Angefangen hat alles mit drei Worten: "Hallo liebe Liebenden" und von da an ging es steil Berg auf. Bastian Pastewka, der als Ersatz für Karen Friesicke, die bereits nach wenigen Folgen das Handtuch schmiss, zur "Wochenshow" kam, erlangte Deutschlandweit Kult-Status, mit seiner Figur des Sex-Magazin-Moderators Brisko Schneider. Nach seinem Ausstieg aus der Show, sollte es dann zwar erst einmal ein wenig dauern bis er sich wieder zurück meldete, doch dann mit voller Wucht. Angefangen mit dem etwas anderen Reisemagazin namens "Pastewka in...", über seine grandiosen RTL-Comedy "Ohne Worte", bekommt er nun endlich seine ganz eigene Sitcom. Dabei auf den Spuren des US-Comedians Jerry Seinfeld wandelnd, spielt er sich in "Pastewka" selbst und zeigt uns sein angeblich wahres Leben. Herausgekommen ist dabei eine der besten dt. Comedys unserer Zeit, die man einfach von vorne bis hinten nur genießen kann.
Bastian Pastewka ist in seiner Comedyserie so etwas wie ein "liebevoller Turnbeutelvergesser" (Zitat von Pastewka selbst), der in wirklich absolut jedes Fettnäpfchen tritt, was sich ihn in den Weg legt. Mal ersteigert er bei Ebay einen Fußballkicker für fast 800 Euro bei einem alten Nazi, der verlangt, dass der Kicker persönlich abgeholt wird. Mal kauft er im Supermarkt mehrere Flaschen Wodka für einen Obdachlosen, der vor dem Supermarkt rumlungert, nur um dabei von Martin Semmelrogge entdeckt und daraufhin als Alkoholiker verschrien zu werden. Und in einer Flughafenwartehalle verdächtigt er einen arabischen Mitbürger, eine Bombe aus einem Versteck geholt zu haben, ruft daraufhin die Polizei, nur um dann zu erfahren, dass es in Wirklichkeit nicht mehr als ein Pornoheft war, was da im Versteck lag. Doch der Oberclow ist Bastians Fruchtbarkeitstest, bei dem er einen Becher für die Urinprobe, irrtümlicherweise, mit einer gewissen anderen Flüssigkeit bis zur hohen Markierung füllt. Und das ist wirklich nur ein geringer Bruchteil dessen, was der Basti so alles durchleben muss.
Pastewkas Fettnäpchen sind groß, riesengroß und ein jeder dieser Fettnäpfe bringt den Zuschauer zum lachen. Ja es gibt wirklich selten Sitcoms, die keine Blindgänger besitzen, doch bei "Pastewka" müsste man da schon mit der Lupe suchen. Nahezu jeder Gag ist gut getimt und bis zum letzten Schmunzler durchdacht. Zwar geht es manchmal ein bisschen arg roh zur Sache und ob Pastewkas Leben wirklich so abläuft darf man sicherlich auch arg bezweifeln, doch irre komisch ist es allemal.
Aber nicht nur die Gags machen die Brüller aus, auch die Figuren sind es, die allesamt so wunderbar überzogen in Szene gesetzt worden, dass es nur so eine Freude ist. Angefangen natürlich bei Pastewka selbst. Egal ob nun realistisch oder (eher) nicht, der Serien-Pastewka steht dem echten Pastewka in nichts nach. Selten gab es so einen liebenswerten Verlierer-Typen, wie unseren Basti hier. Wenn man nicht so über ihn lachen müsste, könnte er einem fast leid tun. Sympathisch bis zum letzten und dennoch ein Verlierer durch und durch.
Dazu dann seine Freundin Anne, die ihm in jeder Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite steht und ohne die Pastewka schon längst wahnsinnig geworden wäre. Dann sein nerviger Bruder Hagen inkl. dessen fauler-schlampiger Tochter Kimberley. Vater Volker, der nun wirklich alles besser weiß, obwohl er eigentlich gar nichts weiss. Bastians alkoholgetränkte Managerin Regine und Frau Bruck, die bösartige Nachbarin, die lieber heute als morgen sehen will, wie ihr Promi-Nachbar das Weite sucht. Dazu dann noch viele schräge "Gast-Figuren" wie einen besessenen Fan, einen sächsischen Postboten, den schon oben angesprochenen Nazi und viele mehr. Abgerundet von Gastauftritten, wie dem Herzkranken Spaßvogel Hugo Egon Balder, Martin Semmelrogge oder Michael Kessler, die sich ebenfalls allesamt herrlich überzogen ins Bild setzen. So und nicht anders müssen schräg überzogene Sitcom-Figuren aussehen.
Einziger Wehrmutstropfen sind da höchstens die Darstellerleistungen, abgesehen von Pastewka. Während sich Bastian Pastewka wirklich mit absoluter Brillanz in Szene setzt, verblassen seine Kollegen allesamt, wenn sie auch nur in seine Nähe kommen. Wie schon bei "Stromberg", so schafft es leider auch bei "Pastewka" kaum einer der Nebendarsteller auch nur ansatzweise an ihren Hauptkollegen ranzukommen. Am besten und annehmbarsten ist da vielleicht noch Sonsee Neu, die sich als Bastians Freundin Anne wirklich alle Mühe gibt. Und die Selbstdarstellung der einzelnen Gaststars, sowie Bettina Lamprecht als Nachbarin Bruck, gehen vielleicht auch noch so weit in Ordnung. Der restliche Cast möchte aber dringend noch ein bisschen üben!
Fazit: Eine absolut wunderbare Comedy aus deutschen Landen, die einen unserer besten Comedians, in absolut bester Spielerlaune präsentiert, mit dem spürbaren Hang, sich durchgehend selbst durch den Kakao zu ziehen. "Pastewka" bietet wunderbare Charaktere, und wirklich einen grandiosen Gag nach dem Anderen, die absolut jedes mal ins Schwarze treffen. Nur die Nebendarsteller müssen allesamt noch ein wenig an ihrem Schauspiel feilen, wenn sie wenigstens in die Nähe von Pastewkas Schauspiel-Qualitäten kommen wollen. Ansonsten aber, neben "Stromberg", die wohl beste Comedyserie, die es derzeit im deutschen Fernsehen gibt. Weiter so!
Wertung: 8/10 Punkte