Die Kritik beruht auf den ungeschnittenen Director´s Cut aus der limitierten Collector´s Edition!
"SAW II" ist ein Horror-Thriller von Darren Lynn Bousman und die Fortsetzung von "SAW". Das Drehbuch wurde von Regisseur Bousman und Leigh Whannell gemeinsam geschrieben. Whannel verfasste bereits das Drehbuch des Originals und fungierte bei der Fortsetzung zusammen mit James Wan (Regisseur des ersten Teils) als Executive Producer. Der Film lief am 28. Oktober 2005 in den US-Kinos an, in Deutschland startete der Schocker am 9. Februar 2006 und lockte über 900 000 Zuschauer in die Kinos - 400 000 Zuschauer mehr als beim ersten Teil.
Der Film beginnt einige Zeit nach dem Ende des ersten Teils und setzt die raffinierte Erzählstruktur des Vorgängers fort, in dem nach einer kurzen Einleitung zwei Handlungen parallel zueinander verlaufen:
In der Anfangsszene sieht man einen jungen Mann, der als Informant für die Polizei arbeitet. Er erwacht in einem Raum, ohne Erinnerung daran, wie er dorthin gekommen ist. Um seinen Kopf ist eine Todesmaske geschnallt, die von innen mit spitzen Nägeln versehen ist. Per Videobotschaft erhält er die Aufgabe, sich innerhalb einer Minute aus der Maske zu befreien, die nach Ablauf der Zeit wie eine fleischfressende Pflanze zuschnappen würde. Auf dem Video sieht er, wo er den Schlüssel zu suchen hat: er wurde während eines operativen Eingriffs unter sein Auge eingenäht. Als der Mann sich umsieht, entdeckt er einen Werkzeugkasten, in dem sich ein Skalpell befindet. Er schafft es nicht, den Schlüssel innerhalb der vorgegebenen Zeit herauszuschneiden, und die Falle schnappt zu. Als die Polizei die Leiche des jungen Mannes entdeckt, wird auch Detective Eric Matthews an den Tatort gerufen, da an der Decke des Raumes „Look closer Detective Matthews“ („Sehen Sie genauer hin, Detective Matthews“) geschrieben steht. Matthews identifiziert den jungen Mann als einen seiner Informanten.Als der Detective den Sinn des Hinweises versteht – er weist auf den Aufenthaltsort von Jigsaw hin – erklärt er sich bereit, als „Beobachter“ beim Stürmen dieses Ortes dabei zu sein. Dort angekommen, findet die Polizei Jigsaw tatsächlich vor. Er ist an einem Tropf angeschlossen und ist von einer Krebserkrankung stark geschwächt. Zu ihrem Schrecken entdecken sie jedoch auch einige Computerbildschirme, auf denen zu sehen ist, wie acht Personen in einem Raum gefangen sind: Daniel, der Sohn von Detective Matthews, Amanda, die Frau, die im ersten Teil als Einzige Jigsaws Prüfung überlebte, der Geschäftsmann Gus, der cholerisch-aggressive Xavier, die labile Laura, der rattengesichtige Obi, die "toughe" Addison und Jonas, der sich als Anführer versucht.
Es beginnt ein mörderisches Spiel, denn die Personen atmen ein tödliches Gift ein, das sie spätestens nach zwei Stunden an inneren Blutungen sterben lassen wird. Die Tür nach draußen öffnet sich aber erst nach drei Stunden. Aus dem Haus, in dem sie sich befinden, können sie nicht entkommen, aber im Gebäude sind Spritzen mit dem Gegengift versteckt. Die Opfer müssen Aufgaben lösen, um sich diese zu verdienen und um zu zeigen, dass sie so sehr an ihrem Leben hängen, dass sie es nach Jigsaws Meinung wert sind, weiterzuleben.
Zur gleichen Zeit will Jigsaw alias John Kramer mit dem Detective ein Gespräch unter vier Augen führen, erklärt dabei die Gründe für sein Handeln und will Eric davon überzeugen, dass er sein Leben ändern solle. John weiss, dass Matthews als hoch dekorierter Polizist eine Menge Dreck am Stecken hat und das alle im Haus eingeschlossenen Personen etwas gemeinsam haben, was es herauszufinden gilt. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass Detective Matthews für die Verhaftung aller verantwortlich war, indem er Beweise gefälscht hatte. Kramer sagt auch, dass Matthews seinen Sohn gesund und wohlbehalten wiedersehe, wenn er sich allein und ruhig mit ihm unterhalte. Matthews verstößt aber gegen die Regeln, weil er in dem Vier-Augen-Gespräch kein Vorwärtskommen erkennt, während sich sein Sohn in Lebensgefahr befindet und die Zeit davonläuft. Letztlich verprügelt und foltert er Jigsaw, um von ihm zu erfahren, wo sich das Haus befindet, in dem die Opfer gefangen sind. Tatsächlich will der Puzzlemörder es ihm verraten, verlangt aber, dass er mit dem Detective allein zu dem Haus fährt und ihm erst während der Fahrt dorthin den Weg beschreibt....
Trotz dieser ausführlichen Inhaltsangabe ist noch lange nicht alles zur Handlung von "SAW II" erzählt.
