SAW II
Jigsaw schlägt wieder zu und diesmal ganz den Filmregeln entsprechend härter, ausgefeilter, mit mehr Opfern und vor allem mehr Blut.
Fortsetzung des wirklich sehr erfolgreichen Vorgängers um den Jigsaw-Killer.
Interessant hierbei ist eigentlich die Entstehung. Zum einen ist dies eine Fortsetzung, welche nur aufgrund des kommerziellen Erfolges von Teil Eins entstehen konnte und zum anderen ist es eigentlich gar nicht die Fortsetzung vom ersten SAW! Das Drehbuch von diesem Zweiten Teil war von den Autoren ursprünglich als SAW angedacht und wurde so auch den Studios vorgestellt. Die Tatsache das es viele Gemeinsamkeiten mit dem ähnlich gelagerten Horrorthriller „CUBE“ hatte war wohl ein Hauptgrund dafür das diese den Film nicht produzieren wollten. Also musste Drehbuchautor Leigh Whannell (spielte auch den Adam in Teil Eins) das Drehbuch umschreiben. Die neue Fassung bekam grünes Licht, SAW Teil Eins wurde produziert und der Rest ist Geschichte.
Der offensichtlich nicht erahnte, aber trotzdem eingetretene Erfolg des Erstlings schrie dann natürlich förmlich nach einer Fortsetzung. Diese kam dann auch und ihr zu Grunde lag das damals verworfene und nun recycelte Drehbuch. Natürlich macht sich das beim anschauen dann auch bemerkbar. Die Ähnlichkeiten zu Teil Eins sind offensichtlich und schmälern von Beginn an das Sehvergnügen. Das Feeling welches beim anschauen von Teil Eins eine willkommene Begleiterscheinung war will einfach nicht mehr aufkommen. Wohl auch der Hauptgrund dafür das Saw II nicht mehr diese Klasse erreichen kann. Zwar erfährt man nun einiges mehr über den Jigsaw-Killer, seinen Namen (John) und seine Beweggründe und stellte ihm einen direkten Kontrahenten gegenüber, was weiterhin auch Spielraum für den psychologischen Aspekt zulässt, und trotzdem will der berühmte Funke einfach nicht (wieder) überspringen.
Das Puzzlespiel verkommt ein wenig zum Splatterspiel, denn mehr Opfer kämpfen gleichzeitig ums überleben und sind zu aller erst selbst ihre größten Gegner bei der Erfüllung der gestellten Aufgaben. Das ganze wird sehr schnell sehr blutig und läuft deshalb Gefahr durch diese eindimensionale, sich in dieser Art immer wiederholenden, Abfolge langweilig zu werden. Zumal der Zuschauer diesmal um einiges länger im dunklen gelassen wird, was die logische Aufklärung der Geschehnisse angeht. Und wenn diese dann eintreten sind sie nicht wirklich befriedigend. Jedoch auch diesmal kann so manche Wendung (unter anderem mit dem Kellerverlies aus Teil Eins) für eine Überraschung sorgen und wir werden nicht völlig dumm vorm Abspann zurück gelassen.
Dass eine Fortsetzung immer dem Vorgänger etwas draufsetzen muss versteht sich von selbst, und die Macher waren sehr darauf bedacht die Messlatte höher anzulegen. Wie gesagt es werden mehr und blutigere Tötungssequenzen geboten, überhaupt ist der zweite Teil vom Speed her schneller und auch aggressiver angelegt, aber dabei mussten andere Aspekte Federn lassen. Die Spannung hält sich in Grenzen und eine wirkliche Identifikation mit den Opfern ist nicht möglich, selbst Hauptprotagonist Detective Eric Mathews (überzeugend Donnie Wahlberg als Danny Glover Ersatz) wirkt nicht sympathisch genug um mit ihm mitzufiebern, kann dadurch aber gleichermaßen als Gegenpol zu Jigsaw gesehen werden. Schließlich funktioniert dessen geplantes Spiel nur unter dieser Vorraussetzung. Paradox!
Weiterhin fehlt diesmal die Glaubwürdigkeit im gesamten, denn es ist nun mal nicht realistisch die ganzen Leute, für andere unbemerkt, in den Bunker zu sperren, die Fallen zu konzipieren und zu bauen, jeden Schritt der Opfer so vorherzusagen das diese in die Fallen tappen, auch wenn man Helfer hat und schon gar nicht wenn man krebskrank im Bett liegen sollte.
Na ja, es ist eben eine Fortsetzung mit mehr Ecken und Kanten, welche lieber nicht zu intensiv hinterfragt werden sollten, da dann das bisschen in diese Fortsetzung hinübergerettete Potential völlig auf der Strecke bleibt.
Bekommt von mir bei erstmaliger Sichtung 6 von möglichen 10 Punkten.