moralischem Gedenken für die persönlichen Verfehlungen der Opfer geschaffen hat, in beiden Filmen recht stark.
Der wesentliche Unterschied ist natürlich, daß man in diesem Fall ein wenig mehr über den Mörder an sich erfährt, der sich im direkten Austausch mit dem ermittelnden Beamten befindet. Endlich kann Auskunft über Motive und Zwänge gegeben werden und die wirken leider irgendwie interessanter als der Fall an sich, bei dem diesmal 8 Menschen in einem mit Fallen gespickten Haus erwachen, in welchem sie zudem einem gefährlichen Nervengift ausgesetzt sind.
Ergo entspannt sich das alte Spielchen von der Gegensätzlichkeit der Charaktere (allesamt schon mal im Knast gewesen), die letztendlich nicht aus ihrer Haut können, sondern vornehmlich aus persönlichen Motiven agieren, „Me First!“ ist das Prinzip der Stunde.
Da die Story jedoch ein Grundpodest braucht und Tobin Bell als Killer natürlich auch seine Eckchen erhält, bleibt für die atmosphärische Situation in dem verseuchten Haus leider Gottes zu wenig Zeit. Hier sollen Fallen präsentiert werden und Schicksale besiegelt und so geschieht es dann auch.
Die Zuschauer haschen natürlich auf gar fürchterliche Schicksale und so einige Momente kann der Film dann auch wirklich entwerfen (die Gruppe mit Tausenden von benutzten Spritzen, in die man hineinspringen muß) und ähnliches. Der Tod in einem Verbrennungsofen allerdings gehorcht schon wieder mehr den Gesetzen der Abgedroschenheit, ein weiterer in einer Klingenfalle ist so dürftig, daß man ihn gar nicht bis zum Exzess ausführt.
Und warum auch, denn soviel Zeit, Charaktere zu entwickeln, nimmt sich die Geschichte auch gar nicht. Abgesehen vom Fehlen auch nur des simpelsten aller Vorgänge, den sprichwörtlichen fünf kühlen Minütchen zum gemeinsamen Nachdenken, verkommt die Closed-Room-Szenerie zu einer hektischen Kamera-Hin-und-Her-Springerei zwischen den Figuren, die nur skriptgemäß die Sets abarbeiten, ohne aus ihnen das Maximum herauszuholen. Die morbide Atmo rettet den Film da vor der Mittelmäßigkeit, aber in all den Szenen, in denen sich die Überlebenden versuchen, vor dem durchgeknallten Muskelprotz zu retten, stinkt es nach vertaner Chance.
Da paßt es gut ins Gesamtbild, daß auch Donnie Wahlberg als ermittelnder Polizist, dessen halbwüchsiger Sohn in diesem Raum steckt, nicht einen Funken Entwicklungsfähigkeit mit auf den Weg bekommt.
Skriptgemäß soll er nur mit seinen Dämonen kämpfen, trinken, rauchen, sich die Haare raufen und auch nicht eine Sekunde lang zu dem kühlen Kopf gelangen, der ihm die angeblich ehemalige Reputation als Polizist eingebracht hat. Verzweifelt und ungeduldig rumpelt er durch alle seine Szenen, brüllt Killer Tobin Bell an oder verkloppt ihn und unterstreicht damit nur eins: das er eben Kandidat für den Schlußgag ist, einen Plot-Twist im alten Stil, der zwar nicht wie im ersten Film als doller Hammer daherkommt, aber immerhin noch eine schöne Wendung darstellt, denn immerhin gibt’s hier gleich 3-4 Überraschungen hintereinander.
„Saw 2“ ist nicht so schlecht, wie ihn viele machen, hätte aber, das atmet der Film in jeder Sekunde, viel viel besser sein können. Er funktioniert, soviel ist klar, als clever durchkomponierte Fortsetzung, doch leider nicht als fortschreibende Weiterentwicklung, so daß das die Story baldigst ausgebeutet sein wird, sobald der dritte Teil auf dem Markt ist.
Als knackiger, düsterer Trip funktioniert er durchaus, scheitert aber daran, daß der Zuschauer bei Kenntnis von Film 1 weiß, wie die Mechanismen der Serie laufen und so ihre Erwartungen erfüllt sehen, aber ihren Wunsch nach Überraschung der Verkümmerung preisgeben müssen. Die Nervenmühle wird zur knallbunten Tretmühle (7/10).