Neben den zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen gehen die beiden Drehbuchautoren bei Jigsaws zweitem Streich exakt nach dem vorgegebenen Muster des Originals vor, wobei man bereits bei der kurzen Einführungsszene mit der Todesmaske erkennen kann, dass "SAW II" wie sein Vorgänger auf perfide Prüfungen und mittelalterliche Folterinstrumente setzt, den Blutpegel dabei aber um das zweifache anschraubt. Um dem Motto des Films "Es wird Blut fließen" gerecht zu werden, wurde das Spiel vom Badezimmer des ersten Teils in ein komplettes Haus verlegt und die Anzahl der Mitspieler von zwei auf acht erhöht.
Den absoluten Höhepunkt an expliziter Gewalt aus Teil 3 erreicht die Fortsetzung zwar nicht, trotzdem dürfen sich die Fans auf einige blutige Szenen freuen, die sehr realistisch dargestellt worden sind.
Der Erfolg des ersten "SAW"-Films schlug wie eine Bombe ein und bescherte dem produzierenden Filmstudio einen fetten Geldregen. Das Publikum war von den makabren Folterspielen des Jigsaw-Killers fasziniert und die Fortsetzung bietet der Fangemeinde genau das - nur noch viel blutiger. Kritiker sehen dahinter natürlich berechnendes Kalkül, wenn "SAW II" seinem Publikum 90 Minuten lang Szenen bietet, bei denen Menschen bei lebendigem Leib verbrennen, sich die Pulsadern aufschneiden, in den Kopf geschossen oder ihnen die Kehlen durchgeschnitten werden oder sich selbst Hautfetzen aus dem Nacken schneiden.
Doch "SAW II" zieht seinen Unterhaltungswert nicht nur aus Szenen dieser Art, sondern hält für den Zuschauer wieder einmal ein Rätsel parat, dessen Auflösung im finalen Storytwist zwar überraschend, aber nicht mehr so intensiv ist wie beim Original.
Dabei erscheint die Handlung der Fortsetzung schlüssiger und weist weniger Logikbrüche auf, wobei alle offenen Fragen aus den ersten beiden Teilen im dritten Film der Reihe beantwortet werden.
Das Finale beschert dem Publikum noch einige unerwartete Wendungen, wobei die Spannung und das Tempo noch weiter angezogen werden. Dabei zerrt Bousmans Inszenierungsstil zusammen mit den schnell geschnittenen Szenen und dem harten Score von Charlie Clouser an den Nerven und versetzt dem Zuschauer mit seiner Auflösung einen zusätzlichen Tritt in die Magengrube.
Jigsaw alias John Kramer ist dem Zuschauer im zweiten Teil von Anfang an bekannt und beherrscht im zweiten Handlungsstrang die Szenerie. Aus dem mysteriösen, geheimnisvollen Mann im schwarzen Umhang aus dem ersten Teil ist eine vom Tode gezeichnete, an den Rollstuhl gefesselte, menschliche Hülle geworden. Tobin Bell (bekannt als Bösewicht der zweiten Staffel von "24") ist die ideale Besetzung und verkörpert Jigsaw mit soviel Inbrunst und Hingabe - da stimmt einfach jede Geste, jeder Blick. Trotz seines Krebsleidens hat John Kramer nichts von seiner diabolischen Aura verloren. Er hat die Zügel fest in der Hand, macht sich und seinen Kontrahenten Detective Matthews zu Figuren in seiner eigenen Charade und liefert sich mit ihm ein böses Katz- und Mausspiel, bei dem er seine Beweggründe erläutert und Matthews mit den Abgründen seines schmutzigen Charakters konfrontiert.
Donnie Wahlberg ist der Part des schmierigen, undurchsichtigen Detectives auf den Leib geschnitten. Seine Rolle ist neben die des John Kramer eine der wenigen in der gesamten "SAW"-Reihe, deren Charakter dem Zuschauer ausführlich vorgestellt wird.
Die Protagonisten im Haus sind der Reihe nach austauschbar und dienen lediglich dem Zweck, auf äußerst kreative, vor allem aber blutrünstige Art für einen überdurchschnittlich hohen Bodycount zu sorgen.
Eric Matthews steht ihnen charakterlich in nichts nach, bis auf Matthews Sohn Daniel (fehlbesetzt durch den blassen Eric Knudsen) gibt es bei "SAW II" nur wenige Sympathieträger, mit denen sich der Zuschauer identifizieren könnte.
Die Drehbuchautoren Bousman und Whannell haben erneut eine beklemmende Ausgangssituation erschaffen. Dabei bleiben sie dem cleveren Handlungsaufbau des ersten Teils treu, streuen falsche Fährten, liefern überraschende Wendungen um den Zuschauer gleichzeitig zu verwirren, denn auch hier ist nichts so, wie es den Anschein hat. Ihre finale Auflösung des kompletten Rätsels erreicht zwar nicht die Klasse des Originals, doch was Spannung und Tempo angeht, legt Teil II vor allem gegen Ende noch einiges dazu.
In der Gesamtbewertung müssen Abstriche vor allem für die Fehlbesetzung von Eric Knudsen gemacht werden, der als Darsteller des Daniel Matthews zu farblos wirkt. Ihm nimmt man den Polizistensohn, der Gefahr droht, eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen, zu keiner Minute ab.
Die deutsche Synchronisation ist überwiegend gelungen, die Synchronstimme und übersetzten Dialoge von Lyric Bent alias SWAT-Commander Rigg sind dagegen schlecht und verleihen "SAW II" teilweise den Charme eines B-Movies, trotzdem überwiegt natürlich der rauhe, dreckige und morbide Charakter.
9,5 von 10 Sägen!